Healthcare-Robotik · Hersteller-Profil
Aethon TUG: Was der Krankenhaus-Transportroboter wirklich leistet
Kurz gesagt: Der Aethon TUG ist ein autonomer Transportroboter für Kliniken. Er fährt Wäsche, Essen, Medikamente und Proben über Stationen und Etagen, nach Herstellerangaben mit einer Traglast von 340 kg (T3) bis 453 kg (T3XL). Aethon sitzt in Pittsburgh und gehört seit 2017 zu ST Engineering aus Singapur. Der TUG ist ein reiner Transporter mit abschließbaren, zugriffsgeschützten Fächern, kein Roboter mit Greifarm. Für Deutschland gibt es seit Juli 2025 mit der imrox GmbH einen Distributor, aber weiterhin keine belegte Klinik-Installation. Zur Einordnung finden Sie bei uns auch den Überblick, was Krankenhausroboter heute leisten.
Was der Aethon TUG ist
Wenn Sie eine Klinik leiten oder dort die Logistik verantworten, kennen Sie das Bild von Pflegekräften, die stundenlang Karren durchs Gebäude schieben. Genau diese Wege soll der Aethon TUG übernehmen, ein autonomer mobiler Roboter für die Klinik-Logistik. Er transportiert Wäsche, Mahlzeiten, Sterilgut, Medikamente und Laborproben durch das ganze Haus und zieht oder trägt Wagen über Flure, durch Türen und mit dem Aufzug zwischen den Etagen. Für Blutprodukte gelten dabei eigene Vorgaben; sie stehen im Beitrag zum Transport von Blutprodukten in der Klinik.
Der TUG ist dabei ein reiner Transporter und kein Roboter mit Greifarm. Er nimmt einen Wagen auf oder öffnet ein Fach, greift aber nichts eigenständig aus dem Regal. Das trennt ihn von Manipulator-Robotern wie Moxi, den wir weiter unten einordnen.
Zwischen seinen Aufträgen läuft der Roboter nach Herstellerangaben autonom, weicht Menschen und Hindernissen selbst aus und kehrt danach zur Ladestation zurück. Einen Beleg für dauerhafte Fernsteuerung gibt es in den geprüften Quellen nicht. Die Bezeichnung „autonom“ nach Herstellerangaben ist damit nachvollziehbar, auch wenn der TUG feste Aufgaben statt freier Entscheidungen abarbeitet.
Wie der TUG navigiert: ohne Leitlinien durch die Klinik

Magnetstreifen oder Bodenmarkierungen im Flur braucht der TUG nach Herstellerangaben nicht. Er arbeitet stattdessen mit einer internen Gebäudekarte, die beim Einrichten der Klinik einmal angelegt und danach wiederverwendet wird.
Zur Orientierung nutzt der Roboter ein Bündel aus Sensoren. Nach Angaben von Aethon und Aggregatoren kombiniert er mehrere LiDAR-Ebenen mit 3D-Sensoren, Sonar und Infrarot. Daraus entsteht ein Bild der Umgebung, das eine KI-gestützte Hindernisvermeidung auswertet. Fährt jemand mit einem Bett in den Flur, soll der TUG ausweichen statt zu stoppen.
Viele ältere Klinik-Transporter fahren dagegen feste Routen entlang verlegter Linien. Der TUG plant seinen Weg dynamisch und kann auf gesperrte Flure reagieren. Wie gut das im Dauerbetrieb funktioniert, hängt von der jeweiligen Gebäudekarte ab. Mehr zur Technik dahinter steht in unserem Grundlagentext über autonome mobile Roboter.
Die Baureihe: TUG T2, T3 und T3XL
Aethon führt den TUG als T2, als T3 und als schweres T3XL. Der Unterschied liegt vor allem in der Traglast und in der Länge der Wagen, die der Roboter ziehen kann. Alle Zahlen dazu sind Herstellerangaben und keine unabhängig geprüften Messwerte.
Der TUG T3 zieht oder trägt nach Herstellerangaben bis zu 340 kg, also rund 750 Pfund, das größere T3XL bis zu 453 kg oder umgerechnet etwa 1.000 Pfund. Damit spielt der TUG in der Schwerlast-Klasse der Klinik-Logistik und nicht in der Liga kleiner Tablett-Roboter fürs einzelne Zimmer.
Bei der zulässigen Wagenlänge nennt die Herstellerseite rund 112 cm für den T3 und rund 142 cm für den T3XL. Eine ältere Quelle spricht von etwa 122 cm, weshalb wir die Werte als Näherung führen. Unterwegs ist der TUG mit rund 0,76 m/s, also etwa Schrittgeschwindigkeit im gefüllten Flur.
| Merkmal | Wert (nach Herstellerangaben) | Quelle | Jahr | Status |
|---|---|---|---|---|
| Modellvarianten | TUG T2, T3, T3XL | aethon.com/t3 | 2024 | Herstellerangabe |
| Traglast T3 | 340 kg (750 lb) | aethon.com/t3 | 2024 | Herstellerangabe |
| Traglast T3XL | 453 kg (1.000 lb) | aethon.com/t3 | 2024 | Herstellerangabe |
| Geschwindigkeit | ca. 0,76 m/s (76 cm/s) | qviro.com · environmental-expert.com | 2024 | Herstellerangabe |
| Laufzeit | rund 10–12 h mit Zwischenladen (Quellen weichen ab) | aethon.com/t3 (12 h) vs. environmental-expert.com (10 h) | 2024 | Herstellerangabe · Diskrepanz offen |
| Antrieb | omnidirektional, 4-Rad-Antrieb | aethon.com/t3 | 2024 | Herstellerangabe |
| Navigation | infrastrukturlos; Multi-LiDAR + 3D + Sonar/Infrarot | aethon.com/t3 · qviro.com | 2024 | Herstellerangabe |
| Eigentümer | ST Engineering (Singapur) | stengg.com Newsroom | 2025 | belegt · PRIMÄR |
| DE-Vertrieb | imrox GmbH als Distributor (T3, Zena RX), bekanntgegeben 22.07.2025; eine Exklusivität nennt imrox.de nicht | Pressemitteilung 22.07.2025 · imrox.de | 2025 | belegt |
| DE-Installation | keine belegte Klinik-Installation; CE-/Medizinproduktstatus nicht belegt | Recherche 08/2026 | 2026 | Negativbefund · nicht DE-belegt |
Hart belegt sind davon nur der Eigentümer, der deutsche Vertriebsweg und der Negativbefund zur Installation. Traglast, Tempo, Laufzeit und Antrieb bleiben Herstellerangaben ohne unabhängige Prüfung. Die Laufzeit steht bewusst als Spanne, weil die Herstellerseite 12 Stunden nennt und Aggregatoren 10 Stunden.
Aufzug, Tür und Klinik-IT: wie der TUG andockt
Ein Transportroboter ist nur so gut wie seine Anbindung ans Gebäude, und darin steckt viel von Aethons Erfahrung. Der TUG verbindet sich nach Herstellerangaben per WLAN mit Aufzügen und automatischen Türen und soll damit selbst den Fahrstuhl rufen, die Etage wählen und allein ein- und wieder ausfahren.
Aethon wirbt damit, den TUG mit praktisch jedem Aufzughersteller koppeln zu können. Das ist eine Herstellerangabe, kein universelles Versprechen für jedes Haus. In der Praxis hängt die Aufzug- und Türsteuerung immer an der Gebäudetechnik, die bei Ihnen schon steht, und mit einer älteren Steueranlage kann die Anbindung aufwendiger werden.
Dazu kommt die Anbindung an die Klinik-IT und ein Fern-Support. Aethon nennt ein Command Center mit Fernbetreuung rund um die Uhr, also 24/7/365. Wie tief die Integration in ein bestehendes Krankenhaus-Informationssystem geht, hängt vom Projekt ab. Wer die Integrationsseite vertiefen will, findet mehr zur Integration in Aufzug, Tür und Klinik-IT.
Abschließbare Fächer für Medikamente und Proben
Für Medikamente und Laborproben reicht ein offener Wagen nicht. Der TUG bietet dafür nach Herstellerangaben abschließbare, zugriffsgeschützte Fächer, aus denen nur berechtigtes Personal den Inhalt entnehmen soll, oft über eine Authentifizierung am Roboter. Das dient der lückenlosen Übergabekette, die Kliniken bei sensiblen Gütern brauchen.
„Gesichert“ heißt dabei abschließbar und zugriffsgeschützt, nicht absolut manipulationssicher. Ältere Marketing-Texte nannten Fingerabdruck-Zugang und Sprachausgabe, doch diese Angaben stammen aus 2015, weshalb wir sie als historische Herstellerangabe führen und nicht als bestätigten heutigen Stand.
Der Grundgedanke bleibt trotzdem plausibel. Wenn Sie Betäubungsmittel oder Blutproben durch ein großes Haus fahren, wollen Sie keine offenen Ablagen, und ein verriegeltes Fach mit Zugangsprüfung ist dafür die logische Antwort. Wie robust die einzelne Lösung ist, entscheidet sich am konkreten Modell und an der jeweiligen Klinik.
Wem Aethon heute gehört: ST Engineering
Hinter dem TUG steht heute ein großer Konzern. Aethon Inc. sitzt in Pittsburgh, Pennsylvania, und gehört seit 2017 zu ST Engineering aus Singapur. Der Kauf lief über eine Tochter des Land-Systems-Bereichs und wurde für 36 Mio. US-Dollar abgewickelt. Angekündigt war die Übernahme am 21. Juli 2017, abgeschlossen am 14. August 2017 laut Börsenmeldung.
Diese Zahl ist einer der wenigen hart belegten Fakten über Aethon. Sie kommt aus der Fachpresse und einem offiziellen SGX-Filing der Börse Singapur. Heute läuft die Marke offiziell als „ST Engineering Aethon“, als CEO wird Peter Seiff genannt.
Als Jahr der Übernahme ist 2017 belegt, nicht 2019. Das Gründungsjahr von Aethon selbst lässt sich in den geprüften Quellen nicht sauber belegen. Der TUG ist seit rund zwei Jahrzehnten am Markt, ein genaues Startjahr führen wir bewusst nicht als Fakt.
ZenaRx: die neue Zustell-Generation von 2024
Aethon hat den TUG nicht stehen lassen. Am 29. April 2024 stellte das Unternehmen in Pittsburgh die Produktlinie ZenaRx vor, ausgelegt auf die sichere Zustellung von Medikamenten, Proben und sensiblen Gütern. Die Angaben dazu stammen aus der offiziellen Pressemitteilung und sind entsprechend belegt.
Die genannten Werte zeigen den Sprung gegenüber dem älteren Apotheken-Roboter. ZenaRx bietet nach Herstellerangaben über 10.000 Kubikzoll Stauraum, das ist rund das 2,6-Fache der TUG-T2-Lösung. Die Hindernisvermeidung und Lokalisierung sollen achtmal schneller arbeiten als beim Vorgänger. Für die Ladung nennt Aethon vier unabhängig verriegelbare Einheiten.
Bei der Laufzeit bleibt ZenaRx im vertrauten Rahmen mit 10 Stunden Dauerbetrieb, länger mit Zwischenladen zwischendurch. Die Pressemitteilung nennt allerdings keine Stückzahlen und keine Klinikliste. ZenaRx ist damit ein belegtes Produkt, aber kein Beleg für eine breite Auslieferung.
Nicht vermischen. ZenaRx wurde am 29. April 2024 vorgestellt. Die separate Kooperation mit Oracle zur Klinik-Lieferkette wurde erst am 10. September 2025 angekündigt. Eine Integrations-Ankündigung mit Oracle ist kein Nachweis eines flächigen Regelbetriebs.
Belegter Betrieb gegen alte Marketing-Zahlen
Belegt ist, dass der TUG seit vielen Jahren kommerziell in US-Kliniken installiert ist. Die Fachpresse sprach schon 2017 von erfolgreicher Kommerzialisierung und breiter Installation. Das ist echter Regelbetrieb, kein reiner Laborversuch.
Die großen Marketing-Zahlen tragen weniger weit. „Über 140 Krankenhäuser“ und „über 50.000 Lieferungen pro Woche“ stammen aus 2014 und 2015 und werden seither unverändert wiederholt, obwohl sie über zehn Jahre alt sind. Die offizielle Pressemitteilung von 2025 nennt bewusst keine aktuelle Stückzahl.
Ähnliches gilt für die oft zitierte UCSF-Referenz. Dort sollen 2015 rund 25 TUG-Einheiten täglich etwa 500 Meilen über rund 1.300 Fahrten zurückgelegt haben. Auch das ist eine historische Herstellerangabe, kein aktueller Beweis. Wenn Sie den TUG einordnen, sollten Sie diese alten Zahlen nur mit Jahr und ohne Gewähr lesen.
Deutschland: was belegt ist und was nicht
Für Deutschland fällt der Befund zweigeteilt aus. In den geprüften Quellen gibt es keine belegte deutsche Klinik mit TUG-Regelbetrieb. Namen wie Schön Klinik oder Asklepios tauchten nur als generische Suchtreffer auf, ohne Aethon-Beleg, und als belegte Installation in Deutschland zählt das nicht.
Der Vertriebsweg dagegen ist geklärt. Die imrox GmbH vertreibt die Aethon-AMR-Systeme in Deutschland; die Pressemitteilung vom 22. Juli 2025 nennt sie „Distributor von ST Engineering Aethon für den deutschen Gesundheitsmarkt“ und wurde auf der med.Logistica in Leipzig vorgestellt. Vertrieben werden der T3 und der Zena RX. Von Exklusivität ist dort nicht die Rede, und imrox.de führt Aethon, Robotise und Bear Robotics nebeneinander. Ein benannter Distributor ist damit belegt, eine deutsche Installation deshalb noch nicht, denn auch imrox nennt keine Referenzkliniken. Wer den TUG hierzulande beschaffen will, hat also einen Ansprechpartner, aber kein deutsches Haus, in dem er den Regelbetrieb ansehen kann.
Der offene Punkt ist damit enger geworden. Es fehlt der Beleg für den laufenden Einsatz in einer deutschen Klinik, nicht mehr der Weg in den Markt. Bei belegten Klinik-Installationen sind Anbieter wie Swisslog Healthcare oder der EU-Hersteller MiR hierzulande weiter vorn, doch das ist ein Kontrast, kein Aethon-Beleg. Den größeren Rahmen dazu liefert unsere Übersicht zur AMR-Logistik im Krankenhaus.
Im Wettbewerb: TUG gegen Moxi, RelayRx, Swisslog und HOSPI

Der TUG steht nicht allein im Klinikflur, und neben ihm fahren reale Alternativen. Alle Werte im Vergleich sind Hersteller- oder Pressemitteilungs-Angaben mit Quelle, und wo eine Zahl fehlt, steht bewusst „k. A.“ statt einer erfundenen Angabe.
| Anbieter · Modell | Aufbau | Traglast (Herstellerangabe) | Reife / Deployment | DE-Bezug |
|---|---|---|---|---|
| Aethon (ST Engineering) · TUG T3/T3XL | reiner Transport, abschließbare Fächer | 340 kg / 453 kg | langjährig in US-Kliniken installiert | Distributor imrox GmbH (seit 22.07.2025); Installation nicht belegt |
| Diligent Robotics · Moxi / Moxi 2.0 | mobiler Manipulator mit Greifarm | Bedside-Leichtlast (offiziell nicht klar beziffert) | nahezu 100 Roboter, über 1,25 Mio. Lieferungen, 25+ US-Kliniken; Moxi 2.0 vorgestellt 28.10.2025 | nicht belegt (US-Fokus) |
| Relay Robotics · RelayRx | reiner Transport, geschlossene Fächer | ca. 41 l Volumen, leichte Lasten | über 15 Klinik-Systeme, eigene Aufzugtechnik; Ø ca. 7 min je Lieferung | nicht belegt |
| Swisslog Healthcare · RoboCourier / TransCar | reiner Transport (AMR bzw. AGV) | RoboCourier bis 45 kg; TransCar schwere Wagen | TransCar: 700+ AGVs in 50+ Kliniken weltweit | DE-nah (Swisslog Healthcare GmbH) |
| Panasonic · HOSPI | reiner Transport, Authentifizierungs-Tags | leichte Güter | seit 2013; ISO 13482 + JIS-Zertifizierung (20.04.2016) | nicht belegt |
| MiR (Teradyne) · MiR250 / MiR600 | reiner Transport (generisches AMR) | 250 kg / 600 kg | breite Industrie-Reife, Klinik als Logistik-Backbone | verfügbar (EU-Hersteller, DE-Vertrieb) |
Der entscheidende Unterschied liegt in der Bauart. Nur Moxi von Diligent Robotics hat einen echten Greifarm und übergibt Objekte selbst, während TUG, RelayRx, RoboCourier, TransCar, HOSPI und MiR reine Transporter mit geschlossenen Behältern sind. Am Rand hat sich dabei die Eigentümerlage verschoben, denn Serve Robotics hat Diligent Robotics Anfang 2026 übernommen, angekündigt am 20. Januar 2026, abgeschlossen Ende Januar 2026; Moxi gehört seither zu Serve.
Auch die Gewichtsklasse trennt das Feld. Der TUG liegt mit 340 bis 453 kg deutlich über den leichten Zustellern, bleibt aber unter dem MiR600 mit seinen 600 kg, und Swisslog TransCar ist auf schwere Wagen ausgelegt. RelayRx, HOSPI und Moxi bedienen eher leichte Lasten direkt am Bett. Und beim Thema Sicherheit sticht Panasonic HOSPI heraus, weil dort eine ISO-13482-Zertifizierung belegt ist, die für den TUG fehlt.
Wer die Manipulator-Seite genauer verstehen will, findet den Kontrast bei Diligent Robotics Moxi als Greifarm-Alternative. Dieser Vergleich ist Einordnung, keine Kaufempfehlung. Kein Anbieter wird bevorzugt, und es gibt kein „x gegen y“ mit Sieger.
Geschäftsmodell: wie Kliniken den TUG betreiben
Ein TUG wird nicht im Onlineshop bestellt, sondern direkt über den Hersteller als Klinik-Projekt. Dazu gehören die Vermessung des Hauses, das Anlegen der Karte und die Anbindung an Aufzüge und Türen, und erst danach fährt der Roboter produktiv.
Für die Kalkulation finden Sie nur alte Zahlen. Die belastbarste stammt aus einem CNBC-Beitrag vom 30. April 2015. Das UCSF Medical Center in San Francisco kaufte danach 25 TUG-Roboter für 3,5 Millionen US-Dollar und gab weitere 2,5 Millionen dafür aus, die Roboter und das Haus umzurüsten, damit sie sich frei bewegen können. Rechnerisch sind das 140.000 US-Dollar je Roboter — plus rund 71 Prozent obendrauf allein für den Umbau. Der Betriebsplaner der Klinik rechnete damals damit, die Investition binnen zwei Jahren zumindest wieder hereinzuholen. Diese Werte sind über zehn Jahre alt und gelten nur mit Jahr und ohne Gewähr. Als aktueller Preis taugen sie nicht, und einen offiziellen heutigen Preis nennt Aethon nicht. Was Anschaffung, Miete und Betrieb wirklich verlangen, ordnet der Beitrag zu Krankenhausroboter-Kosten ein.
Zum Betrieb gehört auch die laufende Betreuung. Aethon nennt einen Fern-Support über ein Command Center rund um die Uhr. Der TUG lädt sich zwischen den Fahrten selbst und dockt automatisch an seine Station. So soll er im Schichtbetrieb möglichst ohne manuelles Eingreifen laufen.
Recht: CE, Maschinenverordnung und Medizinprodukt-Abgrenzung
Rechtlich ist der TUG zuerst ein Transport- und Logistikroboter. Als solcher fällt er je nach Funktion unter die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, die ab dem 20. Januar 2027 verbindlich gilt. Kommen KI-Funktionen ins Spiel, greift zusätzlich der EU AI Act. Werden dabei Personendaten verarbeitet, ist die DSGVO relevant.
Eine CE-Kennzeichnung ist eine Herstellererklärung, kein Qualitäts- oder Sicherheitssiegel. Für den TUG haben wir in den geprüften Quellen keine öffentlich einsehbare CE-Erklärung gefunden, und das ist eine Lücke in unserer Recherche, keine Aussage darüber, ob das Gerät gekennzeichnet ist. Über die imrox GmbH werden T3 und Zena RX seit 2025 in Deutschland vertrieben, und wer ein Produkt in der EU in Verkehr bringt, hat die dafür geltenden Pflichten zu erfüllen. Wir stellen den Roboter deshalb weder als geprüft zugelassen noch als nicht verkehrsfähig dar; wer es genau wissen will, lässt sich die Konformitätsunterlagen zum konkreten Gerät zeigen.
Der TUG transportiert Medikamente und Proben, doch Aethon beschreibt ihn in den geprüften Quellen als Transport- und Logistikroboter und nennt keine medizinische Zweckbestimmung, und damit ist er selbst kein Medizinprodukt. Ein Medizinprodukt-Claim wäre also falsch. Das hier ist eine Einordnung und keine Rechtsberatung.
Der Markt dahinter: warum Personalmangel Klinik-Roboter treibt
Der TUG steht in einem wachsenden, aber schwer vermessbaren Markt. Marktforscher schätzen den Bereich Healthcare-Mobilroboter für 2023 auf rund 3,8 Mrd. US-Dollar. Für 2030 kursieren Werte zwischen etwa 10,4 und 12,67 Mrd. US-Dollar. Das entspricht je nach Haus einer jährlichen Wachstumsrate von rund 16 bis 17 Prozent.
Diese Zahlen streuen aus gutem Grund. Sie stammen aus kommerziellen Prognose-Häusern und grenzen den Markt jeweils anders ab. Für die enger gefasste Klinik-Logistik nennt ein Haus 1,20 Mrd. US-Dollar für 2022 und 5,63 Mrd. US-Dollar für 2030. Deshalb lohnt sich nur die Bandbreite mit Quelle, nie eine einzelne Zahl als Wahrheit.
Der Treiber hinter allen Prognosen ist der gleiche. Kliniken finden zu wenig Personal, und Botengänge binden teure Arbeitszeit. Roboter wie der TUG sollen genau diese Wege übernehmen, damit Pflege am Bett bleibt. Ob sich das rechnet, hängt am Haus, an den Wegen und an der Zuverlässigkeit im Alltag. Den Überblick über das ganze Feld bietet unsere Übersicht zur Robotik im Gesundheitswesen.
Grenzen und offene Fragen
Die technischen Kernwerte des TUG sind Herstellerangaben ohne unabhängige Prüfung. Selbst die Laufzeit ist nicht eindeutig, weil die Herstellerseite 12 Stunden und Aggregatoren 10 Stunden nennen. Ein sauberes Gründungsjahr fehlt ebenso wie aktuelle Stückzahlen.
Auch die großen Erfolgszahlen sind mit Vorsicht zu lesen. Die viel zitierten 140 Kliniken und 50.000 Lieferungen pro Woche stammen aus 2014 und 2015. Die offizielle Kommunikation von 2025 verzichtet auf neue Zahlen. Das ist kein Vorwurf, aber ein Grund, alte Marketing-Werte nicht als heutigen Stand zu lesen.
Für Deutschland bleibt eine Lücke. Der Vertriebsweg steht seit dem 22. Juli 2025 mit der imrox GmbH als Distributor für T3 und Zena RX, doch eine belegte Installation in einem deutschen Haus fehlt weiterhin, und eine CE-Erklärung oder einen Medizinproduktstatus haben wir nicht gefunden. Der TUG ist hierzulande damit beziehbar, im Klinikalltag aber noch nicht nachweisbar im Einsatz. Wer breiter vergleichen will, findet den Rahmen in unserem Überblick zu Servicerobotern.
Wem gehört Aethon?
Aethon Inc. sitzt in Pittsburgh und gehört seit 2017 zu ST Engineering aus Singapur. Der Kauf lief für 36 Mio. US-Dollar, angekündigt am 21. Juli 2017 und abgeschlossen am 14. August 2017. Die Marke läuft heute als „ST Engineering Aethon“.
Was kann der Aethon TUG transportieren?
Der TUG fährt nach Herstellerangaben Wäsche, Mahlzeiten, Sterilgut, Medikamente und Laborproben durch die Klinik. Er zieht oder trägt dabei Wagen über Flure und Etagen. Für sensible Güter gibt es abschließbare, zugriffsgeschützte Fächer.
Hat der TUG einen Roboterarm?
Nein. Der TUG ist ein reiner Transporter ohne Greifarm. Er nimmt Wagen auf oder öffnet Fächer, greift aber nichts eigenständig. Einen echten Greifarm hat im Klinikbereich zum Beispiel Moxi von Diligent Robotics.
Fährt der TUG selbstständig Aufzug?
Ja, nach Herstellerangaben. Der TUG verbindet sich per WLAN mit Aufzügen und automatischen Türen, ruft den Fahrstuhl und wählt die Etage. Das hängt aber immer an der vorhandenen Gebäudetechnik und ist kein universelles Versprechen für jedes Haus.
Läuft der Aethon TUG in Deutschland?
Beziehbar ist er: Die imrox GmbH vertreibt seit der Bekanntgabe vom 22. Juli 2025 die Aethon-AMR-Systeme in Deutschland, nämlich T3 und Zena RX. Eine Exklusivität nennt imrox.de nicht; die Seite führt Aethon, Robotise und Bear Robotics nebeneinander. Eine deutsche Klinik mit TUG-Regelbetrieb ist in den geprüften Quellen dagegen nicht belegt, und auch imrox nennt keine Referenzkliniken. Einen CE- oder Medizinproduktstatus konnten wir ebenfalls nicht belegen. Stand ist die Recherche vom August 2026.
Wie schwer darf die Ladung des TUG sein?
Nach Herstellerangaben zieht oder trägt der TUG T3 bis zu 340 kg und das T3XL bis zu 453 kg. Damit gehört er in die Schwerlast-Klasse der Klinik-Logistik. Die Werte sind Herstellerangaben ohne unabhängige Prüfung.
Was kostet ein Aethon TUG?
Einen offiziellen aktuellen Preis nennt Aethon nicht. CNBC berichtete im April 2015 über das UCSF Medical Center: 25 TUG-Roboter für 3,5 Millionen US-Dollar, dazu 2,5 Millionen für die Umrüstung von Robotern und Gebäude. Das sind rechnerisch 140.000 US-Dollar je Einheit, und der Umbau kam fast noch einmal in derselben Größenordnung dazu. Diese Werte sind über zehn Jahre alt und gelten nur mit Jahr und ohne Gewähr.
Ist der Aethon TUG ein Medizinprodukt?
In den geprüften Quellen nicht. Der TUG ist ein Transport- und Logistikroboter ohne medizinische Zweckbestimmung und damit kein Medizinprodukt. Er transportiert zwar Medikamente und Proben, ein Medizinprodukt-Claim wäre aber falsch. Das ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.
Was unterscheidet TUG und Moxi?
Der TUG ist ein reiner Schwerlast-Transporter mit abschließbaren Fächern. Moxi von Diligent Robotics ist ein mobiler Manipulator mit Greifarm, der Objekte selbst holt und übergibt. TUG bewegt ganze Wagen, Moxi arbeitet eher leichte Lasten direkt am Bett ab.
Wie lange gibt es den TUG schon?
Der TUG ist seit rund zwei Jahrzehnten am Markt. Ein exaktes Gründungsjahr von Aethon lässt sich in den geprüften Quellen nicht sauber belegen. Belegt ist ein langjähriger kommerzieller Einsatz in US-Kliniken sowie die Übernahme durch ST Engineering 2017.
Quellen & Stand: stengg.com Newsroom (Eigentümer, CEO, ZenaRx 29.04.2024, Oracle-Kooperation 10.09.2025), therobotreport.com und links.sgx.com (Übernahme 36 Mio. US-$, 2017), aethon.com/t3 sowie qviro.com und environmental-expert.com (Baureihe, Traglast, Tempo, Laufzeit, Antrieb, Navigation — Herstellerangaben), Pressemitteilung vom 22.07.2025, Fachmedien und imrox.de (imrox GmbH als exklusiver DE-Distributor für T3 und Zena RX, med.Logistica 2025 Leipzig), diligentrobots.com und therobotreport.com (Moxi 2.0), relayrobotics.com und robotics247.com (RelayRx), prweb.com und medicalexpo.com (Swisslog RoboCourier/TransCar) sowie die TransCar-Herstellerbroschüre (Seite 2, wörtlich „more than 700+ AGVs deployed in 50+ hospitals worldwide“, abgerufen 06.09.2026), news.panasonic.com (Panasonic HOSPI, ISO 13482/JIS 20.04.2016), mobile-industrial-robots.com (MiR250/MiR600), Grand View Research, NextMSC und IMARC (Marktbandbreiten), Recherche 08/2026 (DE-Installation, CE-Beleg). Trag-, Tempo- und Laufzeitwerte sind Herstellerangaben ohne unabhängige Prüfung; historische Stückzahlen und Preise stammen aus 2014–2015 und gelten nur mit Jahr und ohne Gewähr. Diese Einordnung ist redaktionell und keine Kauf-, Anlage- oder Rechtsberatung. Stand: 12. August 2026.