Intralogistik & Industrieroboter · Hersteller-Profil
Sereact: Wie das Stuttgarter Physical-AI-Startup Roboter greifen lehrt
Kurz gesagt: Sereact ist ein 2021 in Stuttgart gegründetes Physical-AI-Startup. Die Firma baut keine Roboter, sondern die KI-Software für Greif- und Kommissionierarme — hardware-agnostisch, also auf fremden Robotern. Kern ist das Modell PickGPT von 2023, heute die Generation Cortex 2.0. Über 200 Systeme laufen laut Firma in Europa und sind im Verkauf. Die Software arbeitet weitgehend selbstständig, aber mit menschlichem Remote-Fallback bei rund einem von 53.000 Picks. Wer den Rahmen sucht, findet bei uns auch, was Physical AI überhaupt bedeutet.
Was Sereact ist und was nicht
Sereact ist eine Software-Firma, kein Roboterbauer. Das Unternehmen sitzt in Stuttgart und schreibt die KI, die einem Greifarm sagt, wie er ein Objekt anfasst. Gründer und CEO Ralf Gulde bringt es auf eine einfache Formel: „Wir bauen keine Roboter, wir geben ihnen ein Gehirn.“ Genau diese Rollentrennung erklärt fast alles an der Firma.
Der Unterschied ist wichtig für die Einordnung. Wer einen Roboter kauft, bekommt Metall, Motoren und Greifer von anderen Herstellern. Sereact liefert das Stück, das aus starrer Mechanik eine flexible Kommissionierzelle macht. Die Software erkennt Objekte, plant den Griff und steuert die Bewegung. Welche Bauformen auf der mechanischen Seite zur Auswahl stehen, zeigt der Vergleich weicher Greifer.
Damit gehört Sereact in das Feld der KI-gestützten Kommissionierung, aber an einer eigenen Stelle. Nicht der Roboter ist das Produkt, sondern seine Wahrnehmung und Entscheidung. Diese Trennung zieht sich durch alles, was folgt — von der Technik bis zum Recht.
Die Gründer und die Cyber-Valley-Herkunft
Hinter Sereact stehen zwei Alumni der Universität Stuttgart. Dr. Ralf Gulde führt die Firma als CEO, Marc Tuscher als CTO die Technik. Beide kommen aus der akademischen Robotik und haben das Unternehmen 2021 gegründet. Die Wurzeln liegen also in der Forschung, nicht im Konzern.
Verankert ist das Team im Cyber-Valley-Ökosystem rund um Stuttgart und Tübingen. Dieser Verbund aus Universitäten, Max-Planck-Instituten und Firmen ist ein Schwerpunkt europäischer KI-Forschung. Für eine Physical-AI-Firma ist das ein günstiger Nährboden, weil dort Robotik und maschinelles Lernen zusammenkommen. Nach Firmenangaben arbeiten inzwischen über 100 Mitarbeitende in Europa und den USA.
Die Herkunft ist ein Startpunkt, kein Reifebeweis. Ein starkes Forschungsumfeld erklärt, warum die Modelle früh entstanden. Über den Betrieb im Alltag sagt es wenig aus. Das entscheidet sich an den Systemen beim Kunden, nicht an der Adresse.
PickGPT: der Ursprungs-Ansatz von 2023

Der erste große Wurf war PickGPT im Jahr 2023. Sereact beschrieb es als Robotics-Transformer, der ein Sprachmodell mit eigener Computer-Vision verbindet. Die Idee dahinter: Ein Roboter soll Objekte nicht nur sehen, sondern per Sprach- oder Textbefehl gesteuert werden. Die Fachpresse führte es damals als eine der ersten kommerziell verfügbaren Transformer-Lösungen für die Robotik.
Praktisch hieß das nach Firmenangaben: Objekte in Echtzeit erkennen, Produktbilder mit echten Teilen abgleichen, Greifpunkte definieren und einzelne Artikel gezielt ausschließen. Der Ansatz galt als no-code und training-free, sollte also ohne aufwändige Programmierung neuer Objekte auskommen. Für eine junge Firma war das ein deutliches Signal.
Wichtig ist die saubere Namensführung. PickGPT ist der Ursprung von 2023, nicht ein getrenntes zweites Produkt neben Cortex. Es ist die frühe Markenbezeichnung desselben Software-Strangs, der sich seither weiterentwickelt hat. Wer beide Namen als Konkurrenten liest, missversteht die Chronologie.
Cortex 2.0: VLA-Modell plus World Model
Die heutige Generation heißt Cortex 2.0. Sereact beschreibt sie als VLA-Modell, also ein System aus Vision, Sprache und Aktion, kombiniert mit einem sogenannten World Model. Das Modell sieht die Szene, versteht eine Aufgabe und plant konkrete Bewegungen. Der Sprung von PickGPT liegt vor allem in der Bewegungsplanung.
Der Ablauf funktioniert nach Firmenangaben in mehreren Schritten. Cortex erzeugt für einen Griff mehrere mögliche Bewegungsbahnen. Dann prognostiziert das World Model, wie jede davon ausgeht, und bewertet sie nach Stabilität, Risiko und Effizienz. Erst der beste Plan wird ausgeführt.
Dieses „vorher durchdenken“ ist der Kern des Ansatzes. Statt stur einen einprogrammierten Weg zu fahren, wägt die Software Alternativen ab. Ob das im Dauerbetrieb über alle Objekte hält, ist eine Herstellerbeschreibung und keine unabhängig geprüfte Allzweck-Zusage. Der Anspruch, unbekannte Objekte universell zu greifen, bleibt genau das: ein Anspruch.
Hardware-agnostisch: KI auf fremden Roboterarmen
Sereact bindet sich bewusst an keine eigene Roboterplattform. Die Software läuft herstellerübergreifend auf fremden Roboterarmen, so beschreibt es die Fachpresse. Für den Kunden heißt das: Er wählt den Arm und den Greifer, Sereact liefert die Intelligenz obendrauf. Auf welchen Arm-Marken Cortex konkret läuft, gibt die Firma öffentlich nicht durchgängig an.
Dieser Ansatz hat einen strategischen Grund. Wer keine Hardware baut, muss keine Fabrik und keine Ersatzteillogistik betreiben. Die Firma skaliert über Software-Lizenzen statt über Stückzahlen aus Blech. Genau das teilt Sereact mit einigen US-Wettbewerbern. Auf derselben Wette steht der Dresdner Software-Ansatz von Wandelbots, nur eine Ebene tiefer bei der Steuerung statt beim Greifen.
Die Kehrseite gehört dazu. Die Leistung hängt immer auch am fremden Arm und Greifer, den Sereact nicht kontrolliert. Ein starkes Modell auf schwacher Mechanik bleibt begrenzt. Der Software-Ansatz ist flexibel, verlagert aber einen Teil der Verantwortung auf den Integrator der Gesamtanlage.
Wie „autonom“ es wirklich ist: der Remote-Fallback
Sereact-Systeme arbeiten weitgehend selbstständig, aber nicht ohne Menschen. Die Firma nennt eine Kennzahl: Etwa einer von 53.000 Picks braucht menschliche Fern-Hilfe. Bleibt ein Griff hängen, schaltet sich eine Person aus der Ferne auf und löst die Situation. Diesen Remote-Fallback müssen Sie mitdenken, wenn von Autonomie die Rede ist.
Die Zahl ist eine Herstellerangabe, kein unabhängig testierter Wert. Sie beschreibt aber ehrlich den heutigen Reifegrad solcher Systeme. Foundation-Modelle für das Greifen sind jung, und der Mensch im Hintergrund ist Betriebsrealität, kein Versagen. Genau deshalb ist „vollautonom“ hier das falsche Wort.
Diese Nuance trennt Marketing von Betrieb. Ein System, das 52.999 von 53.000 Griffen allein schafft, ist beeindruckend. Es ist trotzdem nicht menschenersetzend, sondern menschenentlastend. Wer den Fallback verschweigt, verkauft eine Reife, die es so noch nicht gibt.
Training auf echten Produktionsdaten
Sereact setzt beim Training auf echte Daten statt auf reine Simulation. Nach Firmenangaben flossen über 1 Milliarde Bewegungs- und Pick-Datenpunkte in das neuronale Netz. Cortex 2.0 sei auf über 1 Milliarde echten Produktions-Picks trainiert. Das ist der Rohstoff, aus dem die Modelle ihre Griffe lernen.
Der Fokus auf Realdaten hat einen praktischen Hintergrund. Simulierte Umgebungen bilden Reibung, Glanz, verformbare Verpackungen und Chaos in der Kiste nur begrenzt ab. Wer aus dem laufenden Betrieb lernt, sammelt genau die Fälle, die im Lager wirklich vorkommen. Mit jedem Kunden wächst dieser Datenschatz.
Daraus entsteht ein Kreislauf, der schwer aufzuholen ist. Mehr Systeme im Feld liefern mehr Daten, bessere Daten verbessern das Modell, das wiederum neue Kunden überzeugt. Diese Datenbasis ist für ein junges Unternehmen der eigentliche Vorsprung. Belegen lässt sich der Umfang jedoch nur über die Firma selbst.
Einsatzfelder: Kommissionieren, Sortieren, Retouren
Der Kern liegt in der Intralogistik, im Lager und im Versand. Sereact-Systeme kommissionieren Artikel, sortieren Waren und wickeln Retouren ab. Dazu kommen Aufgaben in der Produktion und in der Qualitätskontrolle. Überall dort greift ein Arm einzelne Teile aus wechselnden Behältern.
Das klassische Problem heißt Pick-and-Place aus gemischten Kisten. Ein Mensch greift dort mühelos, ein starrer Roboter scheitert an der Vielfalt. Genau diese Lücke sollen die Sereact-Modelle schließen, indem sie jedes Objekt neu einschätzen. Neben diesen Greifzellen bewegen im modernen Lager auch fahrerlose Transportroboter die Ware zwischen den Stationen.
Der Nutzen ist konkret und marktgetrieben. Personalmangel im Lager und wachsender Versandhandel treiben die Nachfrage nach solchen Zellen. Ein Greifarm, der Nachtschichten und Retourenspitzen abfängt, löst ein echtes Problem. Ob er im Einzelfall wirtschaftlich ist, hängt vom Sortiment und den Stückzahlen ab.
Die Finanzierung: Series B und die Gesamtsumme richtig gelesen
Beim Geld lohnt genaues Lesen, weil die Schlagzeilen leicht verrutschen. Am 27. April 2026 gab Sereact eine Series-B-Finanzierungsrunde über 110 Millionen US-Dollar bekannt, angeführt von Headline. Das ist die Runde, nicht die Gesamtsumme der Firma. Wer beides gleichsetzt, rechnet die Kasse zu groß.
Kumuliert nennt Sereact eine Gesamt-Finanzierung von über 140 Millionen US-Dollar. Davor lagen eine Seed-Runde über 5 Millionen US-Dollar und laut Fachpresse eine Series A über 25 Millionen Euro, angeführt von Creandum. Externe Datenbanken nennen abweichende Werte bis rund 150 Millionen, teils über vier Runden. Belastbar ist nur die Firmenformel „über 140 Millionen US-Dollar“.
Diese Summen sind Finanzierung, kein Umsatz und kein Gewinn. Sie belegen Vertrauen von Kapitalgebern und einen Puffer für die Expansion, etwa das neue US-Büro in Boston. Über die Zahl der verkauften Systeme sagen sie direkt nichts. Kapital und Marktreife sind zwei verschiedene Dinge.
Kunden und Deutschland-Bezug
Sereact ist der wohl reinste deutsche Vertreter dieses Feldes. Deutsche Gründer, Sitz in Stuttgart, Heimmarkt Europa — und der Status lautet nicht Ankündigung, sondern IM VERKAUF. Über 200 Systeme laufen nach Firmenangaben in Europa. Das unterscheidet Sereact von vielen Playern, die vor allem Prototypen zeigen.
Die Referenzliste ist prominent, aber sie ist eine Firmenangabe. Nach Unternehmensangaben zählen unter anderem BMW, Mercedes-Benz, Daimler Truck, Austrian Post, PepsiCo, die Rohlik Group mit Knuspr.de, bol., Active Ants, Monta und MS Direct dazu. Wie tief und produktiv jeder einzelne Einsatz läuft, ist unabhängig nicht testiert. Deshalb gilt die Liste als „nach Unternehmensangaben“, nicht als geprüfter Betriebsnachweis.
Zum Einordnen: „IM VERKAUF“ und eine Kundenliste sind ein starkes Signal, aber kein unabhängiger Beleg für den Umfang jedes Projekts. Öffentliche Listenpreise nennt Sereact nicht — als Software-Anbieter läuft das über individuelle Verträge. Preisangaben finden Sie hier deshalb bewusst keine.
Im Wettbewerb: Sereact gegen Covariant, Nomagic, RightHand
Sereact steht nicht allein, sondern in einem klar besetzten Feld. Am direktesten vergleichbar ist Covariant aus den USA, das denselben Software-Gehirn-Ansatz verfolgte. Nach dem Amazon-Deal von 2024 ist Covariant als eigenständiger Wettbewerber allerdings geschwächt. Nomagic aus Polen und RightHand aus den USA sind stärker an Hardware und Zellen gebunden.
| Anbieter | Land / HQ | Ansatz | KI-Modell | Status | Finanzierung (Angabe) | DE-/EU-Bezug |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sereact | DE, Stuttgart | Hardware-agnostische KI-Software fürs Greifen/Kommissionieren | PickGPT → Cortex 2.0 (VLA + World Model) | IM VERKAUF (über 200 Systeme in der EU) | über 140 Millionen US-Dollar gesamt; Series-B-Runde 110 Millionen US-Dollar (2026) | Heimmarkt DE; Kunden lt. Firma u. a. BMW, Mercedes-Benz, Austrian Post |
| Covariant | US, Emeryville (CA) | KI-Brain-Software für Pick-Roboter (Fremd-Arme) | RFM-1 (rund 8 Milliarden Parameter) | Geschwächt: Amazon lizenzierte Technik + Gründer/~25 % Team (2024) | rund 222 Millionen US-Dollar gesamt; Series-C-Runde 75 Millionen US-Dollar (2023) | Global; kein DE-Heimmarkt |
| Nomagic | PL, Warschau (Nomagic GmbH) | KI-gestützte Pick-and-Place-Zellen fürs Fulfillment | KI-Picking auf Fremd-Hardware | IM VERKAUF (EU-Rollout) | über 84 Millionen US-Dollar gesamt; Runde 44 Millionen US-Dollar (2025) | Starker EU-/DE-Bezug; Kunde u. a. Zalando |
| RightHand Robotics | US, Somerville (MA) | Piece-Picking-Gesamtlösung (Arm + Greifer + Software) | RightPick 4 | IM VERKAUF; strategisches Rockwell-Investment (2025) | früher rund 66 Millionen US-Dollar; Rockwell-Summe nicht genannt | US-/EU-Vertrieb, kein DE-Heimmarkt |
Die Tabelle ordnet ein, sie kürt keinen Sieger. Sereact und Covariant teilen die Idee vom hardware-agnostischen Gehirn am engsten. Weil Covariant nach dem Amazon-Deal ausgedünnt ist, rückt Sereact als unabhängiger europäischer Vertreter dieses Ansatzes nach. Nomagic und RightHand spielen daneben eine eigene, stärker hardwaregebundene Rolle. Alle Fremd-Zahlen stammen aus der Fachpresse und sind entsprechend attribuiert.
Recht: Maschinenverordnung, AI Act, kein Medizinprodukt
Eine Greif- oder Kommissionierzelle ist rechtlich eine Maschine. Damit greift die EU-Maschinenverordnung (VO 2023/1230), die ab dem 20. Januar 2027 verbindlich gilt. Die CE-Konformität und die Sicherheit der Gesamtanlage liegen beim Integrator und Betreiber, nicht bei Sereact allein. Sereact liefert nur die KI-Software-Komponente in diesem Verbund.
Auch der EU AI Act (VO 2024/1689) kann eine Rolle spielen. Wenn KI als Sicherheitsbauteil einer Maschine wirkt, kann sie als Hochrisiko eingestuft werden. Dann gelten Anforderungen an Risikomanagement und Transparenz, die Anbieter und Betreiber mittelbar treffen. Werden dabei Personendaten verarbeitet, kommt die DSGVO hinzu.
Ein Punkt ist eindeutig: Sereact ist kein Medizinprodukt. Die Systeme laufen in Logistik und Industrie, nicht am Patienten. Angekündigte Healthcare-Anwendungen ändern daran heute nichts, weil sie noch nicht verfügbar sind. Diese Einordnung ist redaktionell und keine Rechtsberatung; die konkrete Konformität klärt der Anlagenbetreiber.
Roadmap: Healthcare und Humanoide — angekündigt
Sereact denkt öffentlich über neue Felder nach. In den Uni-Stuttgart-Nachrichten nennt die Firma Anwendungen für den Gesundheitsbereich und für humanoide Roboter. Beides ist eine Absichtserklärung, kein verfügbares Produkt. Der Status lautet angekündigt, nicht lieferbar.
Der Bezug zu Humanoiden ergibt technisch Sinn. Ein Modell, das Greifen und Bewegungsplanung beherrscht, ist auch für humanoide Roboter interessant. Deren zwei Arme brauchen genau diese Art von Wahrnehmung und Entscheidung. Trotzdem bleibt das vorerst eine Perspektive, kein Datenblatt.
Gerade bei Healthcare ist Vorsicht angebracht. Der Sprung von der strukturierten Lagerkiste zum sensiblen Pflege- oder Klinikumfeld ist groß. Andere Sicherheits-, Zulassungs- und Datenschutzregeln würden greifen. Bis dahin gilt: Was angekündigt ist, ist noch nicht in Betrieb.
Grenzen und offene Fragen
Am ehrlichsten liest sich Sereact über seine offenen Punkte. Fast alle Kennzahlen — 200 Systeme, 1 Milliarde Picks, die Fallback-Quote — sind Firmenangaben ohne unabhängige Testierung. Das macht sie nicht falsch, aber es macht sie zu Selbstauskünften. Ein neutraler Dauerbetriebs-Beleg über Monate liegt öffentlich nicht vor.
Auch die oft zitierte Erfolgsrate von rund 98 Prozent verdient eine Fußnote. Sie stammt aus einer Sekundärquelle und bezieht sich auf eine ältere Modellstufe. Als harte Ist-Zahl taugt sie nicht, nur als grobe Herstellerangabe. Ähnlich unscharf bleibt, auf welchen konkreten Roboterarmen Cortex im Feld läuft.
Unter dem Strich steht ein starker, junger Anbieter mit echtem Marktzugang. Die Software ist im Verkauf, die Kunden sind namhaft, die Datenbasis wächst. Gleichzeitig sind Autonomie, Reifegrad und Einsatztiefe noch nicht unabhängig belegt. Wer Sereact nüchtern liest, sieht einen ernstzunehmenden europäischen Physical-AI-Player — mit Belegen, die überwiegend aus dem Unternehmen selbst stammen.
Was macht Sereact genau?
Sereact entwickelt KI-Software für Greif- und Kommissionierroboter. Die Programme erkennen Objekte, planen den Griff und steuern den Roboterarm. Die Firma baut selbst keine Hardware, sondern liefert das „Gehirn“ für fremde Arme. Kern ist das Modell Cortex 2.0, hervorgegangen aus PickGPT.
Baut Sereact eigene Roboter?
Nein. Sereact ist eine reine Software-Firma und baut keine Roboter. Die KI läuft hardware-agnostisch auf Roboterarmen anderer Hersteller. Der Kunde wählt Arm und Greifer, Sereact liefert die Wahrnehmung und die Bewegungsplanung dazu.
Was ist PickGPT?
PickGPT ist der Ursprungs-Ansatz von Sereact aus dem Jahr 2023. Es verbindet ein Sprachmodell mit eigener Computer-Vision und galt als eine der ersten kommerziellen Transformer-Lösungen für die Robotik. Es ist kein getrenntes Produkt, sondern die frühe Bezeichnung des Software-Strangs, der heute Cortex heißt.
Was kann Cortex 2.0?
Cortex 2.0 ist nach Firmenangaben ein VLA-Modell mit World Model. Es erzeugt für einen Griff mehrere Bewegungsbahnen, prognostiziert deren Ausgang und wählt den besten Plan nach Stabilität, Risiko und Effizienz. Der Anspruch, unbekannte Objekte universell zu greifen, ist eine Herstellerangabe, kein geprüfter Allzweck-Fakt.
Wie autonom ist die Software wirklich?
Weitgehend selbstständig, aber mit menschlichem Remote-Fallback. Nach Firmenangaben braucht rund einer von 53.000 Picks eine Fern-Hilfe durch einen Menschen. Das System ist also menschenentlastend, nicht menschenersetzend. „Vollautonom“ trifft es deshalb nicht.
Wo sitzt Sereact und wer hat es gegründet?
Sereact sitzt in Stuttgart und wurde 2021 gegründet. Hinter der Firma stehen die Uni-Stuttgart-Alumni Dr. Ralf Gulde (CEO) und Marc Tuscher (CTO). Das Team ist im Cyber-Valley-Ökosystem rund um Stuttgart und Tübingen verankert und zählt nach Firmenangaben über 100 Mitarbeitende.
Wie viel Geld hat Sereact eingesammelt?
Sereact nennt eine Gesamt-Finanzierung von über 140 Millionen US-Dollar. Die Series-B-Runde vom April 2026 umfasste 110 Millionen US-Dollar und ist die Runde, nicht die Gesamtsumme. Davor lagen eine Seed-Runde über 5 Millionen US-Dollar und eine Series A über 25 Millionen Euro.
Welche Kunden nutzen Sereact?
Nach Unternehmensangaben zählen unter anderem BMW, Mercedes-Benz, Daimler Truck, Austrian Post, PepsiCo und die Rohlik Group mit Knuspr.de dazu. Über 200 Systeme laufen laut Firma in Europa. Wie tief jeder Einsatz produktiv läuft, ist unabhängig nicht testiert.
Läuft Sereact auf beliebigen Roboterarmen?
Die Software ist hardware-agnostisch und läuft herstellerübergreifend auf fremden Roboterarmen. Auf welchen konkreten Arm-Marken Cortex im Feld läuft, gibt Sereact öffentlich nicht durchgängig an. Die Leistung hängt immer auch am gewählten Arm und Greifer.
Ist Sereact ein Medizinprodukt?
Nein. Sereact ist eine Logistik- und Industrieanwendung, kein Medizinprodukt. Angekündigte Healthcare-Anwendungen sind bislang nur eine Absichtserklärung und nicht verfügbar. Für die heutigen Systeme sind vor allem Maschinenverordnung und EU AI Act der Rahmen.
Was unterscheidet Sereact von Covariant?
Beide verfolgen den Ansatz einer hardware-agnostischen KI-Software fürs Greifen. Covariant sitzt in den USA und ist nach dem Amazon-Deal von 2024 als eigenständiger Wettbewerber geschwächt. Sereact positioniert sich als unabhängiger europäischer Anbieter mit Heimmarkt Deutschland und dem Status IM VERKAUF.
Quellen & Stand: sereact.ai/posts/series-b (Gründung, Sitz, Gründer, Series B 110 Millionen US-Dollar, über 140 Millionen US-Dollar gesamt, über 200 Systeme, Remote-Fallback ~1:53.000, über 1 Milliarde Picks, Cortex 2.0, Referenzkunden), uni-stuttgart.de News (Team über 100, Trainingsdaten, Roadmap Healthcare/Humanoide, Knuspr.de), sereact.ai/posts/pickgpt und therobotreport.com (PickGPT 2023, hardware-agnostisch), eu-startups.com und massrobotics.org (Series A 25 Millionen Euro), Bloomberg/Sifted (Series B, US-Büro Boston), 36kr.com (~98 % — nur Sekundär, als Herstellerangabe attribuiert), robotics247.com und siliconangle.com (Covariant-Amazon), therobotreport.com und eu-startups.com (Nomagic), righthandrobotics.com und robotics247.com (RightHand/Rockwell). Firmenzahlen sind Herstellerangaben ohne unabhängige Testierung. Diese Einordnung ist redaktionell und keine Kauf-, Anlage- oder Rechtsberatung. Stand: 13. August 2026.