Autonomer Serviceroboter mit Fächern auf einem Krankenhausflur.

Healthcare-Robotik · Hersteller-Profil

KEENON im Gesundheitswesen: Serviceroboter für Klinik und Pflege

Stand 12. August 2026 · Lesezeit 12 Minuten · Hersteller-Profil

Kurz gesagt: KEENON Robotics ist ein Serviceroboter-Hersteller aus Shanghai, gegründet 2010. Für Kliniken hat KEENON eigene Modelle geführt: den Desinfektionsroboter M2, den Auslieferungsroboter M1 und den ButlerBot W3 mit abschließbaren Fächern. Am 5. September 2026 findet sich davon auf keenon.com nur noch der W3, dort unter Catering; ein Healthcare-Feld führt der Hersteller nicht mehr. Das sind Serviceroboter, keine Medizinprodukte. In Deutschland läuft der Vertrieb über Distributoren wie LabMatic Automation und OKMbot. Eine dokumentierte deutsche Klinik-Referenz ist bislang nicht öffentlich belegt. Und noch etwas Wichtiges vorweg: „WITMED“ ist keine KEENON-Marke, sondern ein Branchen-Sammelbegriff. Wer den Rahmen sucht, findet bei uns auch, wie Robotik im Gesundheitswesen einzuordnen ist.

Wer KEENON Robotics ist: Firma und Herkunft

Wenn Sie eine Klinik oder ein Pflegeheim leiten und KEENON als möglichen Anbieter einordnen wollen, beginnt das bei der Frage, wer da überhaupt liefert. KEENON Robotics sitzt in Shanghai, genauer im Bezirk Pudong an der Jinhai Road. Gegründet wurde das Unternehmen 2010, es beschreibt sich selbst als „globally leading provider of service robotics“. Für Shenzhen als Sitz, das Ihnen an manchen Stellen begegnet, gibt es keinen belegten Primärnachweis, denn der offizielle Firmensitz ist Shanghai, und dabei bleiben wir.

Bekannt wurde KEENON nicht mit Klinik-Technik, sondern im Restaurant, denn die DINERBOT-Serie mit Modellen von T3 bis T11 fährt Speisen zu Tischen und macht bis heute den Kern des Geschäfts aus. Rund um diesen Gastro-Ursprung ist das Portfolio breit geworden — Reinigungsroboter, Schwerlast-Transport, sogar humanoide Prototypen. Die Klinik-Modelle sind ein Segment dieser Serviceroboter-Familie und keine eigene Medizin-Sparte.

Zur Reichweite macht der Hersteller große Angaben, die Sie als solche lesen sollten. KEENON nennt eine Präsenz in über 60 Ländern und rund 600 Städten sowie Tochtergesellschaften in den USA, den Niederlanden, den VAE, Japan, Südkorea und Hongkong. Diese Zahlen stammen von der eigenen Unternehmensseite und sind nicht unabhängig geprüft. Sie zeigen Ambition und Vertriebsnetz, sie sind aber kein Beleg für Klinik-Reife in Deutschland.

„WITMED“ richtig eingeordnet: kein KEENON-Produkt

Vielleicht sind Sie über die Wortkombination „KEENON WITMED“ gestolpert und suchen nach einer medizinischen KEENON-Marke, doch diese Marke gibt es nicht. „WITMED“ steht für „Wise Information Technology of Medicine“ und ist ein allgemeiner Branchenbegriff für digital vernetzte Gesundheitsversorgung. Auf den offiziellen KEENON-Seiten taucht das Wort schlicht nicht auf.

Verwirrend wird es, weil es tatsächlich eine WITMED GmbH gibt, und die sitzt in Kolkwitz, existiert seit 2002 und ist eine unabhängige deutsche Medizintechnik-Beratung. Mit KEENON hat dieses Unternehmen nichts zu tun, weder als Tochter noch als Vertrieb. Wer „WITMED“ für eine KEENON-Klinik-Linie hält, verwechselt einen Fachbegriff und eine fremde Firma mit einem Roboter-Hersteller.

KEENONs Klinik-Roboter laufen unter eigenen Namen, nämlich M1, M2 und ButlerBot W3. „WITMED“ ist bestenfalls das Themenfeld, in dem solche Geräte auftauchen, als Produktname oder Submarke von KEENON ist es falsch. Uns begegnet dieser Irrtum rund um die Marke am häufigsten.

Die Klinik-Linie im Überblick: M1, M2, ButlerBot W3

KEENON hat drei Geräte für den Gesundheitsbereich geführt, die sehr unterschiedliche Aufgaben hatten. Der M1 ist ein Auslieferungsroboter für Medikamente und Material und entstand im Pandemie-Jahr 2020. Der M2 ist ein Desinfektionsroboter mit UV-C-Lampen und Sprühnebel, und der ButlerBot W3 fährt Sendungen in abschließbaren Fächern kontaktlos durch Flure und Stationen.

Alle drei übernehmen Transport- und Hygieneaufgaben, nicht die Behandlung selbst, denn kein Modell greift, dosiert oder assistiert am Patienten. Als Serviceroboter sind sie genau so positioniert. Sie entlasten Personal bei Wegen und Routinen, mehr versprechen sie nicht.

Die Verfügbarkeit unterscheidet sich zwischen den dreien allerdings deutlich. Gelistet ist am 5. September 2026 nur noch der ButlerBot W3, mit Spezifikationstabelle auf keenon.com. Für den M2 gibt es dort keine Produktseite mehr; die Adresse liefert einen 404. Die folgenden M2-Werte stammen deshalb aus der früheren Herstellerseite und sind an der Primärquelle heute nicht mehr nachprüfbar. Eingestellt ist damit nicht bewiesen, gelistet aber auch nicht mehr. Der M1 ist vor allem über den Pandemie-Einsatz dokumentiert, aktuelle Detailspecs sind an der Primärquelle dünn, und deshalb behandeln wir M1 vorsichtiger als die beiden anderen Modelle.

Desinfektionsroboter M2: UV-C und Sprühnebel

Mobiler Desinfektionsroboter mit UV-C-Lampen in einem leeren Patientenzimmer.
Der KEENON M2 soll per UV-C und Sprühdesinfektion Flächen behandeln (Herstellerangabe).

Der M2 ist das Modell, mit dem KEENON am deutlichsten in die Klinikhygiene zielt, denn er soll Räume desinfizieren, indem er UV-C-Licht mit einer Sprüh-Desinfektion kombiniert. Nach Herstellerangaben misst er 500 × 500 × 1350 mm, wiegt rund 60 kg und fasst 15 Liter Desinfektionsmittel. Die Sprührate liegt bei 0,5 bis 1,5 Liter pro Stunde, die zerstäubten Partikel sollen unter 10 µm groß sein.

Für die UV-C-Seite nennt der Hersteller vier Lampengruppen mit über 200 µW/cm² in einem Meter Abstand. Der Akku ist mit 48 V und 15 Ah angegeben und soll rund vier Stunden durchhalten, das Tempo liegt bei maximal 0,8 m/s. All diese Werte sind Herstellerspecs, keine unabhängig gemessenen Laborergebnisse. Deshalb heißt es hier „Soll desinfizieren“ und nicht „desinfiziert nachweislich“.

Wie gut eine UV-C- oder Sprüh-Desinfektion in der Praxis wirkt, hängt von Dosis, Abstand, Zeit und Abschattung ab. KEENON liefert dafür Geräteangaben, keinen klinischen Wirknachweis. Wer den M2 einsetzt, muss Biozid-Recht und Arbeitsschutz beachten, denn UV-C und Desinfektionsmittel sind für Menschen nicht harmlos.

ButlerBot W3: kontaktlose Auslieferung mit Fächern

Eine Klinikbeschäftigte prüft im Versorgungsflur den Verschluss eines geschlossenen Transportfachs an einem weiß-schwarzen Serviceroboter; im Hintergrund Wäschewagen und Flurtüren.
KI-generierte Illustration (Symbolbild). Sie zeigt kein konkretes Produkt und keine dokumentierte Klinik. Ein geschlossenes Fach ist eine Bauweise, kein Nachweis von Manipulationssicherheit.

Beim ButlerBot W3 wird es am greifbarsten, weil Sie ihn real bei Händlern finden. Die Herstellertabelle nennt am 5. September 2026 eine Gesamttraglast von 20 kg und bis zu vier getrennt zugängliche Fächer, dazu Maße von 45,9 × 54,9 × 108,1 cm, 0,8 m/s Höchstgeschwindigkeit und 6,5 Stunden Ladezeit. Eine Volumenangabe macht KEENON dort nicht, eine Zahl für Zustellungen pro Tag ebenfalls nicht. Türen kann er über eine Anbindung selbst öffnen und so ganze Etappen ohne Begleitung fahren.

Gedacht ist das für den kontaktlosen Transport von Medikamenten, Proben und Dokumenten. In hygienekritischen Bereichen soll das Handkontakte und Wege für das Personal verringern. Die Fächer beschreibt KEENON als abschließbar und zugriffsgeschützt, teils mit RFID-Verriegelung und Protokoll. Diese Verriegelungs- und Log-Funktionen stammen aus Händler- und Marketingtexten, nicht aus einer unabhängigen Prüfung.

Nur heißt „abschließbar“ nicht „manipulationssicher“, denn ein Fach mit Verriegelung erschwert unbefugten Zugriff, es ersetzt aber kein geprüftes Sicherheitskonzept. Formulierungen wie „hospital-validated“ tauchen im Umfeld auf, sind aber Marketing und keine behördliche Freigabe. Der W3 bleibt ein Service-Auslieferungsroboter, den Sie im Handel oder beim Distributor anfragen können.

M1 und der Pandemie-Ursprung der Klinik-Linie

Der M1 erklärt, warum KEENON überhaupt eine Klinik-Linie hat, denn er kam 2020 auf, als Krankenhäuser und Quarantänezentren dringend kontaktlose Transporte brauchten. KEENON gibt an, mit dem M1 über 100 Kliniken und Quarantäneeinrichtungen beliefert zu haben. Diese Zahl ist eine Herstellerangabe aus der Pandemiezeit, kein unabhängig geprüfter Betriebsnachweis.

Technisch ist der M1 an der Primärquelle deutlich schlechter dokumentiert als M2 oder W3. Zu Traglast, Fächern und Navigation im Detail liegen keine sauberen offiziellen Werte vor. Wir schreiben ihm deshalb bewusst keine festen Spezifikationen zu. Belegt bleibt seine Rolle als Medikamenten- und Materialtransporter aus dem Pandemie-Kontext.

Die Formulierung „über 100 Kliniken“ sollten Sie nie als Zulassung oder Gütesiegel lesen. Sie beschreibt einen Auslieferungsstand, den der Hersteller nennt, mehr nicht, denn ein belieferter Standort ist kein Beweis für dauerhaften Regelbetrieb.

Serviceroboter statt Medizinprodukt: der Unterschied zählt

Serviceroboter sind keine Medizinprodukte. Ein Medizinprodukt hat eine medizinische Zweckbestimmung und durchläuft ein eigenes Konformitätsbewertungsverfahren. KEENONs M1, M2 und W3 transportieren oder desinfizieren, sie behandeln oder diagnostizieren nicht. Damit fallen sie als autonome Maschinen in eine andere Rechtswelt als ein Beatmungsgerät oder ein Diagnosesystem.

Praktisch hängt an dieser Unterscheidung einiges. Wer einen Roboter als Medizinprodukt vermarktet, muss die Medizinprodukte-Verordnung erfüllen, mit klinischer Bewertung und passendem CE-Verfahren. Für KEENONs Auslieferungs- und Desinfektionsroboter ist eine solche medizinische Zweckbestimmung nicht belegt, und deshalb wäre es falsch, ihnen pauschal einen MDR-Status zuzuschreiben.

Mit einem KEENON-Roboter bekommen Sie Logistik- und Hygieneunterstützung, kein geprüftes medizinisches Verfahren. Wo das Gerät in Ihre Hygiene-, Sicherheits- und Datenschutzprozesse passt, müssen Sie selbst klären. Der Hersteller liefert die Maschine, die Verantwortung für den sicheren Klinikeinsatz bleibt beim Betreiber. Welche Anforderungen für die Aufbereitung selbst gelten, steht im Beitrag zu den Hygieneanforderungen an die Sterilgutaufbereitung.

Damit ein Roboter allein durch eine Klinik fährt, braucht er ein Bild seiner Umgebung. KEENON setzt dafür auf Lidar-Sensorik und eine interne Karte des Gebäudes. Der M2 etwa ist mit Lidar und einer 360-Grad-Hinderniserkennung angegeben, damit er Personen und Gegenständen ausweicht. Die Roboter fahren also nicht auf Schienen oder Leitdrähten, sondern lokalisieren sich in einer gespeicherten Karte.

Dieser Ansatz ist flexibler als spurgeführte Systeme, aber nicht voraussetzungslos, denn die Karte muss stimmen, und stark veränderliche Flure fordern die Sensorik heraus. Enge, volle Stationen mit Betten, Wagen und Menschen sind für jeden AMR ein anspruchsvolles Umfeld. Herstellerangaben zur Hinderniserkennung sind ein guter Start, ersetzen aber keine Erprobung im echten Klinikbetrieb.

Wie viel der Roboter im Alltag wirklich allein löst, hängt stark vom Standort ab. Türanbindung, Aufzüge und WLAN müssen mitspielen, sonst stockt die autonome Fahrt. „Autonom“ beschreibt hier die Fähigkeit zur selbstständigen Navigation, nicht die Garantie eines störungsfreien Dauerbetriebs. Wie solche Geräte technisch grundsätzlich arbeiten, steht im größeren Feld der Serviceroboter und ihrer Einsatzlogik.

KEENON in Deutschland: Distributoren, aber keine Klinik-Referenz

Für Deutschland fällt der Befund gemischt aus. Ein Vertriebsnetz ist belegt, denn als offizieller Distributor tritt die LabMatic Automation GmbH in Wunstorf auf, die die KEENON-Produktrange führt. Den ButlerBot W3 finden Sie zusätzlich bei Händlern wie OKMbot. KEENON nennt außerdem ein Europa-Büro in Düsseldorf, das allerdings nur über Social-Media-Auftritte greifbar ist.

Eine dokumentierte deutsche Klinik-Referenz fehlt dagegen. Wir haben keine öffentlich belegte Fallstudie eines deutschen Krankenhauses gefunden, das KEENON-Roboter im Regelbetrieb einsetzt. Der Distributor nennt „medical care“ als Branche, aber ohne konkreten Klinik-Fall. Über Distributoren ist KEENON in Deutschland also erhältlich, dokumentierte deutsche Klinik-Einsätze sind nicht öffentlich belegt.

Auch die Firmenstruktur in Europa ist nicht ganz widerspruchsfrei. Die offizielle KEENON-Seite listet als Tochtergesellschaft die Niederlande, nicht Deutschland. Eine deutsche KEENON-GmbH mit Handelsregistereintrag ist nicht sauber verifiziert. Wer hier einordnen will, sollte KEENON im Kontext der Krankenhauslogistik mit autonomen Robotern betrachten, statt aus dem Vertriebsnetz eine Klinik-Bilanz abzuleiten.

Im Wettbewerb: KEENON gegen PUDU, Aethon, Swisslog

KEENON steht in einem Feld, das von leichter Auslieferung bis zu schwerer Wagen-Logistik reicht. Drei reale Alternativen zeigen, wo das Unternehmen dabei steht. Die Einzelzahlen sind Hersteller- oder Fachquellen-Angaben, Fremd-Specs erfinden wir nicht. Die Segmente unterscheiden sich stark, ein direkter Zahlenvergleich wäre irreführend.

Anbieter Modell/Klasse Herkunft Kern-Specs (Herstellerangabe) Status DE-Bezug
KEENON (Referenz) ButlerBot W3 / M2 Shanghai, CN W3: 90 l, bis 4 Fächer, ~20 kg; M2: UV-C + Spray, 60 kg IM VERKAUF Distributor-Vertrieb (LabMatic, OKMbot); keine belegte DE-Klinik-Referenz
PUDU Robotics T300 / BellaBot-Klasse Shenzhen, CN T300: Schwerlast-AMR bis ~300 kg; Gastro-/Klinik-Auslieferung IM VERKAUF EU-/DE-Vertrieb vorhanden
Aethon (TUG) TUG T3 USA (ST Engineering) Traglast bis ~453 kg; autonome Klinik-Logistik, Aufzug-Integration IM VERKAUF international; DE-Klinik-Referenz einzeln zu prüfen
Swisslog Healthcare TransCar / RoboCourier CH/DE (KUKA-Gruppe) TransCar: laser-/kartengeführte Wagen bis ~450 kg IM VERKAUF starke DACH-Präsenz

Hier stehen zwei verschiedene Ligen nebeneinander. PUDU spielt wie KEENON in der leichten Auslieferung, ist aber der breitere Generalist mit einem Schwerlast-AMR wie dem T300. Aethon und Swisslog dagegen fahren schwere Wagen mit mehreren hundert Kilogramm durch die Klinik. KEENONs W3 ist ein Fach-Transporter für Kleingut, kein Wagenzug für die Zentrallogistik.

Auf dem deutschen Markt sieht das Kräfteverhältnis noch einmal anders aus. Swisslog ist in der DACH-Region klar verankert, PUDU hat einen EU-Vertrieb, und für KEENON zählt vor allem die Distributor-Kette. Wer die etablierte Klinik-Seite sucht, findet mehr im Profil zu Swisslog Healthcare und seiner Klinik-Logistik. KEENON ist in diesem Feld eher der junge Herausforderer als der gesetzte Standard.

Recht: Maschinenverordnung, CE, DSGVO, MDR-Abgrenzung

Rechtlich sind KEENONs Klinik-Roboter zuerst Maschinen, nicht Medizinprodukte, und als autonome mobile Maschinen fallen sie unter die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, die ab dem 20. Januar 2027 verbindlich gilt und die alte Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ablöst. Für das Inverkehrbringen in der EU ist eine CE-Kennzeichnung nötig, samt Risikobeurteilung. CE ist dabei eine Herstellererklärung und kein Qualitäts- oder Sicherheitssiegel. Wann daneben MDR und AI Act greifen, ordnet der Beitrag zu CE, MDR und AI Act bei Krankenhausrobotern ein.

Sobald Kameras und Personenerkennung ins Spiel kommen, greift die Datenschutz-Grundverordnung. In einer Klinik geht es dabei schnell um Bild- und Gesundheitsdaten, die besonders geschützt sind. Wer solche Roboter betreibt, muss klären, welche Daten erhoben, gespeichert und übertragen werden. Das ist eine Betreiberpflicht, kein Automatismus des Herstellers.

Beim M2 kommt eine zusätzliche Ebene dazu, denn UV-C-Strahlung und Desinfektionsmittel berühren Biozid-Recht und Arbeitsschutz, weil beide für Menschen gefährlich sein können. Die Medizinprodukte-Verordnung 2017/745 greift nur, wenn ein Roboter mit medizinischer Zweckbestimmung vermarktet wird. Für KEENONs Serviceroboter ist das nicht belegt, deshalb behaupten wir hier keinen MDR-Status, und das ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.

Was belegt ist und was Herstellerangabe bleibt

Firma und Herkunft sind belegt — KEENON aus Shanghai, gegründet 2010, mit einer eigenen Klinik-Linie aus M1, M2 und W3. Belegt sind auch die Produktlistungen von M2 und ButlerBot W3 samt den genannten Herstellerspecs. Das ist eine solide Basis, aber es sind Geräteangaben, keine unabhängigen Prüfergebnisse.

Deutlich vorsichtiger behandeln wir die großen Zahlen zum Unternehmen. Eine Finanzierung von rund 233 Millionen US-Dollar, über 60.000 ausgelieferte Roboter oder ein Marktanteil von mehr als 60 Prozent in China stammen aus Sekundärquellen. Diese Werte sind nicht an offizielle Investor-Relations-Angaben verifiziert, und wir führen sie als zu prüfende Angaben, nicht als harte Fakten.

Unter dem Strich ist KEENON im Gesundheitswesen ein realer Anbieter mit verkäuflichen Servicerobotern, aber dünner deutscher Belegdecke. Die Modelle existieren, der Vertrieb existiert, ein dokumentierter deutscher Klinik-Regelbetrieb fehlt. Wo genau KEENON in die Krankenhaus-Robotik passt, zeigt der Überblick zu Robotern im Krankenhaus und ihren Einsatzfeldern.

Grenzen und offene Fragen

Ein paar Punkte bleiben bewusst offen, weil die Quellenlage sie offen lässt. Die M1-Detailspecs sind an der Primärquelle nicht sauber dokumentiert, weshalb wir dem Modell keine festen Werte zuschreiben. Die deutsche Firmenstruktur ist unklar, denn die offizielle Seite nennt die Niederlande als Tochter, nicht Deutschland. Und eine belegte deutsche Klinik-Fallstudie fehlt schlicht.

Auch die Wettbewerber-Zahlen tragen einen Vorbehalt. Werte wie PUDU T300 mit rund 300 kg, Aethon TUG T3 mit rund 453 kg oder Swisslog TransCar mit rund 450 kg sind Hersteller- oder Fachquellen-Angaben. Für einen konkreten Kaufvergleich müssten Sie jede Zahl an der jeweiligen Primärquelle nachziehen. Als Einordnung reichen sie, als Vertragsgrundlage nicht.

KEENONs Klinik-Roboter sind Serviceroboter für Transport und Desinfektion, keine Medizinprodukte und kein deutscher Marktstandard. Verfügbarkeit und Preise prüfen Sie direkt beim Distributor, denn Preise nennen wir hier bewusst nicht. Und „WITMED“ ist ein Branchenbegriff, den KEENON selbst nicht verwendet.

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fluxlane Redaktion

Neutrale Einordnung zu Service-, Klinik- und Haushaltsrobotern und Physical AI — mit Fokus auf den deutschen Markt, klaren Status-Angaben und quellenbelegten Zahlen. Wie wir arbeiten und Quellen prüfen.

Ist WITMED eine Marke von KEENON?

Nein. „WITMED“ steht für „Wise Information Technology of Medicine“ und ist ein allgemeiner Branchenbegriff für digitale Gesundheitsversorgung. Auf den KEENON-Seiten kommt das Wort nicht vor. Die real existierende WITMED GmbH in Kolkwitz ist eine unabhängige deutsche Medizintechnik-Beratung ohne KEENON-Bezug.

Wo sitzt KEENON Robotics?

KEENON Robotics sitzt in Shanghai, im Bezirk Pudong, und wurde 2010 gegründet. Shenzhen als Sitz ist nicht primär belegt. Nach Herstellerangaben ist das Unternehmen in über 60 Ländern und rund 600 Städten präsent.

Welche Klinik-Roboter bietet KEENON?

Drei Modelle unter eigenem Namen: den Auslieferungsroboter M1, den Desinfektionsroboter M2 und den ButlerBot W3 mit abschließbaren Fächern. Alle drei sind Serviceroboter für Transport und Hygiene. Sie behandeln oder diagnostizieren nicht.

Ist der KEENON M2 ein Medizinprodukt?

Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Der M2 ist ein Desinfektions-Serviceroboter, kein Medizinprodukt im Sinne der MDR 2017/745. Er soll Räume per UV-C und Sprühnebel desinfizieren, die genannten Wirkwerte sind Herstellerangaben ohne unabhängigen klinischen Nachweis.

Wie viel transportiert der ButlerBot W3?

Nach der Herstellertabelle trägt der W3 insgesamt 20 kg und lässt sich in bis zu vier getrennt zugängliche Fächer aufteilen. Eine Volumenangabe und eine Zahl für Zustellungen pro Tag nennt KEENON dort nicht. Die Fächer sind zugriffsgeschützt, aber nicht als manipulationssicher zu verstehen.

Kann man KEENON-Roboter in Deutschland kaufen?

Ja, über Distributoren. Als offizieller Distributor tritt die LabMatic Automation GmbH in Wunstorf auf, den ButlerBot W3 führen Händler wie OKMbot. Preise nennen wir nicht, die prüfen Sie am besten direkt beim Distributor.

Gibt es eine deutsche Klinik, die KEENON einsetzt?

Öffentlich belegt ist keine. Wir haben keine dokumentierte deutsche Krankenhaus-Fallstudie im Regelbetrieb gefunden. Der Vertrieb ist belegt, ein dokumentierter deutscher Klinik-Einsatz ist es nicht. Stand ist die Recherche vom August 2026.

Wie desinfiziert der KEENON M2?

Er soll UV-C-Licht mit einer Sprüh-Desinfektion kombinieren. Nach Herstellerangaben arbeitet er mit vier UV-C-Lampengruppen über 200 µW/cm² in einem Meter Abstand und einer Sprührate von 0,5 bis 1,5 Litern pro Stunde. UV-C und Desinfektionsmittel berühren Biozid-Recht und Arbeitsschutz und sind für Menschen nicht harmlos.

Wie navigiert ein KEENON-Roboter im Krankenhaus?

Über Lidar-Sensorik und eine interne Gebäudekarte, ohne Leitdraht oder Schiene. Der M2 ist mit Lidar und 360-Grad-Hinderniserkennung angegeben. Wie zuverlässig das im vollen Klinikalltag läuft, hängt von Karte, Umgebung und Anbindung ab und ist eine Herstellerangabe, kein Prüfergebnis.

Wie unterscheidet sich KEENON von PUDU und Aethon?

KEENON und PUDU spielen in der leichten Fach-Auslieferung, wobei PUDU der breitere Generalist mit Schwerlast-AMR ist. Aethon TUG fährt dagegen schwere Wagen bis rund 453 kg für die Zentrallogistik. KEENONs ButlerBot W3 ist ein Kleingut-Transporter, kein Wagenzug. Die Zahlen sind Herstellerangaben.

Quellen & Stand: keenon.com/en/about (Firma, Sitz Shanghai/Pudong, Gründung 2010, 60+ Länder/600 Städte, Tochtergesellschaften — Herstellerangaben), die frühere Produktseite zum M2 auf keenon.com (M2-Specs; die Adresse liefert seit 2026 einen 404, die Werte sind dort nicht mehr nachprüfbar), keenon.com/de und okmbot.de (ButlerBot W3), market-prospects.com (Begriff WITMED) und implisense.com (WITMED GmbH Kolkwitz), therobotreport.com (M1/Pandemie-Einsatz, Herstellerangabe „über 100 Kliniken“), robotsasia.com und startupintros (Marktanteil, Finanzierung, Flotte — sekundär, zu prüfen), labmaticautomation.de (DE-Distributor LabMatic Automation GmbH), pudurobotics.com, qviro.com und Swisslog-Produktseiten (Wettbewerber, Herstellerangaben). Alle Trag-, Speed-, UV-C- und Marktzahlen sind Hersteller- oder Sekundärangaben und ohne Gewähr an der Primärquelle zu prüfen. Diese Einordnung ist redaktionell und keine Kauf-, Anlage- oder Rechtsberatung. Stand: 12. August 2026.

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