Liquid-Handling-Workstation im Labor mit Mikrotiterplatten und Spitzenboxen auf dem Deck

Healthcare-Robotik · Kaufberatung

Pipettierroboter: Wann sich die Anschaffung rechnet — und was danach jede Woche kostet

Stand 14. August 2026 · Lesezeit 15 Minuten · Kaufberatung

Für wen dieser Beitrag geschrieben ist: für Laborleiterinnen und Laborleiter, die zum ersten Mal prüfen, ob sich automatisiertes Pipettieren für ihre wiederkehrenden Abläufe lohnt. Die kurze Antwort vorweg: Ein Pipettierroboter spart keine Arbeit, er verschiebt sie — von der Hand in die Planung, ins Verbrauchsmaterial und in die Software. Wer das vorher einkalkuliert, kauft richtig. Wer es übersieht, kauft ein zweites Mal. Den größeren Rahmen steckt der Überblick zu Automatisierung im Laborbetrieb ab.

Wann sich der Schritt rechnet — und wann nicht

Es ist halb sieben, die dritte Platte des Tages ist halb befüllt, und die Kollegin am Nebenplatz zählt schon zum zweiten Mal nach, in welcher Reihe sie war. Am nächsten Morgen liegen wieder neunzig Proben da. Irgendwann in solchen Wochen fällt der Satz, der diesen Beitrag nötig macht: Dafür müsste es doch eine Maschine geben.

Gibt es. Und das Versprechen klingt einfach: Das Gerät fährt den Lauf, die Fachkraft macht etwas Sinnvolleres, der Durchsatz steigt. Nur hält dieses Versprechen einer Nachrechnung nicht in der Form stand, in der es meistens erzählt wird.

Ein kanadisches Testlabor hat den Vergleich sauber gefahren: zehn Tage lang 908 Gurgelproben, parallel gegen das etablierte Verfahren, auf einer Workstation mit zweistufigem Transfer. Je Lauf mit 91 Proben sank die reine Handarbeitszeit von 130 auf 30 Minuten — ein Rückgang um mehr als drei Viertel. Die Gesamtdurchlaufzeit fiel im selben Vergleich dagegen nur von 200 auf 185 Minuten. Der Ablauf war danach also kaum schneller. Er war nur anders besetzt.

Eine Einschränkung gehört dazu, und sie ist wichtig genug, um sie nicht zu verschweigen: Der neue Ablauf war nicht bloß automatisiert, er strich zusätzlich einen kompletten Aufreinigungsschritt. Die Studie trennt beide Effekte nicht, ein Kausalschluss auf die Automatisierung allein trägt deshalb nicht. Was in diesem Vergleich aber sichtbar wird, ist das Muster: Die Uhr an der Wand bewegt sich wenig, die gebundene Personenzeit erheblich.

Genau daran hängt die Kaufentscheidung. Wer Durchlaufzeit kaufen will, kauft oft das Falsche. Wer Personalzeit freibekommen will, ist richtig — vorausgesetzt, es gibt eine Verwendung für diese Zeit.

Eine Probenzahl, ab der sich der Schritt lohnt, nennen unabhängige Kaufberatungen bewusst nicht, und das aus gutem Grund: Der brauchbarere Anker ist der Anteil Ihrer Personalzeit an einer immer gleichen Methode. Läuft bei Ihnen jede Woche derselbe Ansatz in derselben Plattengeometrie, arbeitet ein Automat vom ersten Monat an für Sie. Wechseln die Ansätze dagegen ständig, bindet der Methodenaufbau mehr Zeit, als der Lauf einspart — dann bleibt die Handpipette die vernünftige Wahl, und das ist keine Kapitulation, sondern eine Rechnung.

Bevor gerechnet wird, lohnt ein Blick auf das, was so ein Gerät voraussetzt. Es braucht eine feste Stellfläche, die nicht nebenbei als Ablage dient. Es braucht jemanden, der Protokolle pflegt, nicht nur jemanden, der Start drückt. Und es braucht eine Antwort darauf, wie die Ergebnisse ins Laborinformationssystem kommen — von Hand übertragen, per Datei oder über eine Schnittstelle, die eingerichtet und gepflegt werden will. Diese Anbindung steht in keinem Datenblatt und entscheidet trotzdem darüber, ob am Ende Zeit gespart oder nur verschoben wird.

Dazu gehört die unangenehme Frage nach dem Ausfall. Steht die Maschine, muss der Ablauf von Hand weiterlaufen können — mit Material, das dazu passt, und mit Leuten, die es noch beherrschen.

Zwei Konstellationen sprechen ohnehin gegen den Schritt. Ein vielseitiges Deck für eine einzige, immer gleiche Aufgabe ist teuer angelegtes Geld. Und wenn absehbar nur eine Person das Gerät bedienen kann, kauft das Labor ein Ausfallrisiko mit: Verlässt sie das Haus, steht die Maschine. Dieser Fehler ist in der Fachliteratur so gut dokumentiert wie in der Praxis verbreitet.

Drei Entscheidungen legen das Gerät fest

Mehrkanalkopf eines Pipettierroboters mit angesetzten Spitzen über einer 96-Well-Platte
Je mehr Kanäle parallel arbeiten, desto weniger Fahrwege braucht ein Lauf.

Vor dem Datenblattvergleich stehen drei Festlegungen. Sie klingen technisch, sind aber betriebliche Entscheidungen, weil an jeder von ihnen später Kosten oder Nachweise hängen. Wie weit ein Laborsystem über das Abarbeiten hinaus selbst entscheidet, prüft der Marktcheck zu autonomen Laboren.

Das Dosierprinzip. Beim Luftpolsterverfahren bleibt eine Luftsäule zwischen Kolben und Probe stehen; die Spitze berührt die Flüssigkeit, der Kolben nie. Das ist robust, günstig im Verbrauchsmaterial und im Labor der Regelfall. Empfindlich wird es bei zähen, flüchtigen oder ungewöhnlich dichten Medien, weil dann auch Temperatur und Luftdruck auf das Polster wirken — und beides steht im Laboralltag selten still. Bei positiver Verdrängung steht der Kolben direkt in der Flüssigkeit und schiebt das Volumen vollständig aus.

Wer überwiegend wässrige Ansätze fährt, ist mit einem Luftpolstersystem gut bedient und zahlt beim Verbrauchsmaterial weniger. Wer regelmäßig Glycerin, Öle oder Proteinlösungen dosiert, sollte positive Verdrängung ernsthaft prüfen: Anbieter beschreiben dieses Prinzip als weitgehend unabhängig von der Flüssigkeitsklasse. Manche Plattformen fahren beide Prinzipien nebeneinander und nehmen einem die Grundsatzentscheidung ab; Tecan gibt für die Fluent-Reihe einen Verdrängungsarm ab 200 nl und einen Luftpolsterarm ab 500 nl an.

Die Kanalzahl. Sie legt fest, wie viele Wells gleichzeitig bedient werden, und sie ist ein echter Zielkonflikt: Wenige Kanäle sind flexibel und langsam, viele Kanäle sind schnell und starr. Ein Festkopf mit 96 Kanälen befüllt eine Platte in einem Zug, kann aber keine einzelnen Wells gezielt herausgreifen. Wer also Proben nachverfolgen, nachpipettieren oder selektiv ansteuern muss, braucht spreizbare Kanäle — auch wenn der Festkopf im Prospekt schneller aussieht.

Bauart Wofür sie taugt Beispiel und Volumenbereich
Spreizbare 8 Kanäle Einzelne Wells gezielt ansteuern, Verdünnungsreihen, gemischte Aufgaben Beckman Coulter Biomek i7, 0,5–5.000 µl
8 Kanäle mit Wechselpipette Kleine bis mittlere Läufe, wenn sich Volumenbereiche ändern Opentrons Flex, 1–50 µl bzw. 5–1.000 µl
96 Kanäle, Festkopf Ganze Platten gleichförmig befüllen, hoher Durchsatz Opentrons Flex, 1–200 µl bzw. 5–1.000 µl

Die Volumenangaben stammen aus den Datenblättern der Hersteller (Stand 14.08.2026) und gelten unter Prüfbedingungen; sie sind keine Betriebsgarantie. Und die Kanalzahl sagt nichts über die Geräteklasse: Ein 96-Kanal-Kopf sitzt auf einer tragbaren Handpipette genauso wie auf einer großen Anlage.

Die Bauform. Sie entscheidet über Stellfläche und Ausbaufähigkeit, aber die eigentliche Schwelle liegt woanders, als die meisten vermuten — nämlich beim Greifer, der Platten selbstständig bewegt, und beim Scheduler, der Abläufe verkettet. Erst damit läuft ein Gerät ohne Eingriff durch. Ein Benchtop-Automat fährt einen Lauf, danach wartet die Maschine wieder auf Sie — BRAND nennt für die Liquid Handling Station sieben Stellplätze, Opentrons für den OT-2 elf. Eine Workstation mit großem Deck und zwei Armen arbeitet dagegen die Nacht durch; Beckman Coulter gibt für den Biomek i7 45 Deckpositionen an, Tecan für die Fluent-Reihe 30 bis 72 Mikroplattenpositionen. Bei Opentrons steht der Greifer als eigener Posten in der Preisliste. Wer ihn beim Angebot vergisst, kauft eine Maschine, die ihn weiterhin am Tisch festhält.

Die Zahl im Datenblatt, die fast jeder falsch liest

Im Angebot steht eine Genauigkeitsangabe, und sie wird fast immer auf das ganze Gerät bezogen. Das ist der teuerste Lesefehler in diesem Markt, denn die Angabe gilt für eine Pipette bei einem Volumen.

Opentrons macht den Unterschied am eigenen Datenblatt sichtbar: Für den OT-2 stehen bei 1 µl mit der kleinen Pipette ±15 Prozent, für die große Pipette bei 100 µl dagegen ±2 Prozent. Dasselbe Gerät, dieselbe Quelle, mehr als der siebenfache Unterschied. Je kleiner das Volumen, desto größer die angegebene Abweichung — weshalb die schönste Prozentzahl aus einem Prospekt im einstelligen Mikroliterbereich wertlos ist.

Dazu kommt eine Unterscheidung, die Datenblätter gern verwischen. Der systematische Fehler beschreibt, wie weit der Mittelwert vom Zielvolumen abweicht; der zufällige beschreibt die Streuung der Einzelwerte darum herum. Beide Zahlen können weit auseinanderliegen, und steht nur eine davon im Angebot, ist das Gerät erst zur Hälfte bewertet.

Und schließlich die Flüssigkeit selbst. Wasser verhält sich anders als Serum, Glycerin oder ein tensidhaltiger Puffer, während Herstellerwerte unter definierten Prüfbedingungen entstehen — meist eben mit Wasser. Zu jeder genannten Zahl gehören deshalb drei Angaben: Volumen, Flüssigkeit, Spitze. Fehlt eine davon, ist die Zahl nur eine Dezimalstelle.

Für die Prüfung selbst gilt seit 2022 eine eigene Normenreihe, ISO 23783, die ausdrücklich automatisierte Dosiersysteme abdeckt und die ältere Werkstattvereinbarung IWA 15 ablöst. Die bekannte Pipettennorm ISO 8655 tut das nicht — sie ist für Handpipetten, Büretten und Dispenser geschrieben. Wer sein System danach prüfen lässt, prüft nach der falschen Norm.

Was das Gerät kostet — und was der Betrieb kostet

Laborfachkraft wartet ein geöffnetes Liquid-Handling-System
Methodenaufbau, Wartung und Qualifizierung stehen in keinem Angebot.

Öffentliche Preise sind in diesem Markt die Ausnahme — die meisten Hersteller verkaufen ausschließlich über Angebot. Ein paar belastbare Anker gibt es trotzdem, und sie decken das untere und mittlere Feld ab.

Gerät Zustand Preis (netto)
BRAND Liquid Handling Station (Art. 709400) neu, Herstellerpreis 17.800 €
BRAND Liquid Handling Station mit FlowBox (Art. 709402) neu, Herstellerpreis 29.500 €
Eppendorf epMotion 5075 generalüberholt 26.100 €
Sias Xantus, vier Konfigurationen generalüberholt 13.750–43.125 €

Die Neupreise sind unverbindliche Herstellerempfehlungen ohne Mehrwertsteuer aus dem Shop von BRAND, die Gebrauchtpreise stammen von einem deutschen Händler für generalüberholte Laborgeräte (Abruf 14.08.2026). Ein Benchtop-System liegt damit im niedrigen fünfstelligen Bereich, und der Gebrauchtmarkt zeigt, dass auch größere Workstations dort ankommen.

Für neue Workstations mit großem Deck, zwei Armen und Greifer nennt in Deutschland kein Hersteller öffentliche Preise. Diese Geräte laufen über Angebot, und das ist keine Unart der Branche, sondern eine Folge der Konfiguration: Arme, Köpfe, Module und Software werden einzeln zusammengestellt. Wer eine Hausnummer braucht, bekommt sie am schnellsten über den Gebrauchtmarkt — dort steht, was Konfigurationen dieser Klasse real wert sind.

Interessanter ist ohnehin, was nicht im Angebot steht. Diese Posten fehlen dort nicht, weil jemand sie versteckt, sondern weil sie nicht das Gerät betreffen, sondern das Labor.

Am Anfang steht der Methodenaufbau. Ein Protokoll zu konfigurieren, zu testen und freizugeben dauert, und diese Arbeit fällt für jede Methode erneut an. Danach wird es regelmäßig. Eine jährliche vorbeugende Wartung nennen unabhängige Kaufberatungen als Regelfall; sie läuft über einen Servicevertrag, der als eigener Budgetposten gerechnet werden will; Installation und Abnahme kommen hinzu, bei Opentrons ist die Vor-Ort-Installation sogar verpflichtender Bestandteil. Was das kostet, steht in keiner Liste — es gehört in die Angebotsanfrage, zusammen mit der Frage, was der Vertrag überhaupt abdeckt. In regulierten Laboren folgt die Gerätequalifizierung — der dokumentierte Nachweis, dass die Anlage richtig installiert ist und im Betrieb tut, was sie soll.

Ein Posten wird fast immer übersehen, obwohl er sich still summiert: das Totvolumen. Jedes Reagenzgefäß behält einen Rest, den das Gerät nicht mehr erreicht. Bei teuren Enzymen und Antikörpern, wie sie in der Assay-Entwicklung üblich sind, wird aus wenigen Millilitern Totvolumen über ein Jahr ein Budgetposten. Die Frage nach dem Totvolumen der vorgesehenen Behälter gehört deshalb ins Angebot, bevor die Behälter mitbestellt werden.

Spitzen und Software: worüber Sie beim Kauf mitentscheiden

Gestapelte Boxen mit Pipettenspitzen im Laborregal als Verbrauchsmaterial
Die Spitzen laufen dauerhaft mit — und binden das Labor oft an einen Anbieter.

Zwei Bindungen entstehen beim Gerätekauf, und beide lassen sich später kaum noch auflösen.

Die erste sind die Spitzen. Sie fallen im Angebot kaum auf, weil sie erst im Betrieb entstehen — und weil sie mit dem Durchsatz wachsen statt mit der Anschaffung. Rechnen wir es einmal durch, mit einem Preis, der öffentlich steht.

Eine Packung mit 960 sterilen Filterspitzen für 1 bis 50 µl kostet bei einem deutschen Fachhändler 101,90 Euro netto. Das sind zehn Rastereinsätze zu je 96 Spitzen, also gut zehn Euro, sobald eine 96er-Platte einmal komplett befüllt wird. Sterile Filterspitzen sind die teure Variante; für PCR-Arbeiten sind sie der Regelfall, unsterile Ware liegt darunter.

Platten pro Woche Spitzen pro Woche im Jahr
10 rund 102 € rund 5.300 €
20 rund 204 € rund 10.600 €
40 rund 408 € rund 21.200 €

Die letzte Zeile ist der Punkt, an dem Kalkulationen kippen: Bei vierzig Platten in der Woche zahlt ein Labor den Anschaffungspreis eines Benchtop-Systems jedes Jahr noch einmal in Verbrauchsmaterial. Das Gerät ist dann nicht die Investitionsentscheidung, sondern deren kleinere Hälfte. Mit der eigenen Plattenzahl nachgerechnet kann sich die Reihenfolge der Anbieter umdrehen, bevor überhaupt ein Angebot vorliegt.

Schwerer wiegt, dass geschlossene Systeme ausschließlich die Spitzen ihres Herstellers akzeptieren. Generische Ware ist dort keine Option, und diese Festlegung trifft man beim Gerätekauf mit, nicht später im Einkauf. Sie hat außerdem eine regulatorische Seite: Tecan gibt die validierte Leistung des Veya für 1 µl bis 5 ml ausdrücklich bei Verwendung eigenen Verbrauchsmaterials an. Wer die Spitze wechselt, verlässt damit die Bedingung, unter der diese Angabe überhaupt gilt.

Die zweite Bindung ist die Steuersoftware, und sie überdauert oft das Gerät, an dem sie gekauft wurde. In ihr entstehen die Protokolle, in ihr liegen sie — je nach Format kann ein Wechsel bedeuten, dass ein Teil des Methodenaufbaus noch einmal anfällt. Als Vergleichsspalte bietet das kein Hersteller an. Wem die spätere Beweglichkeit wichtig ist, klärt deshalb vor dem Preis das Protokollformat: In welcher Umgebung entstehen die Abläufe, lassen sie sich ohne den Hersteller weiterpflegen, wie lange läuft der Softwaresupport für dieses Modell?

Wer diese Bindung gering halten will, findet bei offenen Plattformen einen Ansatz. Opentrons setzt auf eine Python-Schnittstelle und eine öffentliche Protokollbibliothek. Eine Arbeitsgruppe von Merck & Co. hat den OT-2 in zwei biochemischen Assays gegen eine etablierte Workstation gefahren und ihm dabei genaues Pipettieren mit geringer Streuung bescheinigt — dieselbe Arbeit benennt aber auch die Grenzen: fehlende Kollisionserkennung und begrenzte Deckfläche. Die Autoren begrenzen die Eignung deshalb auf frühe Entwicklung und Methodentransfer. Für ein reguliertes Umfeld heißt das nicht automatisch „ungeeignet“, wohl aber, dass Qualifizierung und Datenintegrität vorher mit dem eigenen Qualitätsmanagement geklärt sein wollen.

Wer die Systeme baut

Der Anbieterkreis ist überschaubar und europäischer, als viele erwarten: Drei der gelisteten Firmen sitzen in Deutschland, drei in der Schweiz. Eine Vergleichsspalte für Preis, Durchsatz oder Genauigkeit fehlt in dieser Übersicht bewusst, weil diese Werte je nach Volumen, Flüssigkeit und Konfiguration etwas anderes bedeuten und ein Nebeneinander mehr verschleiern als zeigen würde.

Anbieter Sitz Produktlinien (Beispiele) Steuersoftware Preise öffentlich
Agilent USA Bravo, AssayMAP Bravo VWorks nein
Analytik Jena DE — Jena CyBio FeliX, CyBio Well vario CyBio Composer, Scheduler nein
Andrew Alliance (Waters) CH — Genf Andrew+, Dominos OneLab nein
Beckman Coulter Life Sciences USA Biomek i5/i7, Echo 525/650 k. A. nein
BRAND DE — Wertheim Liquid Handling Station, LHS flow k. A. ja
Eppendorf DE — Hamburg epMotion 5070/5073/5075, epMotion 96 Flex epBlue nein
Formulatrix USA — Bedford, MA MANTIS, TEMPEST, FLO i8 PD k. A. nein
Hamilton Robotics k. A. Microlab STAR, VANTAGE, NIMBUS, Prep VENUS nein
INTEGRA Biosciences CH — Zizers ASSIST PLUS, VIAFLO, VOYAGER, MINI 96 VIALAB nein
Opentrons USA — Brooklyn, NY OT-2, Flex Python API, Protocol Designer ja
SPT Labtech UK mosquito, firefly, dragonfly, apricot k. A. nein
Tecan CH — Männedorf Veya, Fluent, Resolvex, D300e FluentControl nein

Alphabetisch sortiert; die Reihenfolge ist keine Wertung. Alle Angaben stammen von den Herstellerseiten, Stand 14.08.2026 — bei Hamilton Robotics nur sekundär belegbar. „k. A.“ heißt, dass uns keine vergleichbare Angabe vorliegt. Dass ein Anbieter Preise öffentlich nennt, sagt nichts über die Qualität seiner Geräte; die Spalte hilft nur bei der eigenen Recherche.

Zwei Dinge lohnen den Blick über die Tabelle hinaus. Ein Produktstatus gilt immer je Gerät, nie je Anbieter — Tecan führt die Freedom-EVO-Reihe als end of sale, während andere Linien desselben Hauses weiterlaufen. Für die Beschaffung zählt deshalb weniger, wo ein System entwickelt wurde, als wer es vor Ort wartet — ein Gerät ohne Ersatzteil ist im Betrieb kein Gerät.

Regulatorik: ein einziger Satz entscheidet

Der häufigste Irrtum beginnt bei der Bauart. Die IVDR knüpft aber nicht an die Bauart an, sondern an die Zweckbestimmung. Ein Pipettierroboter ist deshalb weder automatisch ein In-vitro-Diagnostikum noch automatisch keines.

Die Reihenfolge ist zwingend: Zuerst steht die Frage, ob der Hersteller das Gerät für In-vitro-Diagnoseverfahren bestimmt hat. Fehlt diese Zweckbestimmung, ist es kein In-vitro-Diagnostikum und hat auch keine Klasse. Liegt sie vor, greift die Klassifizierung nach Anhang VIII. Dass Hersteller diesen Weg tatsächlich gehen, zeigt der Markt selbst: Tecan führt für regulierte Anwendungen eine eigene Variante namens Veya Dx und gibt für sie eine Einstufung nach Klasse A an — eine Herstellerangabe, kein Urteil der Redaktion. Dieselbe Maschine kann also je nach Zweckbestimmung ein einfaches Laborgerät oder ein reguliertes Produkt sein. Wie sich Beschaffung und Nachweispflichten im Klinikumfeld davon unterscheiden, zeigt der Überblick zu Robotik im Krankenhausalltag.

Bei den Übergangsfristen wird es heikel, weil sie regelmäßig als Entwarnung gelesen werden. Die Verordnung (EU) 2024/1860 hat sie gestaffelt verlängert, bis Ende 2027 für Klasse D, bis Ende 2028 für Klasse C, bis Ende 2029 für Klasse B und steriles A. Diese Verlängerung greift jedoch nur für Altprodukte mit Bescheinigung nach der alten Richtlinie; für nicht-sterile Klasse A und für neue Produkte gibt es keine. Für diese Gerätegruppe ist die Fristenstaffel also gerade keine Entwarnung.

Ein zweiter Irrtum hält sich hartnäckig: Das CE-Zeichen ist eine Konformitätskennzeichnung des Herstellers, keine behördliche Zulassung — eine Stelle, die es erteilt, gibt es nicht. Korrekt heißt es „CE-gekennzeichnet“. Steht in einem Angebot „CE-zertifiziert“, lohnt ein genauerer Blick auf den Rest des Papiers.

Die Qualifizierung schließlich bleibt Aufgabe des Labors, nicht des Verkäufers. Für Prüfgeräte verlangen die GLP-Grundsätze eine regelmäßige, auf Messnormale rückführbare Kalibrierung — genau die Rückführbarkeit, die ISO 23783-2 adressiert. Qualifizierung betrifft das Gerät, Validierung die Methode; das eine ersetzt das andere nicht. Am Rande läuft parallel der Wechsel im Maschinenrecht: Die Verordnung (EU) 2023/1230 gilt ab dem 20. Januar 2027, ob ein einzelnes Laborgerät darunterfällt, hängt vom Produkt ab.

Einordnung: Regulatorische Anforderungen hängen an der Zweckbestimmung, am Land und am konkreten Verfahren. Für hauseigene Tests gelten zusätzlich die Bedingungen aus Artikel 5 Absatz 5 IVDR einschließlich ISO 15189. Das ist eine redaktionelle Einordnung, keine Rechtsberatung.

Fünf Fragen, bevor Sie ein Angebot einholen

Aus allem, was bis hierhin an Kosten und Nachweisen hängt, bleiben fünf Punkte übrig, die vor dem ersten Angebot geklärt sein sollten. Schriftlich, denn mündlich zugesagte Leistungswerte stehen in keiner Konformitätserklärung.

1. Bei welchem Volumen, mit welcher Flüssigkeit und mit welcher Spitze gilt die genannte Genauigkeit — und liegt neben der Abweichung auch die Streuung vor? Ohne diese vier Angaben lässt sich die Zahl im Angebot nicht bewerten.

2. Wird nach ISO 23783-2 kalibriert, und liegt ein Nachweis mit rückführbarer Kalibrierung bei?

3. Ist die ausgewiesene Leistung an das Verbrauchsmaterial des Herstellers gebunden, und gibt es dafür eine Preisliste mit Packungsgrößen? Wer hier keine belastbare Auskunft bekommt, kann die Rechnung aus dem Abschnitt über die Spitzen nicht aufmachen — und die entscheidet über den größeren Teil der Kosten. Bei geschlossenen Systemen kommt hinzu, dass sich der Lieferant später nicht mehr wechseln lässt. Beides gehört vor die Unterschrift, nicht danach.

4. In welchem Format liegen die Protokolle, und lassen sie sich ohne den Hersteller weiterpflegen? Diese Frage wird gestellt, bevor über den Preis gesprochen wird.

5. Wie lange dauert der Methodenaufbau bis zur Freigabe, und wie viele Personen werden dafür eingeschult?

Eine allgemeingültige Geräteempfehlung gibt es nicht, weil sie am Probenzuschnitt hängt, und den kennt niemand besser als das eigene Labor. Die Richtung lässt sich trotzdem angeben: Wer gleichförmige Platten in großer Zahl fährt, ist mit einem Festkopf richtig. Wer einzelne Wells ansteuern muss, braucht spreizbare Kanäle. Wer zähe oder flüchtige Medien dosiert, prüft positive Verdrängung. Und wer sich später nicht binden will, entscheidet zuerst über die Software, nicht über die Mechanik. Was in jedem dieser Fälle gleich bleibt: Wer vorher nicht genau prüft, zahlt erfahrungsgemäß hinterher drauf — beim Verbrauchsmaterial, beim Servicevertrag oder beim zweiten Anlauf im Methodenaufbau.

Zu den Angaben in diesem Beitrag: Die Preise sind Herstellerempfehlungen und Händlerangebote mit Abrufdatum, keine verhandelten Angebotspreise und keine Zusage über Verfügbarkeit. Leistungswerte stammen aus Datenblättern und gelten unter Prüfbedingungen. Die Hinweise zur Auswahl sind eine redaktionelle Einordnung, keine Kaufempfehlung für ein bestimmtes Gerät und keine Rechtsberatung.

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fluxlane Redaktion

Neutrale Marktbeobachtung zu Robotik und Physical AI — mit Fokus auf den deutschen Markt, klaren Statusangaben und quellenbelegten Zahlen. Wie wir arbeiten und Quellen prüfen.

Ab wie vielen Proben lohnt sich ein Pipettierroboter?

Eine belastbare Probenzahl als Schwelle gibt es nicht, und unabhängige Kaufberatungen nennen bewusst keine. Der brauchbarere Anker ist der Anteil der Personalzeit an einer immer gleichen Methode. Bei wenigen, ständig wechselnden Ansätzen bindet der Methodenaufbau mehr Zeit, als ein Lauf einspart.

Was kostet ein Pipettierroboter?

Öffentliche Preise sind selten. Ein Benchtop-System kostet neu ab rund 17.800 Euro netto nach Herstellerangabe, bei einem deutschen Händler für generalüberholte Geräte lagen vier Workstation-Konfigurationen im August 2026 zwischen 13.750 und 43.125 Euro netto. Für neue Workstations mit großem Deck nennen die Hersteller in Deutschland keine öffentlichen Preise, dort entscheidet das Angebot. Hinzu kommen Methodenaufbau, Servicevertrag, Verbrauchsmaterial und in regulierten Laboren die Qualifizierung.

Kann ich Spitzen von Drittanbietern verwenden?

Das hängt vom System ab. Geschlossene Systeme akzeptieren ausschließlich das Verbrauchsmaterial ihres Herstellers. Auch bei offeneren Geräten kann die ausgewiesene Leistung an das Originalmaterial gebunden sein — dann gilt die Herstellerangabe nach einem Wechsel nicht mehr. Diese Festlegung trifft man beim Gerätekauf, nicht später im Einkauf.

Sind Pipettierroboter Medizinprodukte?

Das entscheidet die Zweckbestimmung, nicht die Bauart. Hat der Hersteller das Gerät nicht für In-vitro-Diagnoseverfahren bestimmt, ist es kein In-vitro-Diagnostikum und hat auch keine Klasse. Liegt eine solche Zweckbestimmung vor, greifen die Klassifizierungsregeln aus Anhang VIII der IVDR. Das ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.

Nach welcher Norm wird ein automatisiertes Dosiersystem geprüft?

Für automatisierte Systeme gilt die dreiteilige Reihe ISO 23783 aus dem Jahr 2022, die die ältere Werkstattvereinbarung IWA 15:2015 ablöst. Der deutsche Teil 1 liegt als DIN EN ISO 23783-1:2024-04 vor. Die bekannte Pipettennorm ISO 8655 deckt automatisierte Systeme nicht ab.

Quellen & Stand: Gadkar VJ et al., Scientific Reports, 14.03.2023 (908 Proben, Handarbeits- und Durchlaufzeiten) · Moukarzel G et al., SLAS Technology, 2024 (OT-2 im Anwenderbericht, benannte Grenzen) · Schuster J et al., SLAS Technology, 2024 (Kolbenprinzipien) · ISO 23783-1/-2/-3 und ISO 8655 über dinmedia.de und Normvorschauen · Verordnung (EU) 2017/746 (IVDR) und Verordnung (EU) 2024/1860 · Verordnung (EU) 2023/1230, ABl. L 165 vom 29.06.2023 · MDCG 2020-16 rev.4 (nicht rechtsverbindlich) · Leitfaden der Kommission zur CE-Kennzeichnung, 2022 · OECD-GLP-Grundsätze und ChemG Anhang 1 · EudraLex Band 4, Anhang 11 und Anhang 15 · Herstellerangaben von agilent.com, analytik-jena.us, andrewalliance.com, beckman.de, brand.de, eppendorf.com, formulatrix.com, integra-biosciences.com, opentrons.com, sptlabtech.com und lifesciences.tecan.com · Hamilton-Angaben nur sekundär zitierbar · Tecan Geschäftsbericht 2025 · Spitzenpreis: haeberle-lab.de, BRAND Roboter-Filterspitzen steril 1–50 µl, Art. 733166, 960 Stück, 101,90 € netto (Abruf 14.08.2026) · Preise: shop.brand.de (unverbindliche Herstellerempfehlung ohne MwSt., Art. 709400 und 709402) und shop.labexchange.com (generalüberholte Geräte, Nettopreise) · Kaufberatung Lab Manager (qualitative Einordnung). Alle Abrufe 14.08.2026. Herstellerwerte sind Angaben unter Prüfbedingungen und hängen an Volumen und Flüssigkeit. Stand: 14. August 2026.

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