Exoskelette · Hersteller-Profil
German Bionic: Exoskelett-Hersteller aus Augsburg im Check
Kurz gesagt: German Bionic ist ein deutscher Hersteller aktiver, motorisierter Exoskelette aus Augsburg, gegründet 2017. Die Geräte Exia, Apogee und Cray X entlasten beim Heben den unteren Rücken per Motor, Akku und vernetzter KI-Plattform. Zur Firmenlage: Nach dem Insolvenzantrag im November 2025 meldete German Bionic am 03.03.2026 die Übernahme durch Archimedes Partners. Im Impressum steht seither eine andere Gesellschaft, die alte German Bionic Systems GmbH führt ein Registerdienst als in Liquidation. Was das für laufende Verträge heißt und wie das Verfahren förmlich ausging, ist nicht öffentlich belegt (Stand 13. August 2026, die Lage kann sich ändern). Wer die Grundlagen sucht, findet bei uns auch, was aktive und passive Exoskelette unterscheidet.
Was German Bionic ist und baut
German Bionic baut aktive Exoskelette für die Arbeitswelt. Aktiv heißt: ein Motor unterstützt die Bewegung, kein Federmechanismus. Das Unternehmen sitzt operativ in Augsburg und richtet sich an Logistik, Fertigung und schwere körperliche Arbeit. Die Geräte sollen den unteren Rücken beim Heben entlasten und Fehlbelastung reduzieren.
Drei Produkte tragen die Marke: Exia als aktuelles Flaggschiff, davor Apogee und der Cray X. Alle drei arbeiten mit Motor, Akku und einer vernetzten Software, die German Bionic IO heißt. Das unterscheidet die Firma von vielen Wettbewerbern, die rein mechanisch mit Federn arbeiten.
Ein Punkt gehört von Anfang an dazu und zieht sich durch dieses Profil. German Bionic stellte im November 2025 Insolvenzantrag und meldete am 03.03.2026 die Übernahme durch Archimedes Partners. Die Technik ist real, die Geräte sind im Verkauf, der Betrieb lief durch. Im Impressum steht seither eine andere Gesellschaft — wichtig bei Verträgen.
Firmenstatus: Insolvenzantrag 2025, Übernahme 2026
Im November 2025 stellte German Bionic beim Amtsgericht Augsburg einen regulären Insolvenzantrag. Die Firmenmitteilung datiert auf den 17.11.2025 und nennt als Tag des Beschlusses den Freitag davor. Das deckt sich mit dem Registereintrag: Gerichtsbeschluss vom 14.11.2025, Aktenzeichen IN 1051/25. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Oliver Schartl genannt, im Betrieb waren damals rund 70 Mitarbeitende.
Als Auslöser nennt das Unternehmen keine operative Schwäche, sondern eine geplatzte Finanzierung. Laut Berichten sollte ein Konsortium namens Mobile Uplift Corporation frisches Kapital von rund 200 Millionen Euro einbringen; laut Unternehmensangaben kam diese Finanzierung nicht zustande. Diese 200-Millionen-Zahl ist nur sekundär belegt und darum ausdrücklich als „laut Berichten“ zu lesen. Am 03.03.2026 meldete German Bionic dann die Übernahme durch Archimedes Partners. Der Kapitalgeber beschreibt sich selbst als Wachstumsinvestor mit Cleantech-Schwerpunkt und führt German Bionic im Portfolio. Als Sitz nennt allein die Übernahmemitteilung Baar in der Schweiz.
Der wichtigste Teil dieser Meldung steht im Impressum. Dort nennt germanbionic.com heute die Advanced Bionic Systems GmbH, Zentnerstraße 5a, 80798 München. Eingetragen ist sie beim Amtsgericht München unter HRB 310308, Geschäftsführer ist Benjamin Schulz. Die alte German Bionic Systems GmbH (Amtsgericht Charlottenburg, HRB 199907 B) steht bei einem Registerdienst auf Liquidation, Ereignisdatum 09.03.2026. Für den 04.03.2026 ist dort ein Gesellschafter-Ereignis zur Muhr und Bender KG vermerkt, besser bekannt als Mubea. Das ist keine Umfirmierung, sondern eine andere Gesellschaft hinter derselben Marke. Ob Verträge, Gewährleistung und Service schon dort liegen, ist damit aber nicht gesagt. Die AGB auf germanbionic.com nennen mit Stand 15.05.2025 weiter die alte GBS German Bionic Systems GmbH als Vertragspartner. Lassen Sie sich die Firmierung im Angebot bestätigen.
Einordnung, sachlich: Ein Insolvenzantrag heißt nicht automatisch Betriebsende. Bei German Bionic blieben die Produkte im Verkauf, seit März 2026 steht Archimedes Partners hinter dem Geschäft. Ob das Verfahren förmlich eröffnet oder inzwischen aufgehoben wurde, ist nicht öffentlich belegt; wir behaupten dazu nichts. Liefer- und Servicelage in Deutschland lassen Sie sich vor einer Beschaffung am besten bestätigen. Diese Seite ist Marktbeobachtung, keine Kauf- oder Anlageempfehlung. Stand 13. August 2026.
Exia: das aktuelle Flaggschiff
Exia ist das jüngste und stärkste Modell. German Bionic stellte es am 27.05.2025 vor und bot es seither für Einzel- und Flottenbestellungen an. Eigene Produktseiten führt die Firmenseite heute nicht mehr, der Weg läuft über die Kontaktanfrage. Nach Herstellerangaben unterstützt Exia dynamisch mit bis zu 38 Kilogramm pro Hebebewegung. Diese Zahl ist eine Herstellerangabe, kein unabhängig testierter Messwert.
Das Besondere ist die Software-Seite, die German Bionic „Augmented AI“ nennt. Eine Adaptive Lift Engine passt die Unterstützung an, ein digitaler Zwilling soll Bewegungsmuster lernen und in Echtzeit auf riskante Haltungen reagieren. Updates kommen nach Herstellerangaben über die Luft, also per OTA. Das Gerät ist staub- und wasserfest angegeben.
Bei den harten Kennzahlen bleibt Exia bewusst dünn dokumentiert. Eigengewicht und Akkulaufzeit hat der Hersteller öffentlich nicht sauber spezifiziert. Diese Werte raten wir nicht, sondern lassen sie offen. Wer belastbare Zahlen braucht, sollte das Datenblatt direkt beim Hersteller oder autorisierten Partner anfragen.
| Merkmal | Wert | Quelle | Jahr | Status |
|---|---|---|---|---|
| Vorstellung / Verkaufsstart | 27.05.2025 (Einzel- und Flottenbestellung) | germanbionic.com | 2025 | Herstellerangabe · IM VERKAUF |
| Hebe-Entlastung | bis 38 kg dynamisch pro Bewegung | germanbionic.com / therobotreport.com | 2025 | Herstellerangabe |
| KI-Funktion | Adaptive Lift Engine, digitaler Zwilling, OTA-Updates | germanbionic.com | 2025 | Herstellerangabe |
| Schutzart | staub- und wasserfest | germanbionic.com | 2026 | Herstellerangabe |
| Eigengewicht | k. A. | nicht öffentlich spezifiziert | — | nicht öffentlich belegt |
| Akku / Laufzeit | k. A. | nicht öffentlich spezifiziert | — | nicht öffentlich belegt |
Apogee und Cray X: die Baureihe davor
Vor Exia standen Apogee und der Cray X, die German Bionic bekannt gemacht haben. Apogee unterstützt nach Herstellerangaben mit bis zu 30 Kilogramm pro Hebebewegung und verlagert den Akku näher an die Hüfte. Das soll das Tragen angenehmer machen und den Schwerpunkt verbessern. Auch Apogee ist staub- und wasserresistent angegeben.
Der Cray X der fünften Generation ist das technisch am besten dokumentierte Gerät. Er wiegt rund 7 Kilogramm, nutzt einen 40-Volt-Wechselakku mit bis zu 8 Stunden Laufzeit und ist nach IP54 gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Die Hebe-Entlastung liegt bei bis zu 30 Kilogramm pro Bewegung. Auf der CES 2023 bekam der Cray X eine „Best of Innovation“-Auszeichnung.
Wie aktuell Apogee und Cray X nach dem Exia-Start noch aktiv vertrieben werden, ist nicht eindeutig belegt. Vieles spricht dafür, dass Exia die beiden in der Vermarktung ablöst. Ob die älteren Modelle noch bestellbar sind, gehört beim Hersteller oder Partner geprüft. Die Spezifikationen hier sind sekundär belegte Werte, keine tagesaktuelle Sortimentsauskunft.
Aktiv statt passiv: wie die Motorunterstützung wirkt
Der Kernunterschied zu vielen Wettbewerbern steckt im Antrieb. German Bionic setzt auf aktive Exoskelette mit Elektromotor und Akku. Sensoren erkennen die Hebebewegung, dann steuert ein Motor eine unterstützende Kraft auf die Hüfte bei. Das Ziel ist, den unteren Rücken beim Anheben spürbar zu entlasten.
Passive Systeme arbeiten dagegen ohne Strom, nur mit Federn oder elastischen Elementen. Solche Geräte sind leichter und günstiger, geben aber keine variable Kraft und lernen nichts dazu. Ein aktives Gerät kann die Unterstützung an Last und Bewegung anpassen, ein passives nicht. Dafür braucht das aktive System Akku, Wartung und mehr Technik im Rücken. Wie weit eine rein mechanische Lösung trägt, zeigt Ottobocks passive Paexo-Reihe.
Genau in dieser Anpassung liegt der Anspruch von German Bionic. Die Software soll erkennen, wie Sie heben, und die Kraft im Moment der Belastung dosieren. Ob das über lange Schichten zuverlässig trägt, ist eine Frage des Dauerbetriebs, nicht der Demo. Herstellerangaben zur Entlastung bleiben Angaben, bis unabhängige Messungen sie stützen.
German Bionic IO: die vernetzte KI-Plattform
German Bionic verkauft nicht nur Hardware, sondern eine vernetzte Plattform. German Bionic IO sammelt Bewegungs- und Nutzungsdaten der Geräte und stellt sie über eine App bereit. Das Unternehmen positioniert sich als früher Anbieter vernetzter Arbeits-Exoskelette. Aus den Daten sollen Auswertungen zu Belastung und Ergonomie im Betrieb entstehen.
Diese Vernetzung ist ein Verkaufsargument, wirft aber Fragen auf, die Sie kennen sollten. Wo Bewegungsdaten von Beschäftigten erfasst werden, ist die Datenschutz-Grundverordnung relevant. Wie die Daten verarbeitet und gespeichert werden, hängt von der konkreten Umsetzung und den Vereinbarungen im Betrieb ab. Pauschal „datenschutzkonform“ lässt sich das von außen nicht behaupten.
Für die reine Entlastung ist die Plattform nicht zwingend nötig, für das Betriebskonzept aber zentral. German Bionic verkauft die Idee, Arbeit messbar sicherer zu machen. Ob und wie stark das im Alltag greift, entscheidet die Praxis im jeweiligen Lager oder Werk. Die KI ist ein Werkzeug, kein Garant für weniger Verletzungen.
Standorte und Firmengeschichte
German Bionic wurde 2017 gegründet und nennt Augsburg bis heute als operativen Standort. Der Registersitz der Gründungsgesellschaft liegt in Berlin, geführt beim Amtsgericht Charlottenburg. Seit 2026 steht im Impressum eine Münchner Gesellschaft, während die About-Seite weiter Augsburg und Berlin nennt. Diesen Widerspruch räumen wir nicht weg, er gehört zum aktuellen Bild.
Über Augsburg hinaus nennt die About-Seite Berlin sowie Standorte in Paris und in Tokio. Diese Präsenz zeigt den internationalen Anspruch der Marke. Die Übernahmemitteilung führt Mitgründer Armin G. Schmidt als Founder, Geschäftsführer der heutigen Gesellschaft ist laut Impressum Benjamin Schulz. Die rund 70 Mitarbeitenden sind der Stand November 2025, neuere Zahlen nennt die Firma nicht.
Finanzierung: was belegt ist und was nicht
Bei den Finanzierungssummen widersprechen sich die Quellen deutlich. Insolvenznahe Berichte nennen über 35 Millionen Euro Gesamtfinanzierung, andere Quellen eine Series-A-Erweiterung von 16,3 Millionen US-Dollar. Aggregatoren wiederum listen grob 40 bis 60 Millionen US-Dollar über mehrere Runden. Eine einzelne, saubere Gesamtzahl lässt sich daraus nicht als Fakt ableiten.
Einzelne Bausteine sind besser dokumentiert als die Summe. Die Series-A-Erweiterung über 16,3 Millionen US-Dollar wurde im Dezember 2023 abgeschlossen und vom Zulieferer Mubea angeführt. Die Europäische Investitionsbank steuerte nach Berichten 15 Millionen Euro als Venture Debt bei. Solche EU-nahen Geldgeber unterstreichen den europäischen Charakter der Finanzierung.
Beim Blick auf diese Zahlen zählt vor allem die richtige Lesart. Kapital ist Finanzierung, nicht Umsatz und kein Beleg für einen tragfähigen Geschäftsbetrieb. Dass am Ende eine Finanzierungsrunde platzte, führte direkt in den Insolvenzantrag. Wer die Firma weiterträgt, ist seit März 2026 beantwortet: Archimedes Partners.
Einsatzfelder: Logistik, Fertigung, Healthcare

German Bionic zielt auf Branchen mit viel Heben und Tragen. Genannt werden Logistik, Fertigung, Flughäfen, Handel, der Bau und die Lebensmittelverarbeitung. Überall dort belasten wiederholte Hebebewegungen den unteren Rücken. Ein aktives Exoskelett soll genau diese Belastung abfangen.
Ein eigenes Feld ist das Gesundheitswesen, wo Pflegekräfte schwer heben. German Bionic hat Apogee ausdrücklich auch für die Pflege beworben. Diesen Anwendungsbereich vertiefen wir an anderer Stelle, denn er hat eigene Regeln und Anforderungen. Wer das Thema sucht, liest bei uns, wie Exoskelette in der Pflege eingesetzt werden.
Bei den Referenzen ist Vorsicht angebracht. Konkrete, namentlich benannte Kunden sind in den Primärquellen nicht belegt. Der Hersteller spricht allgemein von Einsätzen in Fertigung, Logistik und Healthcare, ohne prüfbare Namen zu nennen. Wir erfinden hier keine Referenzkunden, sondern halten den generischen Stand fest.
Im Wettbewerb: aktiv gegen passiv
German Bionic ist im Markt nicht allein, aber technisch anders positioniert. Die meisten bekannten Industrie-Exoskelette arbeiten passiv mit Federn, ohne Motor und Akku. German Bionic gehört zur kleineren Gruppe mit aktivem Antrieb am unteren Rücken. Die folgende Tabelle ordnet das ein, ohne einen Hersteller zu bevorzugen.
| System | Hersteller / DE-Bezug | Typ | Körperzone | Entlastung (Herstellerangabe) | Energie | Status |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Exia / Apogee / Cray X | German Bionic, Augsburg (DE) | aktiv (Motor, KI) | unterer Rücken / Heben | Exia bis 38 kg; Apogee/Cray X bis 30 kg | Akku (Cray X 40 V, bis 8 h) | im Verkauf, seit 03/2026 unter Archimedes Partners |
| Paexo Back | Ottobock, Duderstadt (DE) | passiv (Feder) | unterer Rücken / Heben | Rücken-Entlastung beim Heben; Prozentwert nicht belegt | keine (mechanisch) | im Verkauf |
| EXO-S / EXO-O1 | Hilti | passiv | Schulter / Überkopf | Schulter- und Armentlastung | keine | im Verkauf |
| ExoActive | Festool | aktiv (leicht) | Schulter / Überkopf | bis rund 5 kg (bis 50 N Boost) | 18-V-Werkzeugakku | im Verkauf |
| EVO | Ekso Bionics (US) | passiv | Schulter / Überkopf | Werkzeuggewicht-Umverteilung | keine | im Verkauf · DE-Bezug nicht belegt |
Ottobock aus dem niedersächsischen Duderstadt ist der nächste deutsche Bezugspunkt, arbeitet mit dem Paexo Back aber passiv. Das Gerät wiegt nur 4,5 Kilogramm und entlastet nach Herstellerangaben bis zu 25 Kilogramm, ganz ohne Strom. Hilti bleibt mit seinen Modellen im Schulter- und Überkopfbereich und setzt ebenfalls auf Feder statt Motor. Die Details dazu finden Sie im Profil zum passiven Exoskelett von Hilti.
Festool ist der interessante Sonderfall, weil das ExoActive aktiv mit Akku arbeitet. Es zielt aber auf Schulter und Überkopf und liefert mit rund 5 Kilogramm Entlastung viel weniger Kraft als German Bionic am Rücken. Damit spielt Festool in einer anderen Liga der Anwendung. Wie das Gerät funktioniert, zeigt das Profil zur akkubetriebenen Schulterhilfe von Festool.
Deutschland-Bezug: „Made in Germany“ und die Fakten
German Bionic vermarktet sich als deutscher Hersteller mit „Made in Germany“-Technologie. Der operative Sitz in Augsburg und die deutsche Herkunft sind belegt und ein echtes Verkaufsargument. Für den europäischen Markt ist ein Anbieter aus Deutschland näher an Support und Regeln als ein reiner US- oder Asien-Import. Das ist ein realer Vorteil, kein Gütesiegel.
Die Geräte sind grundsätzlich über die Firma und autorisierte Partner erhältlich. Preise nennen wir bewusst nicht, denn öffentliche Listenpreise gibt es nicht und Angebote hängen vom Einsatz ab. Wer Kosten wissen will, fragt direkt beim Hersteller oder Partner an. Einen geordneten Überblick, wie und wo Sie motorisierte Exoskelette bekommen, finden Sie bei uns separat.
Die Firmenlage wirkt genau hier am direktesten. Im Impressum steht heute eine andere Gesellschaft, in den AGB dagegen weiter die alte. Ob Lieferzeiten, Ersatzteile und Support in Deutschland unverändert laufen, ist von außen nicht belegt. Lassen Sie sich vor einer Beschaffung die aktuelle Liefer- und Servicelage bestätigen und prüfen Sie die Firmierung im Angebot.
Recht: Maschinenverordnung, CE, PSA und Medizinprodukt
Industrie-Exoskelette gelten in der Regel als Produkt oder „Maschine“. Damit greift die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, die ab dem 20.01.2027 verbindlich gilt und die alte Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ablöst. Kommen KI-Funktionen ins Spiel, ist zusätzlich der EU AI Act relevant, bei Personendaten die Datenschutz-Grundverordnung. Diese Einordnung ist konditional und ersetzt keine Rechtsberatung.
Die CE-Kennzeichnung wird oft missverstanden. CE ist eine Herstellererklärung und eine dauerhafte Pflichtkennzeichnung, aber kein Qualitäts- oder Sicherheitssiegel. Ob ein aktives Exoskelett zusätzlich als persönliche Schutzausrüstung oder als Arbeitsmittel einzuordnen ist, hängt von Zweck und Auslegung ab. Das ist juristisch nicht trivial und sollte im Einzelfall geprüft werden.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Medizinprodukt. Ein Industrie-Exoskelett wie Exia, Apogee oder Cray X ist kein Medizinprodukt, solange es keine medizinische Zweckbestimmung hat. Erst bei einem medizinischen Zweck greift die Medizinprodukte-Verordnung 2017/745. Aktive Exoskelette für die Reha sind eine eigene Welt, die wir im Beitrag zu aktiven Exoskeletten in der Rehabilitation behandeln.
Was Insolvenz und Übernahme praktisch bedeuten
Insolvenzantrag und Übernahme ändern nichts an der Technik, aber einiges am Umfeld. Die Exoskelette sind im Verkauf und standen 2026 auf Messen von der CES bis zur ALTENPFLEGE in Essen. Am 12.05.2026 kam ein Gerät in der EBC STATION Ai von SoftBank zum Einsatz, Firmen-News laufen bis 21.07.2026. Ein aktives Exoskelett bleibt trotzdem eine Investition mit Wartungs- und Ersatzteilbedarf über Jahre.
Genau dieser lange Zeithorizont macht die Firmenlage wichtig. Wer ein motorisiertes Gerät beschafft, verlässt sich über Jahre auf Software-Updates, Akkus und Support. Ein Eigentümer mit Kapital hilft dabei, garantiert aber weder Ersatzteile noch Reaktionszeiten. Zusagen von vor März 2026 stammen zudem von einer Gesellschaft, die ein Registerdienst heute als in Liquidation führt.
Unser Rat bleibt sachlich und ohne Häme. German Bionic ist ein ernstzunehmender Hersteller mit ausgezeichneter Technik, bei dem 2025 die Finanzierung platzte und 2026 der Eigentümer wechselte. Beides gehört zusammengedacht. Prüfen Sie vor einer Entscheidung Firmierung, Servicezusagen und Verfahrensstand direkt. Die Lage kann sich ändern (Stand 13. August 2026).
Grenzen und offene Fragen
Einiges an diesem Profil steht bewusst unter Vorbehalt. Die Entlastungswerte von 38 und 30 Kilogramm sind Herstellerangaben, keine unabhängig testierten Messungen. Eigengewicht und Akkulaufzeit des aktuellen Exia hat der Hersteller nicht öffentlich spezifiziert. Diese Lücken füllen wir nicht mit Schätzungen.
Auch beim Verfahren bleiben Lücken. Die Übernahme belegt die Firmenmitteilung vom 03.03.2026, ihre rechtliche Konstruktion dagegen nicht. Ob das Verfahren eröffnet und wie es beendet wurde, konnten wir an amtlichen Bekanntmachungen nicht nachlesen. Die 200-Millionen-Euro-Zahl stützt sich nur auf Berichte, die alte Insolvenzmitteilung der Firma ist nicht mehr abrufbar.
Unter dem Strich steht ein Hersteller mit starker Technik und einem Bruch in der Firmenhistorie. Die Exoskelette entlasten real, die Marke ist deutsch und ausgezeichnet, hinter ihr stehen seit 2026 ein neuer Eigentümer und im Impressum eine neue Gesellschaft. Wer Produkt und Firmenlage trennt, entscheidet informiert statt aus Hype oder Häme. Mehr braucht eine ehrliche Einordnung nicht.
Ist German Bionic insolvent?
German Bionic stellte im November 2025 beim Amtsgericht Augsburg Insolvenzantrag. Am 03.03.2026 meldete das Unternehmen die Übernahme durch Archimedes Partners. Im Impressum steht seither die Advanced Bionic Systems GmbH, die alte German Bionic Systems GmbH führt ein Registerdienst als in Liquidation. Ob das Verfahren eröffnet oder aufgehoben wurde, ist nicht öffentlich belegt (Stand 13. August 2026).
Kann man Exoskelette von German Bionic noch kaufen?
Ja, die Geräte sind im Verkauf, Firmen-News laufen bis 21.07.2026. Bezug läuft über die Firma und autorisierte Partner. Seit dem Eigentümerwechsel 2026 lohnt ein Blick auf die Firmierung im Angebot, Liefer- und Servicelage lassen Sie sich am besten vorher bestätigen.
Was kostet ein German-Bionic-Exoskelett?
Öffentliche Listenpreise nennt der Hersteller nicht, und Angebote hängen vom Einsatz ab. Konkrete Kosten erfragen Sie direkt beim Hersteller oder autorisierten Partner. Wir nennen hier bewusst keine Preise ohne belegte Quelle.
Wie viel Gewicht nimmt ein German-Bionic-Exoskelett ab?
Nach Herstellerangaben unterstützt Exia mit bis zu 38 Kilogramm pro Hebebewegung, Apogee und Cray X mit bis zu 30 Kilogramm. Das sind Herstellerangaben, keine unabhängig testierten Messwerte. Die reale Entlastung hängt von Haltung und Bewegung ab.
Ist ein German-Bionic-Exoskelett aktiv oder passiv?
Aktiv. Exia, Apogee und Cray X arbeiten mit Elektromotor, Akku und vernetzter Software. Sensoren erkennen die Hebebewegung, dann steuert ein Motor unterstützende Kraft bei. Passive Systeme wie Ottobocks Paexo-Reihe nutzen dagegen nur Federn. Seit November 2025 hat aber auch Ottobock ein aktives Rückenexoskelett im Programm, das IX BACK VOLTON unter der Marke SUITX.
Wo sitzt German Bionic?
Als operativen Standort nennt German Bionic weiter Augsburg, gegründet wurde das Unternehmen 2017. Im Impressum steht seit 2026 eine Gesellschaft mit Sitz in München. Als weitere Standorte führt die Firma Berlin, Paris und Tokio.
Braucht ein Industrie-Exoskelett eine CE-Kennzeichnung?
In der Regel ja, denn ein Industrie-Exoskelett gilt meist als Produkt oder Maschine. CE ist eine Herstellererklärung und Pflichtkennzeichnung, aber kein Qualitäts- oder Sicherheitssiegel. Ab dem 20.01.2027 greift zudem die EU-Maschinenverordnung 2023/1230. Das ist keine Rechtsberatung.
Ist ein Industrie-Exoskelett ein Medizinprodukt?
Nein, solange es keine medizinische Zweckbestimmung hat. Exia, Apogee und Cray X sind Industrie- und Logistikgeräte, also kein Medizinprodukt. Erst bei medizinischem Zweck greift die Medizinprodukte-Verordnung 2017/745.
Was unterscheidet German Bionic von Ottobock?
German Bionic baut aktive Exoskelette mit Motor und Akku für den unteren Rücken. Ottobock arbeitet mit dem Paexo Back passiv, nur mit Federn und ohne Strom, bei rund 4,5 Kilogramm Eigengewicht. Aktiv passt die Kraft an, passiv ist leichter und wartungsärmer.
Wird German Bionic auch in der Pflege eingesetzt?
German Bionic hat Apogee ausdrücklich auch für das Gesundheitswesen beworben, etwa zur Entlastung beim Heben in der Pflege. Namentliche Referenzkunden sind in Primärquellen aber nicht belegt. Den Pflege-Einsatz vertiefen wir in einem eigenen Beitrag.
Was eine Insolvenz allgemein für Gewährleistung, Cloud, Updates und Ersatzteile bedeutet, ordnet der Beitrag Wenn der Roboterhersteller insolvent wird systematisch ein.
Quellen & Stand: germanbionic.com (Exia, Produkte, Standorte, Herstellerangaben; Übernahmemitteilung vom 03.03.2026; Impressum mit Advanced Bionic Systems GmbH, München, HRB 310308; AGB Stand 15.05.2025 weiter mit GBS German Bionic Systems GmbH, Berlin, HRB 199907 B), archimedes-partners.com (Portfolio), ad-hoc-news.de (Bestätigung der Übernahme), therobotreport.com (Exia-Vorstellung, Series-A-Finanzierung), exoskeletonreport.com und smartindustry.com (Cray X, Apogee, Specs), vc-magazin.de, unternehmeredition.de und xpert.digital (Insolvenzantrag, Finanzierung), northdata.com (Registerdaten zur German Bionic Systems GmbH, HRB 199907 B, Liquidation 09.03.2026), exoskelette.com (Ottobock Paexo), hilti.com und festool.com (Wettbewerber), de.wikipedia.org und IHK-Merkblätter (Maschinenverordnung 2023/1230, CE). Alle Trag- und Entlastungswerte sind Herstellerangaben, keine testierten Messwerte. Die Übernahme ist über die Firmenmitteilung primär belegt. Den förmlichen Verfahrensstand konnten wir an den amtlichen Bekanntmachungen nicht abrufen, er bleibt offen. Die alte Insolvenz-Pressemitteilung der Firma ist nicht mehr erreichbar, die 200-Millionen-Euro-Zahl gilt nur laut Berichten. Diese Einordnung ist redaktionelle Marktbeobachtung und keine Kauf-, Anlage- oder Rechtsberatung. Stand: 13. August 2026, die Lage kann sich ändern.