Flache mobile Transportplattform mit Regalaufbau in einem Klinik-Versorgungsgang.

Healthcare-Robotik · Hersteller-Profil

MiR im Krankenhaus: Was ein Industrie-AMR in der Klinik darf

Stand 12. August 2026 · Lesezeit 12 Minuten · Hersteller-Profil

Kurz gesagt: Ein MiR-Roboter aus Dänemark ist ein autonomer Transportroboter für die Industrie. In Kliniken fährt er Sterilgut, Wäsche, Essen und Laborproben über die Flure. Wichtig für die Einordnung: Ein MiR ist eine Industriemaschine mit CE, kein Medizinprodukt und kein Pflegeroboter. Er ersetzt keine Pflegekraft, sondern nimmt Transportwege ab. Wenn Sie den Überblick suchen, finden Sie bei uns auch, welche Roboter im Krankenhaus sonst noch fahren.

Wer MiR ist: Odense, Teradyne und ein Industriefokus

MiR steht für Mobile Industrial Robots; gegründet wurde die Firma im Mai 2013 im dänischen Odense, der Gründer heißt Niels Jul Jacobsen. Von Anfang an ging es um autonome Transportroboter für Fabrik und Lager, nicht um die Klinik. Genau dieser Ursprung erklärt, warum ein MiR eine robuste Industriemaschine ist und keine medizinische Spezialentwicklung.

Seit April 2018 gehört MiR zum US-Konzern Teradyne: Damit steckt hinter der Marke ein finanzstarker Automatisierungskonzern, der auch Universal Robots führt. 2022 wurde der Spezialist AutoGuide integriert, was das Portfolio zu schweren Nutzlasten öffnete. 2024 kam mit dem MiR1200 Pallet Jack ein Palettenroboter dazu.

Für die Klinik ist die Herkunft mehr als eine Fußnote: MiR verkauft Healthcare als eine Branche unter vielen, nicht als eigenes Medizintechnik-Segment. Ein Krankenhaus ist damit ein Anwendungsfall des Industrie-AMR, kein eigens dafür gebautes Gerät. Diese Trennung zieht sich durch das ganze Profil.

Ein MiR fährt frei nach dem SLAM-Prinzip, also ohne Leitdraht und ohne Magnetspur. Er baut sich aus Laser- und Kameradaten eine Karte des Gebäudes und plant seine Route selbst. Fällt ein Hindernis in den Weg, weicht er dynamisch aus oder stoppt, und das unterscheidet ihn grundlegend von klassischen, spurgeführten Transportsystemen.

Die Sensorik ist auf Sicherheit ausgelegt: Der MiR250 nutzt zwei Sicherheits-Laserscanner mit 360-Grad-Abdeckung, zwei 3D-Kameras und acht Näherungssensoren. Zwölf Sicherheitsfunktionen sind nach ISO 13849-1 ausgelegt, das sind alles Herstellerangaben von der Spezifikationsseite. In einem vollen Klinikflur mit Betten, Wagen und Menschen ist diese Rundum-Erkennung der eigentliche Knackpunkt.

Wenn hier von „autonom“ die Rede ist, meint das den frei navigierenden Transport ohne dauerhafte Fernsteuerung. Es meint keinen Roboter, der am Patienten etwas entscheidet oder eingreift. Ein MiR bringt eine Kiste von A nach B, mehr verspricht die Technik nicht. Diese enge Lesart halten Sie am besten die ganze Zeit im Kopf. Wie autonome mobile Roboter generell arbeiten, ordnen wir an anderer Stelle ein.

Die Modelle: MiR250 bis MiR1350

MiR baut keine einzelne Klinikmaschine, sondern eine ganze Baureihe nach Nutzlast — für den Krankenhausalltag zählt vor allem der kompakte MiR250, weil er durch enge Flure und Türen passt. Die schwereren Modelle MiR600 und MiR1350 ziehen ganze Rollwagen und Paletten. Alle Werte hier sind Herstellerangaben der offiziellen Spezifikationsseiten.

Modell Traglast Tempo Maße / Gewicht Schutzart Laufzeit Status
MiR250 bis 250 kg 2,0 m/s (7,2 km/h) 800×580×300 mm · 94 kg IP21 bis 13 h (max. Last) Herstellerangabe · PRIMÄR
MiR600 bis 600 kg 2,0 m/s (7,2 km/h) 1.350×910×322 mm · 240 kg IP52 bis 8,5 h (max. Last) Herstellerangabe · PRIMÄR
MiR1350 bis 1.350 kg 2,0 m/s (7,2 km/h) Ladefläche 1.304×864 mm IP52 (beworben) k. A. Herstellerangabe · ATTRIBUIERT

Zwei Zahlen lohnen den zweiten Blick: Der MiR250 wiegt selbst 94 kg und trägt bis zu 250 kg, das ist für einen so flachen Roboter viel. Die Schutzart steigt vom MiR250 mit IP21 auf IP52 beim MiR600, was Staub und leichtes Spritzwasser besser abhält. Für Reinigungszonen und Nasszellen kann diese Robustheit den Unterschied machen, auch wenn IP52 vor allem Staub und leichtes Spritzwasser abdeckt und keine Nassbereichs-Freigabe bedeutet.

Klinik-Aufgaben: was ein MiR transportiert

In der Klinik übernimmt ein MiR die immer gleichen, kräftezehrenden Wege. Laut der Hersteller-Hospital-Seite fährt er Sterilinstrumente, Medikamente, Wäsche, Mahlzeiten, Laborproben und klinischen Abfall. Der Roboter soll rund um die Uhr laufen, auch in der Nachtschicht, doch all das sind Angaben von MiR, keine unabhängig geprüften Betriebszahlen.

MiR wirbt mit deutlichen Effekten, die Sie klar als Herstellerangabe lesen sollten. Nach eigener Darstellung von 2024 entfallen bis zu 30 Prozent der Krankenhaus-Betriebskosten auf Logistik, und Personal verbringt bis zu 20 Prozent der Zeit mit Transporten. Ob ein MiR diese Anteile wirklich senkt, ist damit nicht belegt: Es ist ein Verkaufsargument, kein gemessener Effekt.

Der Nutzen liegt trotzdem auf der Hand, wenn man die Wege im Haus kennt. Jede Fahrt zum Sterilisationszentrum oder ins Labor bindet Personal, das eigentlich am Patienten gebraucht wird. Ein Transportroboter nimmt diese Strecken ab und arbeitet nachts einfach weiter. Wie das generische Feld der AMR in der Krankenhauslogistik aussieht, vertiefen wir gesondert.

Aufbauten: Hook, Regal, Sterilgut-Modul

Der MiR selbst ist nur eine flache Plattform mit Antrieb und Sensorik, erst der Aufbau macht aus ihm den konkreten Klinikhelfer. Über Dritt-Module wie die von ROEQ lassen sich Regale, Screens oder Hooks montieren. Mit einem Hook zieht der MiR250 vorhandene Rollwagen einfach hinter sich her.

Ein belegtes Beispiel zeigt, wie das in der Praxis aussieht. Im dänischen Zealand University Hospital fährt seit Juni 2018 ein MiR100 mit ROEQ-Top-Modul unter einen Rollwagen, auf dem ein verschlossener Schrank steht. Der Roboter transportiert also, der Schrank sichert das Gut, und diese Aufgabenteilung ist wichtig für die rechtliche Einordnung weiter unten.

Genau hier liegt aber auch eine Grenze der offenen Plattform. Ein MiR bringt ab Werk keine abschließbaren Medikationsfächer und keine Zutrittskontrolle mit. Wer Betäubungsmittel gesichert transportieren will, braucht einen passenden Aufbau oder ein anderes System, denn die Sicherung ist Sache des Moduls, nicht des Roboters.

Industrie-AMR oder Medizinprodukt: die entscheidende Grenze

Offene mobile Transportplattform mit Behälter-Regal, im Hintergrund ein geschlossener Medikationsschrank-Roboter.
Der Industrie-AMR trägt offene Behälter; geschlossene Medikationsschränke sind ein anderer Gerätetyp.

Die häufigste Verwechslung im Klinikkontext betrifft den Produktstatus: Ein MiR ist eine Maschine mit CE-Konformität, kein Medizinprodukt. MiR selbst trifft auf seinen Seiten keine einzige Medizinprodukt-Aussage. Healthcare bleibt für die Marke eine Branche, kein regulatorischer Produktstatus.

Der Denkfehler entsteht über das transportierte Gut: Ein Roboter wird nicht dadurch zum Medizinprodukt, dass er Sterilgut oder Arzneimittel fährt. Das Gut unterliegt seinem eigenen Recht, etwa der Medizinprodukte-Verordnung oder dem Arzneimittelgesetz. Die Zweckbestimmung des MiR ist Transport, und Transport ist keine medizinische Zweckbestimmung.

Diese Grenze ist keine Wortklauberei, sondern entscheidet über Verantwortung und Prüfpflichten. Für den Roboter gilt Maschinenrecht, für das Gut das jeweilige Fachrecht. Wer einen MiR als Pflege- oder Patientenroboter verkauft, überzeichnet, was die Maschine kann und darf — sie fährt Lasten, sie behandelt niemanden.

VDA 5050 und die Steuerung fremder Flotten

Mehrere unterschiedliche autonome Transportroboter fahren in einer Halle vor einem verglasten Leitstand.
Über VDA 5050 lassen sich Roboter verschiedener Hersteller in einer Flotte koordinieren.

In großen Häusern fahren selten nur Roboter einer Marke. Damit verschiedene Systeme unter einer Leitsteuerung laufen, gibt es den Industriestandard VDA 5050. MiR veröffentlichte dafür am 11. März 2025 einen eigenen VDA-5050-Adapter. Er übersetzt zwischen dem hauseigenen REST-Interface der Roboter und dem MQTT-Nachrichtenformat des Standards.

Entwickelt hat MiR den Adapter gemeinsam mit Partnern wie MHP, SYNAOS, Siemens und KINEXON. Für die eigene Flotte bleibt weiterhin die Leitsteuerung MiR Fleet zuständig. Der Adapter ist die Brücke nach draußen, MiR Fleet der Dirigent im Inneren, und beides zusammen macht MiR in gemischten Umgebungen anschlussfähig.

Für die Klinik heißt das ganz praktisch: Ein MiR kann sich in eine übergeordnete Steuerung einfügen, statt isoliert zu fahren. Das ist der große Unterschied zu älteren, fest verdrahteten fahrerlosen Transportsystemen. Wo ein spurgeführtes AGV neue Schienen bräuchte, reicht beim AMR oft eine Softwareanbindung. Türen und Aufzüge werden dabei über MiR Fleet und Gebäudeschnittstellen eingebunden, was eine Integrationsleistung ist und kein Automatismus ab Werk.

Reifegrad in der Klinik: Potenzial gegen belegten Betrieb

Beim Reifegrad lohnt Ehrlichkeit statt Hochglanz: Für MiR gibt es einen sauber belegten Klinikeinsatz, aber er liegt in Dänemark. Im Zealand University Hospital erhalten fünf Abteilungen tägliche autonome Lieferungen vom Sterilisationszentrum. Genannt sind rund zehn Stopps pro Tour und über zehn Kilometer pro Woche, alles nach Herstellerdarstellung.

Dieser Fall ist echt und über die offizielle MiR-Case-Seite gestützt, er belegt aber einen dänischen Betrieb, keinen deutschen. Bestellung ist nicht gleich Lieferung, und ein Pilot ist nicht gleich Regelbetrieb. Diese Unterscheidungen trennen im ganzen Feld die Werbung von der Realität.

Für Deutschland fehlt bislang ein vergleichbar belegter MiR-Regelbetrieb in einer benannten Klinik. Das ist kein Vorwurf, sondern der nüchterne Recherchestand vom August 2026. Anwendungspotenzial ist da, ein deutscher Klinik-Dauerbetrieb ist bisher nicht dokumentiert — genau diese Lücke macht das ehrliche Bild aus.

Deutschland: Vertrieb und offene Belege

Als Industrie-AMR ist MiR in Deutschland regulär verfügbar. Es gibt ein Büro in Frankfurt und ein Netz aus Integratoren, die die Roboter einrichten. Für Lager und Produktion ist MiR damit klar im Verkauf. Die Frage ist nur, wie weit das schon in die Klinik reicht.

Hier wird der Befund dünn und ehrlich zugleich: Eine benannte deutsche Klinik im MiR-Regelbetrieb ist in dieser Recherche nicht belegt. Belegt ist ein deutscher Integrator: Ken Hygiene Systems hat auf MiR-Technik eine mobile Lösung für die Sterilgutaufbereitung entwickelt. Das ist eine OEM-Lösung, kein Klinik-Endkunde im Dauereinsatz. Welche Anforderungen die Aufbereitung selbst stellt, steht im Beitrag zur Sterilgutaufbereitung in der Klinik.

Ein Vergleich ordnet das Bild ein, ohne MiR schlechtzureden. Ausgerechnet ein spezialisiertes Konkurrenzsystem hat den belegten deutschen Klinikbetrieb: Der JEEVES-Roboter der Münchner Firma Robotise läuft nach Herstellerdarstellung im LMU Klinikum Großhadern und transportiert dort Laborproben. Für den Industrie-AMR MiR bleibt in Deutschland dagegen das Potenzial. Das stützt den nüchternen Winkel, dass MiR in der Klinik ein Grenzfall ist und kein Standard.

Im Wettbewerb: MiR gegen Aethon, Moxi und JEEVES

MiR steht in der Klinik nicht allein, und die Konkurrenz ist anders gebaut. Der Kernunterschied läuft zwischen offener Industrie-Plattform und speziell für Kliniken entwickelten Systemen mit abschließbaren Schubladen. Ein dritter Weg ist der mobile Manipulator mit Roboterarm — die jetzt folgende Tabelle stellt reale Alternativen mit belegten Werten nebeneinander.

Hersteller · Modell Typ Traglast Sicherung / Besonderheit DE-Verfügbarkeit / Status
MiR · MiR250 (Teradyne, DK) Industrie-AMR, offene Plattform bis 250 kg offene Ladefläche, Aufbauten über Dritt-Module; keine Medikationssicherung ab Werk im Verkauf; kein belegter DE-Klinik-Regelbetrieb
Aethon · TUG T3 / T3XL (ST Engineering) Healthcare-AMR (klinik-spezifisch) 453 kg (T3); T3XL bis 635 kg abschließbare Schubladen mit PIN; 0,76 m/s; bis ~10 h US-Klinikmarktführer; kein DE-Klinik-Beleg in dieser Recherche
Diligent Robotics · Moxi (2.0) Mobile-Manipulator mit Roboterarm leichte Klinikgüter (kg n. a.) Greifarm für Manipulation; navigiert Türen und Aufzüge autonom USA: >25 Kliniken, >1,25 Mio. Lieferungen (Herstellerangaben); seit 01/2026 bei Serve Robotics; kein DE-Beleg
DENSO × Robotise · Healthcare AMR (JEEVES-Basis) Healthcare-AMR (klinik-spezifisch) Schubladen bis 45 kg, 100 l abschließbare Einzelschubladen (PIN), optionale Kühlung, mehrere Servicepunkte je Tour Entwicklung in DE (Robotise, München); JEEVES real im LMU Großhadern; DENSO-HAMR in Pilotprojekten
Swisslog · TransCar AGV, spurgeführt (Technik-Kontrast) schwere Wagen / Paletten geschlossene Transportwagen; nicht frei navigierend im Markt etabliert; keine Live-Specs in dieser Recherche

Aus der Tabelle wird der eigentliche Unterschied greifbar: MiR bringt Industrie-Robustheit und offene Aufbau-Flexibilität, aber keine eingebaute Medikationssicherung. Genau da setzen Aethon und das DENSO-Robotise-System mit abschließbaren Schubladen und optionaler Kühlung an. Moxi von Diligent Robotics geht mit seinem Roboterarm noch weiter und greift selbst zu, statt nur zu fahren.

Der Markt dahinter: Transport-AMR in Zahlen

Damit Sie MiR einordnen können, hilft ein Blick auf das ganze Feld. Nach dem Bericht World Robotics 2025 der IFR wurden 2024 rund 102.900 Transport- und Logistik-Serviceroboter neu installiert. Das ist ein Plus von 14 Prozent. Gemessen an den knapp 200.000 professionellen Servicerobotern des Berichtsjahres ist das nach eigener Rechnung gut die Hälfte; die IFR selbst formuliert es qualitativ und schreibt, es sei mehr als jeder zweite professionelle Serviceroboter. Transport ist damit die mit Abstand größte Anwendungsklasse.

Eine Einschränkung gehört dazu: Die IFR-Pressemitteilung vom 07.10.2025 weist ausdrücklich darauf hin, dass der Serviceroboter-Bericht auf Stichprobendaten beruht, jedes Jahr anders zusammengesetzt ist und nicht auf die Gesamtbranche hochgerechnet werden darf. Alle Zahlen des Berichts 2025 stammen aus einer Stichprobe von 294 Anbietern. Wie viele Hersteller es weltweit gibt, sagt die IFR damit nicht. Zum Vergleich wurden 2024 etwa 542.000 klassische Industrieroboter installiert. Der mobile Transportroboter ist ein wachsendes, aber noch kleines Segment neben der etablierten Industrierobotik.

Für die Klinik heißt das zweierlei: Die Technik hinter MiR ist im Kern erprobte Logistik, kein Laborexperiment. Der Sprung ins Krankenhaus ist trotzdem noch früh, gerade in Deutschland. Wo Transportroboter im weiteren Sinn als Serviceroboter einzuordnen sind, zeigen wir gesondert.

Recht: CE-Maschine, nicht Medizinprodukt

Rechtlich ist ein MiR zuerst eine Maschine. Er fällt unter die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, die für Hersteller ab dem 20. Januar 2027 verbindlich gilt. Diese Verordnung adressiert Maschinen mit softwarebasierter und selbstlernender Steuerung — worunter autonome mobile Roboter je nach Ausführung fallen können. Das CE-Zeichen belegt hier die Konformität als Maschine, nicht mehr.

Die Grenze zum Medizinprodukt bleibt scharf. CE als Maschine ist keine Konformitätsbewertung als Medizinprodukt, das sind zwei verschiedene Rechtswege. Kommen KI-Funktionen ins Spiel, kann je nach Einsatz zusätzlich der EU AI Act relevant werden; wie streng, hängt von der Risikoeinstufung ab. Bei Personendaten ist die DSGVO zu beachten. Für das transportierte Gut gelten weiter die Medizinprodukte-Verordnung oder das Arzneimittelrecht. Wie diese Rahmen zusammenspielen, vertieft der Beitrag zu CE, MDR und AI Act im Zusammenspiel.

Ein CE-Zeichen ist dabei eine Herstellererklärung, kein Gütesiegel und kein Sicherheitsversprechen für jeden Einsatz. Wer einen MiR in der Klinik betreibt, muss die konkrete Umgebung und Aufgabe bewerten. Das ist eine Einordnung des Rahmens, keine Rechtsberatung. Den größeren Zusammenhang der Robotik im Gesundheitswesen greifen wir an anderer Stelle auf.

Grenzen und offene Fragen

Ein ehrliches Profil benennt auch, was noch offen ist. Ein MiR sichert Medikamente nicht ab Werk, dafür braucht es einen passenden Aufbau oder ein Klinik-System. Die Marketingzahlen zu Kosten und Zeit sind Herstellerangaben und unabhängig nicht bestätigt. Und für Deutschland fehlt bislang ein belegter Klinik-Regelbetrieb.

Auch einige Details gehören mit Vorsicht behandelt. Ob MiR und Universal Robots künftig enger unter „Teradyne Robotics“ verschmelzen, ist hier nicht abschließend belegt. Referenzen wie Sengkang in Singapur oder einzelne dänische und schwedische Häuser sind unterschiedlich tief dokumentiert. Der belegte Ankerfall bleibt das Zealand University Hospital in Dänemark.

Unter dem Strich ist MiR ein starker Industrie-AMR mit klarem Klinik-Potenzial. Er ist robust, frei navigierend und in Deutschland regulär erhältlich. Was er nicht ist, ist ein Medizinprodukt, ein Pflegeroboter oder ein belegter deutscher Klinikstandard. Diese Nüchternheit ist die ehrlichere Haltung als jedes Versprechen.

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fluxlane Redaktion

Neutrale Einordnung zu Service-, Logistik- und Gesundheitsrobotern und Physical AI — mit Fokus auf den deutschen Markt, klaren Status-Angaben und quellenbelegten Zahlen. Wie wir arbeiten und Quellen prüfen.

Ist ein MiR ein Medizinprodukt?

Nein. Ein MiR ist eine Industriemaschine mit CE-Konformität, kein Medizinprodukt. MiR trifft auf seinen Seiten keine Medizinprodukt-Aussage. Dass der Roboter Sterilgut oder Arzneimittel fährt, macht ihn nicht zum Medizinprodukt — das Gut unterliegt eigenem Recht.

Was transportiert ein MiR in der Klinik?

Nach Herstellerangaben fährt ein MiR Sterilinstrumente, Medikamente, Wäsche, Mahlzeiten, Laborproben und klinischen Abfall. Er soll rund um die Uhr laufen, auch nachts. Das sind Angaben von MiR, keine unabhängig geprüften Betriebszahlen.

Wie viel trägt ein MiR250, MiR600 und MiR1350?

Nach Herstellerangaben trägt der MiR250 bis 250 kg, der MiR600 bis 600 kg und der MiR1350 bis 1.350 kg. Alle drei fahren bis 2,0 m/s, also 7,2 km/h. Der kompakte MiR250 passt am besten durch enge Klinikflure.

Fährt ein MiR selbst Aufzug?

Das hängt von der Gebäudeanbindung ab. Über die Leitsteuerung MiR Fleet und passende Schnittstellen lassen sich Türen und Aufzüge einbinden. Das ist eine Integrationsleistung im Projekt, kein Automatismus ab Werk.

Läuft MiR in deutschen Kliniken?

Als Industrie-AMR ist MiR in Deutschland regulär verfügbar, über ein Büro in Frankfurt und Integratoren. Ein belegter Regelbetrieb in einer benannten deutschen Klinik ist bis August 2026 aber nicht dokumentiert. Belegt ist der deutsche Integrator Ken Hygiene Systems für die Sterilgutaufbereitung.

Ersetzt ein MiR Pflegepersonal?

Nein. Ein MiR nimmt Transportwege ab, er pflegt oder behandelt niemanden. Er soll Personal von Botengängen entlasten, damit mehr Zeit für die Patienten bleibt. Als reiner Transportroboter ersetzt er keine Pflegekraft.

Wem gehört MiR?

MiR steht für Mobile Industrial Robots, gegründet 2013 im dänischen Odense. Seit April 2018 gehört das Unternehmen zum US-Konzern Teradyne, der auch Universal Robots führt. MiR ist ein etablierter Hersteller von Industrie-AMR.

Was ist VDA 5050?

VDA 5050 ist ein Industriestandard, damit Roboter verschiedener Hersteller unter einer Leitsteuerung fahren. MiR veröffentlichte am 11. März 2025 einen VDA-5050-Adapter, der zwischen dem hauseigenen REST-Interface und dem MQTT-Format des Standards übersetzt. Die eigene Flotte steuert weiterhin MiR Fleet.

Worin unterscheiden sich MiR und Aethon TUG?

MiR ist ein Industrie-AMR mit offener Plattform und Aufbauten über Dritt-Module. Der Aethon TUG ist speziell für Kliniken gebaut, mit abschließbaren Schubladen und PIN-Zugang. Nach Angaben trägt der TUG T3 bis 453 kg, die XL-Variante bis 635 kg, bei rund 0,76 m/s.

Wie schnell fährt ein MiR?

Nach Herstellerangaben fahren MiR250, MiR600 und MiR1350 bis zu 2,0 m/s, das sind 7,2 km/h. Im Klinikbetrieb wird dieses Tempo je nach Umgebung und Sicherheitszone reduziert. Sicherheits-Laserscanner bremsen den Roboter vor Hindernissen automatisch ab.

Quellen & Stand: mobile-industrial-robots.com/about/mir-history (Gründung 2013, Teradyne April 2018, AutoGuide 2022, MiR1200 2024), die Spezifikationsseiten mir250/mir600/mir1350 (Traglast, 2,0 m/s, Maße, IP21/IP52, Laufzeit, Sensorik — Herstellerangaben), mobile-industrial-robots.com/industries/hospitals (Transportgüter, 30-%/20-%-Angaben, 24/7 — Herstellerangabe 2024), businesswire.com und mobile-industrial-robots.com/news-center (VDA-5050-Adapter 11.03.2025, REST↔MQTT), mobile-industrial-robots.com/cases — die Fallstudie zum Zealand University Hospital ist seit Mitte 2025 nicht mehr online — sowie die frühere dänische Fachseite robotstories.dk (MiR100 seit Juni 2018, DK; die Domain ist aufgegeben und löst seit 2026 nicht mehr auf, die Angabe ist dort nicht mehr nachprüfbar), medizin-und-technik.industrie.de (Ken Hygiene, DE-Integrator), qviro.com und environmental-expert.com (Aethon TUG T3/T3XL), diligentrobots.com und therobotreport.com sowie ir.serverobotics.com (Moxi, Serve-Übernahme Diligent abgeschlossen 01/2026), maschinenmarkt.vogel.de und medicalexpo.com (DENSO/Robotise, JEEVES), lmu-klinikum.de (Faktenblatt zum Projekt REsPonSe, BMBF 16SV8416 — der Einsatz am LMU Klinikum) und wevolver.com (JEEVES im LMU Großhadern; die früher hier genannte Adresse movella.com trägt die Angabe nicht und leitet heute auf xsens.com), IFR World Robotics 2025 – Service Robots (Marktzahlen 2024), eur-lex und TÜV SÜD (EU-Maschinenverordnung 2023/1230 ab 20.01.2027). Herstellerwerte sind Bestangaben und an der Primärquelle zu prüfen. Für MiR ist kein deutscher Klinik-Regelbetrieb belegt. Diese Einordnung ist redaktionell und keine Kauf-, Anlage- oder Rechtsberatung. Stand: 12. August 2026.

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