Humanoider Roboter dreht sich über einer Messebühne in der Luft, davor Publikum mit erhobenen Smartphones.

Physical AI & Robotik-KI · Analyse

IFA 2026: Was die Roboter auf der Bühne zeigten und was daneben geschah

Stand 6. September 2026 · Lesezeit 16 Minuten · Analyse

Kurz gesagt: Auf der IFA 2026 hing es am Standort, was ein Roboter zeigte. Die Messegesellschaft berichtet von der Live-Show am 5. September von Rückwärtssaltos, Tai-Chi und einem Spagat. Das c’t-Magazin berichtet aus den Hallen und beschreibt etwas anderes: Am Stand von Unitree hätten nach dieser Beobachtung zwei boxende Humanoide häufig dorthin geschlagen, wo der Gegner gerade nicht stand. Beides kann zutreffen, denn es sind zwei verschiedene Orte — und der Unterschied zwischen ihnen ist der eigentliche Befund dieser Messe.

Der Standort entscheidet, was zu sehen ist

Die IFA 2026 läuft vom 4. bis 8. September auf dem Gelände der Messe Berlin. Robotik war auf mehreren Bühnen Thema: am 4. September in einem Panel zu Robotern in Küche und Haushalt, am 5. September in einer Live-Show und in einer Keynote. Über die Robotik dieser Messe liegen zwei Darstellungen vor, und sie stammen von zwei verschiedenen Orten.

Die eine ist die Pressemitteilung der IFA Management GmbH vom 5. September und beschreibt die Live-Show „Robots on the Runway“ auf der Creator Stage. Die andere ist ein Bericht von Ulrike Kuhlmann für das c’t-Magazin, erschienen am 6. September, und beschreibt die Roboter in den Hallen.

Die beiden Texte widersprechen einander nicht und berichten doch nicht über dasselbe Ereignis. Geprüft haben wir keinen von beiden, und vor Ort waren wir nicht.

Die These dieses Beitrags lautet deshalb nicht, dass die Messe übertreibt. Sie zeigt, was sie zeigt. Die These lautet, dass auf einer Messe der Standort darüber entscheidet, was ein Roboter beweisen kann — und dass die Aussagekraft mit jedem Schritt weg von der Bühne steigt.

Auf der Bühne wählt der Aussteller die Aufgabe. Am Stand kommt ein Gegenüber hinzu. In Halle 15 legt den Ausgang niemand vorher fest.

Ort Was berichtet wird Urheber Status
Creator Stage, 5. September Tanz, Tai-Chi, Rückwärtssaltos, ein Spagat; Antworten auf Fragen der Moderatorin IFA Management GmbH, 05.09.2026 Veranstalterangabe zur eigenen Show, nicht unabhängig überprüft
Creator Stage, 5. September Noch nie seien auf der IFA so viele humanoide Roboter zu sehen gewesen IFA Management GmbH, 05.09.2026 Veranstalterangabe ohne Zahl
Stand von Unitree, in der Halle Zwei boxende Roboter seien aneinander vorbeigelaufen und hätten dorthin geschlagen, wo der Gegner nicht stand c’t / heise online, 06.09.2026 Beobachtung vor Ort, benannte Autorin
Hallen, allgemein Kommunikationsversuche mit großen und kleinen Robotern scheiterten c’t / heise online, 06.09.2026 Beobachtung vor Ort, teils den Messebedingungen zugeschrieben
Programmseite zur NEURA-Keynote Bis 2030 fehlten Europa, den USA und China mehrere hundert Millionen Arbeitskräfte IFA-Programmseite, abgerufen 06.09.2026 Aussage ohne Quellenangabe
Halle 15, 4. bis 8. September Autonome Maschinen analysierten das Spiel, entschieden eigenständig und stimmten sich im Team ab — so die Ankündigung IFA Management GmbH, 05.09.2026 Veranstalterangabe, nicht unabhängig überprüft

Was der Veranstalter von der Bühne berichtet

Die Pressemitteilung vom 5. September beschreibt eine sehr gut besuchte Show, in der menschenähnliche Roboter ihre Beweglichkeit demonstrierten, auf Fragen der Moderatorin antworteten und mit dem Publikum interagierten. Nach derselben Mitteilung waren außerdem Robotiksysteme zu sehen, die mit Haustieren interagieren, sowie ein vierbeiniger Roboter, dessen Vorführung nach Angaben des Veranstalters zeigen sollte, wie die Technologie bei Bränden und anderen Notfällen Leben retten kann.

Leif Lindner, Geschäftsführer der IFA Management GmbH, wird darin mit dem Satz zitiert, Robotik sei neben künstlicher Intelligenz eines der zentralen Zukunftsthemen der Messe, die Systeme entwickelten sich rasant weiter und rückten immer näher an den Alltag der Menschen. Das ist eine Einschätzung des Veranstalters über die eigene Veranstaltung, und sie ist als solche zu lesen.

Bemerkenswert ist, was die Mitteilung nicht sagt. Sie nennt keine Zahl zu den Humanoiden, obwohl sie einen Rekord behauptet. Sie sagt nicht, in welcher Form die Roboter auf die Fragen der Moderatorin antworteten — frei, aus einem hinterlegten Repertoire oder mit einem Menschen in der Schleife. Und sie ordnet den vierbeinigen Roboter keinem Hersteller zu; wir ordnen ihn ebenfalls keinem zu.

Eines sagt eine Bühne ohnehin nicht: Ein Vorführgerät ist kein Produkt am Markt. Ein deutscher Endkundenpreis mit Liefertermin liegt uns für keinen der gezeigten Humanoiden vor. Ein Beispiel: Am 6. September 2026 nennt der Herstellershop für den Unitree G1 13.500 US-Dollar und 300 bis 1.200 US-Dollar Versand, ohne Gewähr und ohne deutschen Preis. Das Gerät steht dort als backordered, ein Liefertermin wird nur auf Anfrage genannt, und Zölle, Steuern und Einfuhrabwicklung tragen nach den Angaben im Shop die Käuferinnen. Ob eines dieser Geräte auf der Messe zu sehen war, geht aus den Quellen nicht hervor. Was daraus für Service, Ersatzteile und den Weg für einen Rückruf folgt, ordnet unser Beitrag zu Betrieb und Service in Deutschland. Über welche Kanäle die auf der Messe vertretenen Anbieter nach Deutschland kommen, steht im Beitrag zu den fünf Marktzugängen; wo die rechtliche Grenze zwischen Vorführung und verkaufsfähigem Produkt verläuft, im Beitrag zu Messevorführung und Marktkonformität.

Was am Stand daneben beobachtet wurde

Der Bericht von Ulrike Kuhlmann erschien am 6. September und beschreibt dieselbe Messe aus den Hallen heraus. Die Live-Show auf der Creator Stage kommt darin nicht vor. Seine schärfste Passage betrifft einen anderen Ort: den Boxkampf am Stand des chinesischen Robotikunternehmens Unitree Robotics.

Dort sei sehr deutlich geworden, wie wenig die beiden Maschinen ihre Aufgabe durchschauten. Sie seien „sehenden Auges aneinander vorbei“ gelaufen; häufig hätten sie einander direkt gegenübergestanden und dann mit einer eleganten Bewegung genau dorthin geschlagen oder getreten, wo der andere gerade nicht stand. So beschreibt es der Bericht; gesehen haben wir es nicht. Derselbe Bericht hält fest, die Abläufe seien mehr oder weniger einstudiert, unterbrochen von kurzen Orientierungssequenzen, und die den Humanoiden gern unterstellte Intelligenz sei dabei nicht durchgeblitzt.

Zwei humanoide Roboter mit roten und blauen Boxhandschuhen in einem Ring, der linke schlägt mit ausgestrecktem Arm ins Leere.
Zwei humanoide Roboter im Ring, der linke schlägt mit ausgestrecktem Arm an seinem Gegenüber vorbei. Eine Bewegung zu beherrschen und ein Gegenüber zu erfassen sind zwei verschiedene Aufgaben. KI-generierte Illustration (Symbolbild). Sie zeigt keine dokumentierte reale Situation, kein konkretes Produkt und keinen Stand eines benannten Herstellers.

Ob die beiden Maschinen dabei selbst steuerten oder ferngeführt wurden, sagt der Bericht nicht, und wir wissen es nicht. Das schwächt die Beobachtung weniger, als es zunächst scheint: Bei einem einstudierten Ablauf wie bei einer Fernsteuerung bleibt offen, was das Gerät selbst erfasst.

Ein zweiter Befund ist mit Vorsicht zu lesen: Die Kommunikationsversuche der c’t-Redaktion mit großen und kleinen Robotern seien gescheitert, was teilweise den Messebedingungen geschuldet gewesen sei. Wer daraus ein Urteil über die Technik ableitet, überzieht.

Warum Beweglichkeit und Wahrnehmung auseinanderfallen

Die naheliegende Frage stellt der Messebericht nicht, und sie ist die interessantere: Warum gelingt die eine Aufgabe und die andere nicht? Woran sich eine Vorführung überhaupt lesen lässt, haben wir zwei Tage vor der Show im Beitrag Was eine Roboterdemo beweist beschrieben. Was folgt, ist die Einordnung dieser Redaktion und keine Angabe aus einer der genannten Quellen.

Die Regelung des eigenen Körpers ist ein geschlossenes Problem. Die Maschine kennt ihre Gelenke, ihre Massen und ihre Sensoren, sie misst laufend, was gerade passiert, und korrigiert. Was richtig ist, ergibt sich dabei aus der Physik und lässt sich vorab durchspielen, bevor das Gerät zum ersten Mal steht. Eine Bewegung, die niemand stört, ist deshalb eine Aufgabe mit einer Lösung.

Eine offene Szene ist das nicht. Wo ein Gegenüber steht, wo es gleich sein wird und was es vorhat, steht in keiner Bewegungsgleichung. Es muss aus Bildern und Abständen erschlossen werden, und das Ergebnis ist eine Deutung, keine Messung.

Daraus folgt unsere Lesart: Die Körperbeherrschung wächst schneller als die Fähigkeit, eine Lage zu erfassen — die eine lässt sich üben, die andere muss in jeder neuen Situation neu hergestellt werden. Ein Salto verlangt kein Verständnis eines unvorhersehbaren Gegenübers. Ein Treffer verlangt es.

Die Zahl in der Programmankündigung

Am 5. September hielt David Reger, Gründer und Geschäftsführer der NEURA Robotics GmbH aus Metzingen, auf der Innovation Stage die Keynote „From Europe, for the World: Building the Ecosystem for Physical AI“. Das ist für dieses Portal der interessantere Programmpunkt: Hier wirbt ein deutsches Unternehmen für einen europäischen Weg.

Die Ankündigung dieser Keynote auf der Messeseite beginnt mit einem Satz, der die wirtschaftliche Begründung trägt: Bis 2030 fehlten Europa, den USA und China mehrere hundert Millionen Arbeitskräfte. Der Text nennt dafür beim Abruf am 6. September 2026 keine Quelle, keine Erhebung und keine Methode. Er nennt auch nicht, ob er eine Lücke an Erwerbspersonen, an Fachkräften oder an besetzbaren Stellen meint — drei Größen, die sich um Größenordnungen unterscheiden.

Zur Zuschreibung, weil sie hier zählt: Der Satz, den wir geprüft haben, steht auf der Programmseite der IFA. Ob er von der Messe formuliert oder vom Unternehmen zugeliefert wurde, geht aus der Seite nicht hervor. Wir schreiben ihn deshalb nicht Herrn Reger persönlich zu, und die Pressemitteilung der IFA Management GmbH vom 5. September 2026, die die Keynote referiert, nennt keine solche Zahl. Ob NEURA Robotics dieselbe Größenordnung an anderer Stelle mit Quellenangabe veröffentlicht, haben wir nicht erhoben. Dass die Programmseite keine Quelle nennt, belegt auch nicht, dass es keine gibt — es belegt, dass die Aussage in dieser Form nicht überprüfbar ist.

Woran sich diese Zahl messen lässt

Eine datierte und nachlesbare Prognose stammt von der Personalberatung Korn Ferry und heißt „Future of Work: The Global Talent Crunch“. Sie stammt aus dem Jahr 2018. Ihr Ergebnis: Bis 2030 könnten weltweit mehr als 85 Millionen Stellen unbesetzt bleiben, weil nicht genug qualifizierte Menschen für sie da sind. Wir haben nicht erhoben, welche Schätzung am häufigsten zitiert wird oder ob es höhere gibt; wir nutzen diese, weil sie datiert, methodisch beschrieben und nachlesbar ist.

Wichtiger als die Gesamtzahl ist, was diese Studie misst und was nicht. Untersucht wurden nach eigener Darstellung 20 Volkswirtschaften in drei Branchen — Finanz- und Unternehmensdienstleistungen, Technologie, Medien und Telekommunikation sowie das verarbeitende Gewerbe. Grundlage waren Vorausberechnungen internationaler Arbeitsorganisationen und amtlicher Statistiken, ausgewertet von externen Ökonomen.

Der Text führt beide Lesarten nebeneinander — unbesetzte Stellen und fehlende Menschen —, begrenzt den Zuschnitt aber auf drei Branchen. Es ist eine Unternehmensstudie und keine amtliche Statistik.

Balkendiagramm für das Jahr 2030: links mehrere hundert Millionen als unbelegte Aussage, rechts mehr als 85 Millionen weltweit nach Korn Ferry 2018.
Zwei Balken für das Zieljahr 2030: links mehrere hundert Millionen fehlende Arbeitskräfte für Europa, die USA und China nach der IFA-Programmseite zur NEURA-Keynote, dort ohne Quellenangabe. Rechts mehr als 85 Millionen unbesetzte Stellen weltweit nach der Unternehmensstudie von Korn Ferry aus dem Jahr 2018. Beide Angaben messen nicht dasselbe. KI-generierte Illustration (Symbolbild); die Werte stammen aus den im Quellenblock genannten Belegen, die Gestaltung ist redaktionell.

Für zwei der drei Wirtschaftsräume, die der Satz auf der Messeseite nennt, gibt dieselbe Studie eigene Werte an: für China einen Mangel, der bis 2030 doppelt so groß ausfallen könne wie der russische von bis zu sechs Millionen, und für die USA mehr als sechs Millionen. Die beiden Angaben sind unterschiedlich gefasst — die eine als Obergrenze, die andere als Untergrenze — und lassen sich deshalb nicht zu einer Summe verrechnen. Auch einzeln liegen sie um Größenordnungen unter mehreren hundert Millionen, und sie beschreiben einen engeren Ausschnitt. Ein Beweis ist das nicht: Die beiden Angaben messen nicht dasselbe, und genau darin liegt das Problem. Wer eine Größe nennt, ohne zu sagen, was sie zählt, macht sie unvergleichbar — und damit unprüfbar.

Wo die Sprache der Companions verarbeitet wird

Der für den Alltag folgenreichste Teil des Berichts steht nicht auf der Bühne, sondern in den Hallen bei den digitalen Begleitern, die als Companion vermarktet werden. Nach dem Bericht von c’t sollen etliche der größeren Geräte in natürlicher Sprache mit ihren Besitzern kommunizieren und dafür Sprachmodelle einsetzen, wie man sie vom Smartphone kennt. Anbieter hätten dabei angegeben, die Daten verließen das Gerät nicht.

Derselbe Bericht hält dagegen eine Überlegung zur Rechenleistung: Da in diesen Companions keine KI-Server steckten, müssten die Sprachdaten zwangsläufig in der Cloud verarbeitet werden, heißt es dort. Das ist ein Schluss aus einer Annahme über den Geräteinnenaufbau und keine Messung. Nachprüfen lässt er sich an einem Messestand nicht — dazu bräuchte es eine Zerlegung des Geräts oder eine belastbare Auskunft des Anbieters, und beides lag nicht vor. Wir haben keinen Anbieter dazu befragt und behaupten über kein einzelnes Gerät, wo seine Sprachdaten verarbeitet werden.

Ablaufgrafik mit vier Stationen: Companion-Gerät, Netz, externe Rechenleistung und Antwort.
Vier Stationen von links nach rechts: Companion-Gerät, Netz, externe Rechenleistung, Antwort. So beschreibt der Bericht von c’t den dort geschlossenen Weg einer Spracheingabe, wenn im Gerät die Rechenleistung für ein großes Sprachmodell fehlt; nachgeprüft ist dieser Weg nicht. KI-generierte Illustration (Symbolbild); die Darstellung ist redaktionell.

Fest steht damit nur, dass die Frage offen ist und dass eine Zusage allein sie nicht beantwortet. Für die Wohnung ist das die entscheidende Frage, und sie lässt sich vor dem Kauf stellen: Welche Daten verlassen das Gerät, an wen gehen sie, und wie lange werden sie gespeichert? Sobald Sprache eines Kindes an einen Anbieter übertragen wird, kann die Datenschutz-Grundverordnung anwendbar sein — nach Artikel 3 Absatz 2 auch dann, wenn der Anbieter außerhalb der EU sitzt, sofern er sein Angebot an Nutzerinnen in der EU richtet. Bei Kindern sieht die Verordnung in Artikel 8 zusätzliche Anforderungen vor, und Aufnahmen im Zusammenhang mit einer Diagnose können Gesundheitsdaten nach Artikel 9 sein. Das ist ein Verweis und keine Rechtsberatung; dieselbe Frage bei Karten- und Kameradaten behandelt der Beitrag zum Datenschutz bei Saugrobotern.

Wenn eine Wirkung versprochen wird

Ein Teil dieser Companions wird nicht nur zur Unterhaltung gezeigt, sondern mit einer Wirkung beworben. Nach dem Bericht aus der Halle sollen Geräte in knuddeligen Fantasiegestalten über Displays in ihren Augen beruhigend wirken: auf Kinder mit ADHS, auf Kinder im Autismus-Spektrum, auf Kinder mit anderen Besonderheiten. Für jedes Spektrum laufe dabei ein etwas anderes Programm ab. Wie wissenschaftlich diese Angebote begleitet sind, blieb nach demselben Bericht unklar.

Diese Unklarheit ist der Befund, nicht die Abwesenheit von Forschung: Ob es Studien zu sozial assistiver Robotik bei diesen Diagnosen gibt, haben wir für diesen Beitrag nicht erhoben. Was sich sagen lässt, ist, dass am Messestand kein Wirknachweis benannt wurde und dem Bericht keiner vorlag. Ob die Anbieter einen führen, wissen wir nicht — wir haben sie nicht gefragt. Sobald ein Gerät nicht mehr nur unterhält, sondern eine Wirkung bei einer diagnostizierten Gruppe verspricht, stellt sich zudem die Frage nach der Zweckbestimmung. Ob Pflichten aus der EU-Medizinprodukteverordnung folgen, hängt nach deren Artikel 2 Nummer 1 daran, ob das Produkt vom Hersteller für einen medizinischen Zweck bestimmt ist. Maßgeblich sind dafür nach Artikel 2 Nummer 12 die Angaben in Kennzeichnung, Gebrauchsanweisung und Werbematerial — wie ein Gerät beworben wird, kann für die Einordnung also erheblich sein. Ob das im Einzelfall zutrifft, lässt sich von außen nicht entscheiden; das ist ein Verweis und keine Rechtsberatung.

Der EU AI Act zieht in Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe b eine enge, aber scharfe Grenze: Untersagt sind Inverkehrbringen, Inbetriebnahme und Verwendung eines KI-Systems, das eine Vulnerabilität oder Schutzbedürftigkeit aufgrund des Alters, einer Behinderung oder einer bestimmten sozialen oder wirtschaftlichen Situation mit dem Ziel oder der Wirkung ausnutzt, das Verhalten wesentlich zu verändern, und dadurch erheblichen Schaden zufügt oder mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zufügen wird.

Auf eine Absicht kommt es nicht an, die Wirkung genügt. Umgekehrt fällt ein Angebot nicht schon deshalb darunter, weil es sich an eine schutzbedürftige Gruppe richtet. Artikel 5 gilt seit dem 2. Februar 2025. Das ist ein Verweis auf den Normtext und keine Bewertung eines konkreten Produkts, das wir nicht geprüft haben. Wer eine Wirkung bewirbt, kann drei Angaben liefern: welche Untersuchung sie belegt, wer sie durchgeführt hat und wo sie veröffentlicht ist.

Der Wettbewerb, dessen Ausgang niemand festlegt

Parallel dazu läuft noch bis zum 8. September in Halle 15 der RoboCup, bei dem Forschende und Studierende aus Robotik, KI, Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau mit selbst entwickelten Systemen gegeneinander antreten. Nach Angaben der Messe analysieren die autonomen Maschinen im Roboterfußball das Spiel, treffen eigenständig Entscheidungen und koordinieren sich im Team; unter den Teilnehmenden sei auch der Vizeweltmeister in der Liga der kleinsten humanoiden Roboter. Auch das ist eine Veranstalterangabe, und wir haben kein Spiel gesehen.

Vier kleine humanoide Roboter in Trikots auf einem Kunstrasenfeld um einen Fußball, im Hintergrund ein Tor.
Vier kleine humanoide Roboter in Trikots stehen auf einem Kunstrasenfeld um einen Ball, im Hintergrund ein Tor. Ein Spiel lässt sich nicht vorher festlegen, eine Choreografie schon. KI-generierte Illustration (Symbolbild). Sie zeigt keine dokumentierte reale Situation und kein konkretes Produkt.

Für die Frage dieses Beitrags zählt aber nicht der Ausgang, sondern das Format. Ein Fußballspiel hat einen Gegner, einen Ball, eine Uhr und ein Ergebnis, das niemand vorher festlegen kann. Es ist damit genau das, was eine Bühnenchoreografie nicht ist: ein Verfahren, in dem sich Wahrnehmung und Entscheidung nicht durch Einstudieren ersetzen lassen.

Dass die kleineren und langsameren Systeme in Halle 15 die härtere Aufgabe bekommen, während die eleganten Humanoiden auf der Creator Stage stehen, sagt nichts über den Fleiß der einen und die Eitelkeit der anderen. Es sagt etwas über die Aussagekraft von Formaten. Autonomie zeigt sich dort, wo etwas schiefgehen darf.

Vier Fragen an jede Vorführung

Aus dieser Woche lassen sich vier Fragen ableiten, die keine Fachkenntnis verlangen und auf jeder Messe funktionieren. Die erste betrifft die Wiederholung: ob dieselbe Aufgabe unmittelbar ein zweites und drittes Mal gelingt, mit veränderter Ausgangsposition. Die zweite betrifft das Unbekannte: was geschieht, wenn ein Gegenstand im Ablauf liegt, den der Aufbau nicht vorgesehen hat.

Vier Felder mit den Stichworten Wiederholen, Unbekanntes, Fehler und Netz weg, jeweils mit einer Frage darunter.
Vier Prüffragen an eine Roboter-Vorführung, als Felder mit den Stichworten Wiederholen, Unbekanntes, Fehler und Netz weg. Alle vier lassen sich an einem Messestand stellen, ohne Fachkenntnis. KI-generierte Illustration (Symbolbild); die Darstellung ist redaktionell.

Die dritte Frage betrifft den Fehler. Was geschieht, wenn etwas schiefgeht, und wer greift dann ein — ein Mensch am Stand, eine Fernverbindung oder das System selbst? Die vierte betrifft die Verbindung: was von der gezeigten Fähigkeit bleibt, wenn das Netz wegbricht. Bei einem Companion, der ein Sprachmodell nutzt, beantwortet diese Frage zugleich die nach dem Ort der Verarbeitung.

Dieselben Fragen stellen sich zwei Wochen später wieder, diesmal vor einem Publikum aus Entscheidern: was auf dem BIG BANG KI Festival zu belegen wäre, haben wir im Vorbericht durchgegangen.

Keine dieser Fragen ist unhöflich, und keine verlangt ein Geheimnis. Ihr Vorteil ist, dass die Antwort sofort vorliegt — in der Halle, vor dem Stand, ohne Testbericht und ohne Datenblatt.

Quellen und Stand: Zur Show, zum Programm und zum RoboCup: Pressemitteilung der IFA Management GmbH vom 5. September 2026 — Ablauf der Show, Zitat Leif Lindner, vierbeiniger Roboter ohne Herstellerzuordnung, RoboCup in Halle 15. Zur Keynote: Programmseite der IFA zur Keynote von David Reger (Titel, Innovation Stage, der Satz zu den fehlenden Arbeitskräften, dort ohne Quellenangabe). Messetermine und Öffnungszeiten nach ifa-berlin.com. Alle drei sind Angaben des Veranstalters über die eigene Veranstaltung. Zur Beobachtung in den Hallen: Ulrike Kuhlmann, c’t / heise online, 6. September 2026 — Boxkampf am Unitree-Stand, gescheiterte Kommunikationsversuche, die Companions und der Schluss zur Rechenleistung. Zur Vergleichszahl: Korn Ferry, „The $8.5 Trillion Talent Shortage“ zur Studie „Future of Work: The Global Talent Crunch“ (2018) — mehr als 85 Millionen unbesetzte Stellen weltweit bis 2030, 20 Volkswirtschaften, drei Branchen, Länderwerte für China und die USA; eine Unternehmensstudie, keine amtliche Statistik. Verlinkt ist der Zeitschriftenbeitrag des Unternehmens, nicht die Studie selbst. Rechtsrahmen als Verweis: Verordnung (EU) 2016/679 und Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe b. Einordnung dieser Redaktion und aus keiner der genannten Quellen sind: die These zum Standort, der Abschnitt „Warum Beweglichkeit und Wahrnehmung auseinanderfallen“, das Formatargument zu Halle 15 und die vier Prüffragen am Schluss. Nicht geprüft und deshalb nicht behauptet: die Zuordnung des vierbeinigen Roboters zu einem Hersteller, der Steuerungsmodus der boxenden Roboter, der Ort der Sprachverarbeitung einzelner Geräte, die Studienlage zu sozial assistiver Robotik und die Herkunft der Marken mit Ausnahme von Unitree Robotics, das der c’t-Bericht als chinesisches Unternehmen führt. Wir haben zu diesem Beitrag keine Stellungnahme eingeholt — weder bei der IFA Management GmbH und der NEURA Robotics GmbH noch bei Unitree Robotics oder den Anbietern der beschriebenen Companions; letztere sind aus den Quellen nicht namentlich bestimmbar. Alle Abrufe am 6. September 2026. Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung und keine Rechtsberatung.

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fluxlane Redaktion

Wir prüfen Aussagen über Roboter und Physical AI gegen das, was Hersteller, Veranstalter und Behörden selbst dokumentieren — mit Datum, Status und benannter Quelle.

Was zeigte die Show Robots on the Runway?

Nach Angaben der IFA Management GmbH zeigten humanoide Roboter am 5. September 2026 auf der Creator Stage Tanz, Tai-Chi, Rückwärtssaltos und einen Spagat, antworteten auf Fragen der Moderatorin und interagierten mit dem Publikum. Es handelt sich um eine choreografierte Vorführung und nicht um einen Test unter offenen Bedingungen. Unabhängig überprüft ist die Darstellung nicht.

Beweist ein Rückwärtssalto, dass ein Roboter eine Situation versteht?

Nein. Die Regelung des eigenen Körpers ist ein Problem mit einer physikalisch bestimmten Lösung, die sich in der Simulation üben lässt. Eine offene Szene mit einem unvorhersehbaren Gegenüber ist das nicht. Am Stand von Unitree hätten nach der Beobachtung von c’t (heise online, 6. September 2026) zwei boxende Humanoide häufig dorthin geschlagen, wo der Gegner gerade nicht stand. Diese Einordnung ist unsere, nicht die der Quelle.

Woher stammt die Zahl von mehreren hundert Millionen fehlenden Arbeitskräften?

Aus der Ankündigung der NEURA-Keynote auf der IFA-Programmseite. Sie nennt keine Quelle, keinen Erhebungsweg und keine Definition, und die Pressemitteilung der Messe, die die Keynote referiert, nennt keine solche Zahl. Wir schreiben den Satz deshalb der Programmseite zu und nicht dem Redner. Dass dort keine Quelle steht, belegt nicht, dass es keine gibt — es belegt, dass die Aussage so nicht überprüfbar ist.

Was sagt die Korn-Ferry-Studie im Vergleich?

Sie erwartet bis 2030 weltweit mehr als 85 Millionen unbesetzte Stellen, weil qualifizierte Menschen fehlen — untersucht wurden 20 Volkswirtschaften in drei Branchen. Für China nennt sie einen Mangel, der doppelt so groß ausfallen könne wie der russische von bis zu sechs Millionen, für die USA mehr als sechs Millionen. Das ist eine Unternehmensstudie aus dem Jahr 2018 und keine amtliche Statistik; beide Angaben messen nicht dasselbe.

Wo werden die Sprachdaten der auf der IFA gezeigten Companions verarbeitet?

Das ist offen. Anbieter gaben nach dem Bericht von c’t an, die Daten verließen das Gerät nicht; derselbe Bericht schließt aus der fehlenden Rechenleistung, dass die Daten das Gerät verlassen müssen. Nachgeprüft ist beides nicht. Vor dem Kauf lässt sich vom Anbieter erbitten, dass er schriftlich benennt, welche Daten das Gerät verlassen, an wen sie gehen und wie lange sie gespeichert werden — und wenn die Antwort ausbleibt, ist auch das eine Entscheidungsgrundlage.

Ist die beruhigende Wirkung der gezeigten Companions belegt?

Für die auf der Messe gezeigten Geräte nicht. Nach dem Bericht aus der Halle sollen sie beruhigend wirken — auf Kinder mit ADHS, auf Kinder im Autismus-Spektrum und auf Kinder mit anderen Besonderheiten —, und wie wissenschaftlich diese Angebote begleitet sind, blieb unklar. Ob es Forschung zu sozial assistiver Robotik bei diesen Diagnosen gibt, haben wir nicht erhoben. Wer eine Wirkung bewirbt, kann Untersuchung, Urheber und Veröffentlichung benennen.

Woran lässt sich auf einer Messe erkennen, ob eine Vorführung etwas beweist?

An vier Fragen. Die erste ist, ob dieselbe Aufgabe unmittelbar noch einmal gelingt, mit veränderter Ausgangsposition. Die zweite, was geschieht, wenn ein Gegenstand im Ablauf liegt, den der Aufbau nicht vorgesehen hat. Die dritte, wer bei einem Fehler eingreift — ein Mensch am Stand, eine Fernverbindung oder das System selbst. Und die vierte, was von der gezeigten Fähigkeit bleibt, wenn die Netzverbindung wegbricht.

Berichten Veranstalter und Fachpresse über dasselbe Ereignis?

Nein, und das ist der Kern. Die Pressemitteilung beschreibt die Live-Show auf der Creator Stage. Der Bericht von c’t erwähnt diese Show nicht und beschreibt die Roboter in den Hallen, darunter den Boxkampf am Stand von Unitree. Beide Darstellungen können zutreffen, weil sie von verschiedenen Orten stammen.

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