Soziale Roboter Pflege

Pflege- & Assistenzroboter · Fachüberblick

Soziale Roboter in der Pflege: was Aktivierung wirklich bringt

Stand 11. August 2026 · Lesezeit 12 Minuten · Fachüberblick

Kurz gesagt: Soziale Roboter in der Pflege führen Gespräche, aktivieren kognitiv und sollen emotionale Zuwendung geben. Diese Zuwendung ist technisch simuliert, nicht gefühlt. Bekannte Beispiele sind Paro, Pepper und Navel. Körperliche Pflege leisten sie nicht. Studien zeigen positive Einzeleffekte, aber keinen belegten Gamechanger — und nur Paro hat eine harte, unabhängige Studienlage. Wer die ganze Bandbreite an Einsätzen sucht, findet den Überblick über Pflegeroboter aller Art bei uns separat.

PARO, Pepper, Navel, temi und ElliQ als unterschiedliche Typen sozialer Roboter für Therapie, Gespräch und Telepräsenz.
Soziale Robotik umfasst sehr verschiedene Rollen: PARO ist ein taktiler Therapieroboter, Navel und ElliQ setzen auf Gespräch und Begleitung, temi auf Telepräsenz. Pepper ist eingestellt. Nur für PARO liegt eine vergleichsweise starke unabhängige Studienbasis vor. Quellen: AIST/PARO, PubMed, Navel Robotics, Intuition Robotics, temi und öffentliche Register zur Aldebaran-Liquidation; geprüft am 05.09.2026. KI-generierte Illustration (Symbolbild). Keine authentische Aufnahme des genannten Produkts oder Unternehmens; Fakten und Einordnung redaktionell geprüft.

Was soziale Roboter sind

Wenn Sie als Pflegedienstleitung oder Heimleitung zum ersten Mal ein Angebot für einen sozialen Roboter auf dem Tisch haben, hilft ein einfacher Maßstab. Ein sozialer Roboter ist für den Kontakt gebaut, nicht fürs Zupacken. Er redet, hört zu, zeigt Mimik und reagiert, wenn ihm jemand nahekommt, und darin unterscheidet er sich von den Logistik- und Greifrobotern, die in Kliniken Dinge von A nach B bringen.

In der Pflege übernimmt er meist mehrere Aufgaben zugleich. Er hält Menschen geistig auf Trab, mit Fragen, Musik oder kleinen Spielen, und gibt dem Tag Struktur, etwa durch Erinnerungen und kurze Gespräche. Dazu soll er emotionale Zuwendung geben, und das ist der heikelste und am meisten überschätzte Teil seiner Arbeit.

Was er nicht tut, ist ebenso eindeutig. Er wäscht niemanden, hebt niemanden aus dem Bett und reicht keine Medikamente an. Er ergänzt die Betreuung durch Ihre Fachkräfte, ohne eine von ihnen zu ersetzen. Wie der Alltag mit solchen Geräten konkret aussieht, zeigen wir Ihnen bei den Robotern in der Pflegepraxis.

Typen & Anbieter im Vergleich

Unter dem Begriff „sozialer Roboter“ steckt sehr Unterschiedliches, deshalb lohnt eine grobe Sortierung. Die einen wirken rein über Berührung, ganz ohne Sprache, andere kommunizieren über Gestik und einen Bildschirm, und eine dritte Art setzt voll aufs Gespräch, gesteuert von einer Sprach-KI.

Nach diesen Gruppen sortiert stehen die echten Anbieter mit Herkunft, Wirkprinzip und Marktstatus nebeneinander. Der Status verdient dabei den genauesten Blick, denn ein Gerät kann berühmt und trotzdem längst vom Markt sein. Dem bekanntesten Namen der Branche ist es so ergangen.

System Typ Herkunft Wirkprinzip Marktstatus
Paro Emotionaler Therapieroboter Japan (AIST) Taktil, nonverbal, Robbenform Etabliertes Therapieprodukt
Pepper Kommunikationsroboter Frankreich/Japan (Aldebaran/SoftBank) Gestik + Bildschirm, 1,2 m Eingestellt: Liquidation 02.06.2025
Navel Sozialroboter (Sprach-KI) Deutschland (München) Mimik, Blickkontakt, Emotions-KI, 72 cm Im Rollout, ~34 Einrichtungen · Herstellerangabe
temi Telepräsenz-Assistent Israel/USA Fahrbar, Tablet, Sprachsteuerung Marktverfügbar, Pflege nur eines von vielen Feldern
ElliQ Proaktiver Sprachbegleiter Israel/USA Tischgerät, initiiert Gespräche gegen Einsamkeit Marktreif, US-staatlich skaliert

Der bekannteste Sozialroboter der Welt ist tot, während schmale Nischenkonzepte wachsen. Der große „Alleskönner-Humanoid“ ist als Sozialroboter wirtschaftlich gescheitert, übrig bleiben Geräte mit einer klaren, engen Aufgabe. Wie anders die Rechnung im Service aussieht, zeigt der Gastro-Roboter Bellabot, der nur transportiert und gar nicht erst auf Zuwendung zielt.

Emotionale Roboter wie Paro

Paro ist die robbenförmige Ausnahme im Feld. Der Roboter stammt vom japanischen Institut AIST, spricht nicht und reagiert stattdessen taktil auf Berührung, Stimme und Licht. Bei Demenz soll er beruhigen und Agitation senken.

Paro ist außerdem der einzige soziale Roboter mit harter, unabhängiger Studienlage. Es existieren peer-reviewte Cluster-RCTs, also randomisierte kontrollierte Studien. Eine solche Studie fand bessere Werte bei Agitation und Stimmung gegenüber üblicher Versorgung.

Gegen ein einfaches Plüschtier war Paro allerdings nur beim reinen Engagement überlegen, nicht überall, und ein Effekt in einer Studie ist keine Garantie im Heimalltag. Was Paro vor allem belegt, ist, dass taktile Beruhigung messbar wirken kann — mehr als jeder Sprachroboter das bisher zeigt.

Kommunikationsroboter wie Pepper

Pepper war jahrelang das Gesicht der sozialen Robotik. Der 1,2 Meter hohe Humanoid stammt von Aldebaran, später SoftBank, und kommunizierte über Gestik und einen Brustbildschirm. Als Empfangs- und Interaktionsroboter galt er lange als Marktprimus.

Diese Ära ist sachlich vorbei, denn Aldebaran meldete im Februar 2025 Insolvenz an. Die Liquidation erfolgte am 2. Juni 2025, bei rund 150 Millionen Euro Schulden. Der Verkauf war schon 2024 gestoppt, insgesamt gingen etwa 17.000 Einheiten in den Markt.

Für den japanischen Markt kursiert ein Miet-Nachfolger namens Pepper+ ab Februar 2026, diese Angabe ist bislang aber nur schwach belegt. Als Kontrastfolie bleibt Pepper trotzdem lehrreich, weil ein bekannter Name offensichtlich nicht vor dem wirtschaftlichen Aus schützt.

Navel ist der europäische Gegenentwurf zum Pepper-Modell. Der Roboter der navel robotics GmbH aus München ist 72 Zentimeter hoch, zeigt Mimik, hält Blickkontakt und spricht per Sprach-KI. Über Kamera und Stimme analysiert er laut Hersteller Emotionen.

Die Verfügbarkeit ist real, aber jung. Navel steht seit Januar 2024 im Dauereinsatz in ersten Einrichtungen, nach Herstellerangaben läuft er in rund 34 Einrichtungen. Zielgruppe sind Senioren und Menschen mit Demenz.

Die positiven Effekte auf die Kognition stammen bisher aus einer Herstellerstudie, nicht aus einer unabhängigen RCT, und genau das macht im Vergleich mit Paro den Unterschied. Eine begleitende IPA-Studie fand den Ansatz qualitativ vielversprechend, technisch aber noch unreif. Wenn Sie tiefer einsteigen wollen, finden Sie im eigenen Profil zu Navel Robotics die Belege dazu.

temi und ElliQ im Alltag

Neben den Prominenten gibt es praktische Alltagsgeräte. temi stammt von Robotemi aus Israel und den USA und ist ein fahrbarer Assistent mit Tablet, Sprachsteuerung und autonomer Navigation, bei dem Pflege nur eines von vielen Anwendungsfeldern ist.

ElliQ verfolgt einen anderen Ansatz. Der Tischbegleiter von Intuition Robotics zielt gezielt gegen Einsamkeit, hat keinen Arm, fährt nicht und spricht stattdessen proaktiv. Nach Anbieterangaben startet das Gerät rund 60 Prozent der Interaktionen selbst.

ElliQ ist zudem staatlich skaliert, weil das New York State Office for the Aging das Gerät im großen Stil einsetzt. 2025 kam eine Japan-Lokalisierung mit dem Partner Kanematsu dazu. Die Wirkzahlen stammen aber auch hier vom Hersteller, nicht aus unabhängigen RCTs.

Was sie in Heimen tun

Im Heimalltag übernehmen soziale Roboter klar umrissene Aufgaben. Sie moderieren Gruppenrunden, spielen Musik und stellen Quizfragen, sie erinnern an Termine, Trinken oder kleine Übungen, und sie bieten Gespräch, wenn gerade keine Fachkraft Zeit hat.

Der Nutzen liegt oft in der Entlastung. Ein Roboter kann eine Aktivierungsrunde anstoßen, die sonst ausfiele, oder eine unruhige Person kurz binden, bis Personal frei wird. Solche kleinen Effekte summieren sich, auch wenn sie keine Betreuungsschicht ersetzen.

Am besten wirken die Geräte als Werkzeug in geschulten Händen. Ohne Einbindung ins Team bleibt der Effekt gering und der Neuheitsreiz verpufft, deshalb gehört die realistische Erwartung von Anfang an ins Konzept. Mehr zum Zusammenspiel von Software und Betreuung steht bei uns unter KI in der Pflege.

Wirkung: was Studien zeigen

Bei der Wirkung trennt sich Beleg von Werbung, denn die Studienlage ist über die Systeme hinweg sehr ungleich. Nur ein Gerät hat unabhängige, kontrollierte Studien, die anderen stützen sich auf Herstellerdaten oder qualitative Berichte.

System Beleg-Art Was gezeigt wurde Belegstärke
Paro Peer-reviewte Cluster-RCT Bessere Agitation/Stimmung vs. übliche Versorgung; vs. Plüschtier nur beim Engagement überlegen Hoch · unabhängig
Navel Herstellerstudie + IPA-Begleitung Positive Kognitions-Signale; qualitativ positiv, technisch unreif Schwach · nicht unabhängig
ElliQ Anbieterangaben Hohe Selbstauskunft zu weniger Einsamkeit Schwach · nicht unabhängig
temi Keine belastbaren Pflege-Zahlen Kein spezifischer Wirknachweis für Pflege Noch offen
Pepper Ältere Einzelstudien Gemischt; Produkt inzwischen eingestellt Historisch · überholt

Das Fazit bleibt darum zurückhaltend. Der Medizinethiker Robert Ranisch sieht durchaus positive Einzeleffekte, aber „kein Gamechanger“. Dass ein Roboter „gegen Einsamkeit hilft“, lässt sich so eben nicht als Faktum belegen, weil Studien einzelne Wirkungen zeigen und ein flächiger Durchbruch bis heute aussteht.

Simulierte Empathie richtig verstehen

Der Begriff Empathie führt bei Robotern in die Irre. Ein sozialer Roboter fühlt nichts, er erkennt Muster in Stimme, Mimik oder Worten und antwortet passend. Was wie Mitgefühl wirkt, ist eine Berechnung aus Sensordaten und Sprachmodell.

Diese Simulation kann trotzdem etwas auslösen, weil Menschen auf Blickkontakt und freundliche Stimme reagieren, auch bei Maschinen. Das ist ein psychologischer Effekt beim Menschen, keine Gefühlslage im Gerät, und diese Unterscheidung trägt jede seriöse Einordnung.

Für die Praxis wird das zur Gratwanderung. Den Effekt dürfen Sie ruhig nutzen, nur eben nicht überverkaufen, denn wer „empathischer Roboter“ wörtlich nimmt, täuscht am Ende sich und andere. Treffender ist es, von simulierter Zuwendung zu sprechen, die beim Gegenüber trotzdem echt wirkt.

Ethik: Demenz und Grenzverwischung

Die ethischen Fragen sind größer als die technischen. Bei Demenz kann die Grenze zwischen Maschine und Lebewesen verschwimmen, manche Menschen halten den Roboter dann für ein echtes Tier oder Gegenüber. Ranisch benennt genau diese Grenzverwischung als Risiko.

Daraus folgt kein pauschales Verbot, sondern die Pflicht zur Aufklärung und zur Begleitung. Angehörige und Pflegekräfte sollten wissen, was das Gerät ist und was nicht, denn Täuschung als Methode ist ethisch nicht tragfähig, auch wenn sie kurzfristig beruhigt.

Dazu kommt die Würde. Ein Roboter darf Zuwendung anstoßen, aber menschlichen Kontakt nicht ersetzen. Wird er zum Sparersatz für Personal, kippt der Nutzen in Vernachlässigung, und dann ist die Technik so gut oder schlecht wie das Konzept dahinter.

Datenschutz bei Kamera und Sprache

Viele soziale Roboter hören und sehen dauerhaft. Kamera und Mikrofon erfassen sensible Situationen im Zimmer, damit sind Gesundheitsdaten im Spiel, die besonders geschützt sind. Die DSGVO stuft solche Daten in Artikel 9 als besondere Kategorie ein.

Für Ihre Einrichtung entsteht daraus konkrete Arbeit. Häufig ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Artikel 35 DSGVO nötig, und es zählt, wo Sprache und Bild verarbeitet werden, lokal oder in der Cloud. Der Serverstandort und die Löschfristen sind deshalb keine Nebensache.

„Datenschutzkonform“ ist keine Eigenschaft des Geräts an sich, sondern hängt von Verarbeitung, Einwilligung und Technik im Einzelfall ab. Bleibt das im Angebot offen, steckt hinter der Beruhigung ein Risiko.

Reifegrad und Grenzen

Wie reif die Systeme sind, unterscheidet sich stark. Paro ist ein reifes Therapieprodukt mit enger Funktion, Navel ist kommerziell, aber jung und technisch noch unfertig. Pepper ist als Produkt eingestellt, temi und ElliQ sind marktreif, aber pflegefern belegt.

Fast alle Systeme teilen dieselben Schwächen. Die Sprach-KI stolpert schnell, sobald Dialekt oder Nebengeräusche ins Spiel kommen, und der Neuheitseffekt bleibt ein Fragezeichen, weil kaum sauber belegt ist, ob die Menschen die Geräte nach ein paar Monaten überhaupt noch nutzen.

Beim Kauf hilft darum, Erwartungen zu erden statt Hype zu kaufen. Ein sozialer Roboter ist ein Werkzeug mit Nischennutzen, kein Personalersatz. Die belegte Wirkung ist bei Paro am stärksten, sonst dünn, und teure Fehlentscheidungen entstehen dort, wo diese Lücke ausgeblendet wird.

Der Markt: Personalmangel und Finanzierungslücke

Der Markt wird von einem einzigen Druck getrieben. In Deutschland fehlen bis 2049 sehr viele Pflegekräfte, das Statistische Bundesamt nennt eine Lücke von 280.000 im Trend bis 690.000 im Status quo. Diese Zahl stammt aus der Pressemitteilung Nr. 033 vom 24. Januar 2024.

Parallel steigt der Bedarf deutlich, von rund 1,62 Millionen Pflegekräften 2019 auf etwa 2,15 Millionen bis 2049, also rund 33 Prozent mehr. Dieser demografische Sog ist das stärkste Nachfrage-Argument der Welt.

Dem steht eine Finanzierungslücke gegenüber. Die Pflegekasse kann digitale Pflegeanwendungen bezuschussen, Grundlage sind § 40, § 40a und § 78a SGB XI. Wie hoch der Zuschuss ausfällt, geben die Quellen nicht belastbar her.

Diese Erstattung zielt jedoch auf Apps und Software, nicht auf teure Roboter-Hardware, und ob physische Sozialroboter über das SGB XI bezahlt werden, ist nicht belegt. So steht ein riesiger Bedarf neben einem Gerät ohne klaren Kostenträger, und das ist das Kernproblem des ganzen Feldes.

Deutschland: Einsatz und Akzeptanz

In Deutschland sind soziale Roboter real, aber selten. Navel steht als deutscher Anbieter im Dauereinsatz in ersten Häusern, Paro wird in der Demenzarbeit seit Jahren punktuell genutzt. Von einer flächigen Verbreitung ist der Markt weit entfernt.

Die Akzeptanz hängt stark vom Konzept ab. Wo Personal geschult ist und den Roboter einbindet, funktioniert der Einsatz besser, wo das Gerät sich selbst überlassen bleibt, sinkt die Nutzung schnell. Technik allein erzeugt also keine Akzeptanz.

Neben Heimen gibt es Interesse für den privaten Bereich, also für ältere Menschen, die zu Hause bleiben. Diese Zielgruppe hat bei uns einen eigenen Beitrag zu Robotern für Senioren, während es hier um die Gattung geht.

Recht: AI Act und DSGVO

Rechtlich berühren soziale Roboter gleich mehrere Rahmen. Der EU AI Act adressiert Emotionserkennung und knüpft Transparenzpflichten daran, Nutzer müssen erkennen können, dass sie mit einer Maschine sprechen. Verdeckte Emotionsanalyse ist besonders sensibel.

Dazu kommen Produkt- und Datenregeln. Für die Hardware gilt je Funktion die CE-Kennzeichnung und die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, verbindlich ab 20. Januar 2027, wobei CE eine Herstellererklärung ist, kein Gütesiegel. Die DSGVO regelt parallel die Gesundheitsdaten und die Folgenabschätzung.

Absolute Sicherheit kann kein System versprechen, und was rechtskonform ist, entscheidet sich am konkreten Aufbau und der Verarbeitung. Diese Klärung gehört früh zu Datenschutz und Rechtsabteilung, denn eine redaktionelle Einordnung ersetzt keine Rechtsberatung.

Worauf Einrichtungen achten

Vor dem Kauf lohnt sich ein nüchterner Blick, der zuerst der Beleglage gilt und nicht dem Aussehen. Gibt es unabhängige Studien oder nur Zahlen vom Hersteller? Bei Paro fällt die Antwort stark aus, bei den meisten anderen dünn.

Danach kommen Daten und Betrieb. Wo Sprache und Bild verarbeitet werden, wie lange sie gespeichert bleiben und ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung nötig ist, gehört geklärt, bevor das Gerät im Haus steht. Dazu kommt der Alltag, also Schulung, feste Ansprechpartner und klare Einsatzroutinen.

Bleibt die Finanzierung, und die ist der wunde Punkt. Dass die Pflegekasse die Hardware nicht bezahlt, ist die sicherere Planungsgrundlage, deshalb gehören Träger, Förderung oder Eigenmittel vor dem Kauf geklärt. Sonst steht am Ende ein teures Gerät ohne tragfähiges Konzept dahinter.

Einordnung

Soziale Roboter können aktivieren, Gespräche anstoßen und einen Menschen für einen Moment binden. Die einzige harte, unabhängige Studienlage hat aber Paro mit seinen RCTs, alles andere stützt sich auf Herstellerdaten, auf qualitative Berichte oder ist historisch längst überholt.

Der Markt bleibt widersprüchlich. Deutschland hat mit bis zu 690.000 fehlenden Pflegekräften das stärkste Nachfrage-Argument, gleichzeitig fehlt die Erstattungsbrücke für teure Roboter-Hardware. Der Kollaps von Pepper zeigt, dass Bekanntheit kein Geschäftsmodell ersetzt.

Es überleben die schmalen, auf eine Aufgabe zugeschnittenen Konzepte, während der Alleskönner scheitert. Die Empathie bleibt simuliert, die Wirkung ist real, aber begrenzt. Den größeren Rahmen dazu finden Sie im Überblick zur Robotik im Gesundheitswesen. Einen belegten Gamechanger suchen Sie hier bewusst vergebens.

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fluxlane Redaktion

Neutrale Einordnung zu Service- und Assistenzrobotern mit Fokus auf den deutschen Markt, klaren Status-Angaben und quellenbelegten Zahlen. Wie wir arbeiten und Quellen prüfen.

Was ist ein sozialer Roboter?

Ein sozialer Roboter ist eine Maschine für Interaktion statt Handarbeit. Er redet, hört zu, zeigt Mimik und reagiert auf Nähe. In der Pflege aktiviert er kognitiv und soll Zuwendung geben. Körperliche Pflege leistet er nicht.

Helfen soziale Roboter gegen Einsamkeit?

Das ist eine offene Frage, kein belegtes Faktum. Studien zeigen positive Einzeleffekte, aber keinen flächigen Durchbruch. Der Ethiker Robert Ranisch spricht von Einzelwirkungen, aber „kein Gamechanger“. Aussagen wie „hilft sicher gegen Einsamkeit“ sind so nicht belegt.

Was macht Paro?

Paro ist ein robbenförmiger Therapieroboter aus Japan. Er spricht nicht, sondern reagiert taktil auf Berührung, Stimme und Licht. Bei Demenz soll er beruhigen und Unruhe senken. Er ist der einzige soziale Roboter mit unabhängigen, peer-reviewten RCT-Studien.

Ist Pepper noch aktuell?

Nein, Pepper ist als Produkt eingestellt. Hersteller Aldebaran meldete Februar 2025 Insolvenz an, die Liquidation folgte am 2. Juni 2025 bei rund 150 Millionen Euro Schulden. Der Verkauf war schon 2024 gestoppt. Ein Miet-Nachfolger für Japan ab 2026 ist bislang nur schwach belegt.

Sind soziale Roboter empathisch?

Nein, die Empathie ist simuliert. Der Roboter fühlt nichts, sondern erkennt Muster in Stimme, Mimik und Worten und antwortet passend. Die Wirkung entsteht beim Menschen, nicht im Gerät. „Empathischer Roboter“ ist darum irreführend gemeint.

Ersetzen soziale Roboter menschliche Zuwendung?

Nein, sie ergänzen Betreuung, sie ersetzen sie nicht. Ein Roboter kann eine Aktivierung anstoßen oder kurz binden. Menschlicher Kontakt bleibt unersetzlich. Wird der Roboter zum Sparersatz für Personal, kippt der Nutzen in Vernachlässigung.

Sind soziale Roboter in deutschen Heimen im Einsatz?

Ja, aber selten. Der deutsche Anbieter Navel steht nach Herstellerangaben in rund 34 Einrichtungen im Dauereinsatz, seit Januar 2024. Paro wird punktuell in der Demenzarbeit genutzt. Von flächiger Verbreitung ist der Markt weit entfernt.

Wie steht es um den Datenschutz?

Kamera und Mikrofon erfassen sensible Gesundheitsdaten nach Artikel 9 DSGVO. Oft ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Artikel 35 DSGVO nötig. Entscheidend sind Serverstandort, Verarbeitung und Löschfristen. „Datenschutzkonform“ ist keine Pauschale, sondern hängt vom Einzelfall ab.

Welcher soziale Roboter hat die beste Studienlage?

Paro. Es gibt peer-reviewte Cluster-RCTs mit besseren Werten bei Agitation und Stimmung gegenüber üblicher Versorgung. Navel und ElliQ stützen sich auf Herstellerangaben ohne unabhängige RCT. temi hat keine belastbaren Pflege-Zahlen.

Zahlt die Pflegekasse einen sozialen Roboter?

Dafür gibt es keinen Beleg. Die Pflegekasse kann digitale Pflegeanwendungen bezuschussen. Wie hoch der Zuschuss ausfällt, geben die Quellen nicht belastbar her. Das zielt auf Apps, nicht auf teure Roboter-Hardware. Ob physische Sozialroboter über das SGB XI bezahlt werden, ist nicht belegt.

Quellen & Stand: navelrobotics.com und altenheim.net (Navel 72 cm, ~34 Einrichtungen, IPA-Studie, Ethiker Ranisch), therobotreport.com und heise.de (Aldebaran-Insolvenz Februar 2025, Liquidation 2. Juni 2025, ~150 Mio. €, ~17.000 Einheiten), Moyle u. a., Cluster-RCT zur Therapierobbe PARO, JAMDA 2017 (PMID 28780395) (Paro Cluster-RCT, Agitation/Stimmung), aging.ny.gov und forbes.com (ElliQ NY-Rollout, ~60 % Interaktionen, Japan/Kanematsu 2025), Robotemi-Herstellerprofil (temi, keine belegten Pflege-Zahlen), destatis.de PM Nr. 033 vom 24.01.2024 (Pflegelücke 280.000–690.000, Bedarf 1,62 auf 2,15 Mio., +33 %), ifr.org World Robotics 2025 (Medizinroboter 16.700, +91 %), sozialgesetzbuch-sgb.de und gkv-spitzenverband.de (§ 40/40a/78a SGB XI, DiPA: Rechtsgrundlage des Anspruchs, keine Betragshöhe belegt). Herstellerzahlen sind Angaben der Hersteller. Wirkungsaussagen sind Studienbefunde, kein Heilversprechen; „Empathie“ ist technisch simuliert. Diese Einordnung ist redaktionell und keine Kauf-, Medizin- oder Rechtsberatung. Stand: 11. August 2026.

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