Intralogistik & Industrieroboter · Marktüberblick
Soft-Robotics-Greifer: fünf Modelle, vier Bestellwege und die Frage nach dem Nachweis
Kurz gesagt: Soft-Robotics-Greifer sind bestellbare Serienprodukte — vier der fünf hier geprüften Modelle im Verkauf stammen von Herstellern mit Sitz in der EU, zwei davon aus Deutschland. Sie fassen, woran formfeste Greifer scheitern: unregelmäßige, weiche und wechselnde Objekte. Die Auswahl entscheidet sich weniger an der Robotik als am Objekt, an der Reinigung und am Nachweis für den Lebensmittelkontakt; der einzige offene Herstellershop beginnt bei 517,50 Euro netto, ohne die Steuerung (Stand 23. August 2026, ohne Gewähr).
Wenn das Objekt die Entscheidung trifft
Ein Hähnchenfilet hat keine Fläche, an der ein Sauger sicher zieht: feucht, in jeder Schale anders liegend, und wo der Unterdruck doch hält, bleibt eine Druckstelle im Fleisch. Dasselbe gilt für den Teigling, der beim Ansaugen einreißt. An dieser Stelle endet die Zuständigkeit des Vakuumgreifers, nicht weil er zu schwach wäre, sondern weil das Objekt ihm keine Angriffsfläche gibt.
Weiche Greifer drehen das Prinzip um. Statt einer starren Backe, die auf ein Maß fährt, legt sich eine nachgiebige Silikonstruktur um das Objekt; den Antrieb liefert Druckluft, die den Finger krümmt, oder Unterdruck, der ihn zusammenzieht. Die nachgiebige Struktur verteilt die Kraft über die Kontaktfläche, statt punktuell anzugreifen. Wo ein Karton eine plane Fläche und ein Werkstück eine definierte Kante hat, bleibt der Sauger oder die Parallelbacke dagegen schneller und billiger.
Wie sich Sauggreifer und Fingergreifer im Lager gegeneinander schlagen, steht im Beitrag zu Kommissionierrobotern; hier geht es um das Bauteil, nicht um die Zelle. Für die Taktzeit heißt das: Schmalz gibt für seine mGrip-Fingergreifer bis zu 120 Picks pro Minute an — eine Herstellerangabe zum Werkzeug, keine testierte Leistung einer fertigen Anlage.
Katalogteil oder Projekt — die Frage vor der Anbieterauswahl
Vor jeder Anbieterliste steht eine Entscheidung, die Ihr Objekt längst getroffen hat. Kommt immer wieder dieselbe Geometrie an dieselbe Stelle, ist der Greifer ein Katalogteil. Wechseln die Teile ständig und liegen ungeordnet im Behälter, ist er der kleinste Bestandteil eines Projekts.
Der Katalogfall ist erfreulich unspektakulär: SoftGripping aus Hannover betreibt einen eigenen Onlineshop mit Listenpreisen, der Einstieg beginnt bei 517,50 Euro netto für einen Zwei-Finger-Parallelgreifer, das obere Ende bildet ein Sackgreifer ab 4.490,00 Euro netto (Herstellershop, Stand 23. August 2026, ohne Gewähr). Als Lieferzeit nennt der Shop zwei bis vier Wochen. Ein Werkzeug dieser Größenordnung fällt in vielen Betrieben unter die Instandhaltung und braucht keine eigene Investitionsvorlage.
Am anderen Ende steht RightPick von RightHand Robotics. Zum Produkt gehören dort Kameras und Software; den Roboterarm liefert RightHand nicht. Damit beschaffen Sie kein Werkzeug, sondern ein Greifsystem mit Softwareanteil, und das verschiebt die Sache in eine andere Budgetlinie und meist auf eine andere Freigabestufe — einen veröffentlichten Preis gibt es nicht, der Weg führt über eine Applikationsprüfung. Als europäischen Standort nennt RightHand Nieuw Vennep in den Niederlanden; ein 2021 angekündigtes Demo- und Schulungszentrum in Nürnberg ist auf der Kontaktseite nicht mehr geführt, und ein produktiver Einsatz im deutschsprachigen Raum ließ sich an der Herstellerquelle nicht belegen.
Der Unterschied ist keine Preisfrage, sondern eine Frage der Zuständigkeit. Ein passives Werkzeug bringt weder eigene Sensorik noch eigene Regelung mit; es öffnet und schließt, wenn die Robotersteuerung es sagt, und die Eingriffsmöglichkeit des Bedieners besteht gegenüber dem Roboter. Sobald Kameras und Software zum Lieferumfang gehören, stimmt das nicht mehr, denn dann entscheidet das System mit, wo zugegriffen wird — wie ein Roboter das bestimmt, steht im Profil zu Sereact aus Stuttgart.
Wo genau die Grenze zwischen assistiertem und selbsttätigem Betrieb an einem physischen System verläuft, lässt sich an der Unterscheidung von ferngesteuert, automatisiert und autonom nachvollziehen.
Zwischen diesen Polen liegen die übrigen drei. Schmalz beantwortet die Frage über eine vorgeschaltete Machbarkeitsanalyse, OnRobot über die deutsche Tochtergesellschaft in Soest, Piab über den deutschsprachigen Herstellerkatalog. Keiner dieser Wege endet an einem Warenkorb, und wie lange es nach der Anfrage dauert, sagt keiner der drei öffentlich.
Fünf Anbieter, vier Bestellwege
Alle fünf Produkte sind im Verkauf. Der Bestellweg ist die einzige Achse, die sich für alle fünf gleichermaßen belegen ließ — und weil er die Vorlaufzeit bestimmt, wiegt er in der Terminplanung schwerer als die letzte Kommastelle einer Kenngröße.
| Produkt | Hersteller, Sitz | Belegte Kenngrößen | Bestellweg | Status |
|---|---|---|---|---|
| mGrip Fingergreifer | J. Schmalz GmbH, Glatten (DE) | bis 10 kg, Werkstückbreite bis 300 mm, IP69K, bis 120 Picks/min | Herstellerkanal, Einstieg über Machbarkeitsanalyse, kein Onlinepreis | im Verkauf |
| SoftGripper mit Steuerbox | SoftGripping GmbH, Hannover (DE) | höchstens 1 bar an den Fingern, Steuerbox 0 bis 50 °C, Druckluft ISO 8573-1:2010 Klasse 7:4:4 | Onlineshop mit Listenpreisen, Lieferzeit laut Shop 2 bis 4 Wochen | im Verkauf |
| OnRobot Soft Gripper | OnRobot, Dänemark; Tochter in Soest (DE) | max. 2,2 kg, laut Hersteller abhängig von Form, Weichheit und Reibung des Objekts; elektrisch, keine externe Druckluft | Anfrage über die deutsche Tochtergesellschaft, kein Herstellerpreis veröffentlicht | im Verkauf |
| piSOFTGRIP | Piab, Schweden | einteilig gefertigt, arbeitet mit Unterdruck; belegt sind die Varianten 30-3 und 40-3 | deutschsprachiger Herstellerkatalog; deutsche Niederlassung oder benannter Servicepartner nicht belegt | im Verkauf |
| RightPick | RightHand Robotics, USA; Europa: Nieuw Vennep (NL) | Greifer, Kameras und Software im Lieferumfang; der Roboterarm wird nicht geliefert | Projektgeschäft mit Applikationsprüfung, kein veröffentlichter Preis | im Verkauf |
Herstellerangaben, geprüft am 23. August 2026.
Die mGrip-Reihe hat eine Vorgeschichte, über die man bei der Recherche zwangsläufig stolpert. Das Programm ging zum 5. August 2024 an Schmalz über; genannt sind als Erwerbsumfang Fingergreifer-Konfigurationen, Patente und Know-how, geführt wird es weiter unter dem Namen mGrip, und zu den Markenrechten sagt die Mitteilung nichts. Seither ist die Baureihe um eine Basic-Variante und ein Ersatzteilprogramm gewachsen — ein Übergang, nach dem eine Reihe wächst, ist Fortführung und keine Abwicklung.
Zur Herkunft kursiert außerdem eine Gleichsetzung, die sich nicht halten ließ. Unter der Marke Oxipital AI tritt heute ein Unternehmen mit Sitz in Bedford, Massachusetts, auf; ob es dieselbe juristische Person ist wie Soft Robotics Inc., ließ sich an einer Primärquelle nicht belegen.
Bei Piab lohnt der genaue Blick auf die Typenbezeichnung. Der piSOFTGRIP wird als ein konfigurierbares Produkt geführt; belegt sind die Varianten 30-3 und 40-3, und was die Zahlen im Typenschlüssel bedeuten, geben zwei Herstellermeldungen unterschiedlich an, weshalb sich daraus keine Objektgröße ableiten lässt. Eine deutsche Niederlassung oder ein benannter Servicepartner ließ sich an der Herstellerseite nicht belegen, was ein fehlender Beleg ist und kein Beleg für ein Fehlen.
OnRobot fällt aus der Reihe, weil das Werkzeug elektrisch arbeitet und keine externe Druckluftversorgung braucht. Wo die Druckluft ohnehin liegt, ist das ein Nebenaspekt. Wo erst eine Leitung, ein Trockner und eine Filterstufe dazukommen müssten, entscheidet dieser eine Punkt die Auswahl.
Was der Greifer kostet, und was auf der Rechnung noch fehlt
Offene Listenpreise gibt es in diesem Segment nur an einer Stelle; als Größenordnung taugen sie trotzdem für die ganze Klasse. Der Herstellershop von SoftGripping weist seine Preise als Nettopreise zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer und Versand aus. Es sind Einstiegspreise je Konfiguration — Baugröße, Fingerzahl und Ausführung treiben sie nach oben.
| Position | Preis netto | Anmerkung |
|---|---|---|
| Zwei-Finger-Parallelgreifer, Einstiegskonfiguration | ab 517,50 € netto | unteres Ende der Shop-Übersicht |
| Sackgreifer, größte gelistete Ausführung | ab 4.490,00 € netto | oberes Ende der Shop-Übersicht |
| Ersatzfinger, einzeln | ab 148,50 € netto | Verschleißteil, einzeln bestellbar |
| Steuerbox, drei Ausführungen | ab 989,00 € netto, bis 2.490,00 € netto | nicht im Greiferpreis enthalten |
Herstellershop, Stand 23. August 2026, netto zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer und Versand, ohne Gewähr.

Die Falle in dieser Rechnung ist die Steuerung: Sie steckt nicht im Greiferpreis, sondern ist separat zu beschaffen und kostet je nach Ausführung 989 bis 2.490 Euro netto (Herstellershop, Stand 23. August 2026, ohne Gewähr). Bei einem Greifer ab 517,50 Euro netto kostet die Steuerung damit in jeder Ausführung mehr als der Greifer selbst, und das, bevor Flansch, Verschlauchung und Integration überhaupt kalkuliert sind. Wer mehrere Greifer an einer Zelle plant, klärt sinnvollerweise früh, wie viele Finger eine Box ansteuert, sonst steht am Ende eine zweite Box in der Stückliste.
Bei den übrigen vier Modellen gibt es keinen veröffentlichten Preis. Bei Schmalz ist der Greifer regulär über den Herstellerkanal bestellbar, der Einstieg läuft aber über eine Machbarkeitsanalyse.
Reinigung, Kälte und Druckluft

Für einen Betrieb, in dem abends geschäumt und alkalisch nachgespült wird, entscheidet die Reinigung vor allem anderen. Ein Greifer, der die Taktzeit hält, aber nach vier Wochen Schaumreinigung aufquillt, ist kein Kandidat. SoftGripping gibt für seine Greifer volle Washdown- und CIP-Fähigkeit an und wirbt damit, die Auditfähigkeit nach IFS und BRC zu unterstützen. Für hygienisch anspruchsvolle Anwendungen bietet der Hersteller darüber hinaus eine eigene Ausführung mit besonderen Schrauben, Dichtungen und beschichteten Grundkörpern an.
Denselben Katalog liest man beim Thema Kälte besser zweimal. Der Hersteller nennt ausdrücklich den Einsatz in Kühl- und IQF-Anwendungen, beziffert dafür aber keine Temperaturgrenze. Die Betriebsanleitung der Steuerbox nennt eine.
Zwei Angaben, die zusammengehören: Die Kühl- und IQF-Aussage steht im Produktkatalog und gilt den Greifelementen. Die Steuerbox ist laut Betriebsanleitung für Umgebungs- und Medientemperaturen von 0 bis 50 Grad Celsius ausgelegt. Wer im Kühlbereich plant, hat damit eine Untergrenze für die Steuerung, die der Greifer selbst nicht hat, und die Frage, wo die Box steht, gehört in die Auslegung.
Der nächste Punkt, an dem eine Zelle scheitert, ohne dass es vorher jemand merkt, ist die Druckluft. SoftGripping verlangt für Finger und Steuerbox Druckluft nach ISO 8573-1:2010 in der Klasse 7:4:4; der Eingangsdruck der Box liegt bei 4 bar, ausgangsseitig arbeitet sie zwischen minus 0,5 und 3 bar, an den Fingern jedoch höchstens 1 bar. In einer älteren Halle mit ungeklärter Luftqualität ist der Abgleich dieser Klasse gegen das eigene Netz die billigere Reihenfolge, denn eine Filterstufe kostet weniger als ein Umbau nach der Inbetriebnahme.
Beim Vergleich der fünf fällt etwas auf, das in keinem Datenblatt steht: Nur einer von ihnen veröffentlicht seine Betriebsgrenzen vollständig und frei abrufbar, Schmalz nennt für mGrip immerhin die Schutzart IP69K. Bei OnRobot, Piab und RightHand waren die entsprechenden Angaben am 23. August 2026 nicht auf demselben Weg erreichbar. Das sagt nichts über die Reinigbarkeit dieser Geräte, aber etwas über den Aufwand bis zur belastbaren Antwort. Und wo OnRobot von spülmaschinengeeignet spricht, meint der Hersteller die Greifbecher, nicht das gesamte Werkzeug.
Der Finger als Verschleißteil, oder der ganze Greifer

Die Gegenrede zu weichen Greifern ist immer dieselbe: Silikon altert, und was altert, kostet im Betrieb. Der Einwand ist berechtigt, nur führt er bei diesen Modellen zu zwei sehr verschiedenen Rechnungen.
Bei SoftGripping ist der Finger ausdrücklich als Verschleißteil vorgesehen: mit Torx-Schrauben einzeln wechselbar und für 148,50 Euro netto einzeln nachkaufbar (Herstellershop, Stand 23. August 2026, ohne Gewähr), wobei der Hersteller eine weitergehende Zerlegung qualifiziertem Personal vorbehält. Ein Greifer, an dem ein Finger reißt, kostet im Schadensfall also diesen Betrag und ein paar Minuten Stillstand. Zur Standzeit nennt der Hersteller bewusst keine Zyklenzahl; er verweist auf regelmäßige Sichtkontrolle und schreibt, die Wechselhäufigkeit hänge von der Aufgabe ab. Das ist keine Auskunftslücke, sondern eine Aussage über die Sache, denn wer scharfkantige Blister greift, wechselt öfter als jemand, der Teiglinge umsetzt.
Beim Piab piSOFTGRIP steht dieselbe Frage anders. Greiffinger und Vakuumkammer sind in einem Stück gefertigt, ein Fingerwechsel ist konstruktionsbedingt nicht vorgesehen, und der Verschleißfall ist dort ein Neukauf des Werkzeugs. Das ist kein Mangel, sondern eine Bauart mit weniger Fügestellen; nur verschiebt sie das Betriebskostenrisiko vom Ersatzteilpreis auf den Werkzeugpreis, und diese Verschiebung formuliert kein Prospekt.
Lebensmittelkontakt: der Nachweis, den es für Silikon nicht gibt
An dieser Stelle gehen viele Anbietergespräche schief, auf beiden Seiten des Tisches. Das Kontaktmaterial ist bei allen fünf Greifern Silikon, und Silikone sind aus der Kunststoffverordnung (EU) Nr. 10/2011 ausdrücklich ausgenommen: Artikel 2 Absatz 2 nimmt Ionenaustauscherharze, Gummi und Silikone vom Anwendungsbereich aus. Eine Konformitätserklärung nach dieser Verordnung zu verlangen, führt deshalb ins Leere, weil es sie für Silikon rechtmäßig nicht gibt.
Auch Artikel 16 der Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 greift nicht automatisch, denn er verlangt die Konformitätserklärung für Materialien, die unter die betreffenden Einzelmaßnahmen fallen. Für Silikon existiert keine solche EU-Einzelmaßnahme. Es bleiben die allgemeinen Anforderungen der Rahmenverordnung, wonach ein Material keine Bestandteile in gesundheitsgefährdenden Mengen auf das Lebensmittel übertragen darf, dazu nationales Recht und die gute Herstellungspraxis nach der Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 vom 22. Dezember 2006 — trotz der Ziffernfolge eine Verordnung aus dem Jahr 2006.
Damit erklärt sich, warum die halbe Branche auf eine US-Vorschrift verweist. SoftGripping schreibt von FDA-zugelassenem Silikon, Schmalz sinngemäß; die FDA lässt Materialien allerdings nicht zu, sondern regelt sie in 21 CFR, und ein solcher Verweis ersetzt in Europa keine Erklärung, weil die europäische Einzelmaßnahme fehlt, auf die er sich beziehen müsste.
Was bleibt, ist die Frage, was ein Hersteller für sein konkretes Silikon vorlegen kann. SoftGripping nennt neben den FDA-Anforderungen die Verordnungen (EG) Nr. 1935/2004 und (EG) Nr. 2023/2006 sowie die Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung — eine BfR-Empfehlung ist eine Empfehlung, keine Zulassung und keine Rechtsnorm. Bei OnRobot kommt eine Einschränkung hinzu, die beim Zitieren gern verlorengeht: Der Hersteller erklärt die Lebensmitteleignung ausdrücklich nur für fettfreie Lebensmittel, was für Fleisch, Wurst, Käse und fetthaltige Backwaren eine Ausschlussbedingung ist. Eine Konformitätserklärung lag keiner der fünf geprüften Produktseiten bei; sämtliche Lebensmittelaussagen sind Herstellerangaben.
Neben dem Material steht der Greifer selbst im Regelwerk. Als auswechselbare Ausrüstung an einer Maschine kann er unter die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 fallen. Sie gilt nach ihrem Artikel 54 Absatz 2 in der Fassung der Berichtigung ab dem 20. Januar 2027. Bis dahin gilt die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Eine CE-Kennzeichnung ist dabei die Erklärung des Herstellers und keine behördliche Zulassung — redaktionelle Einordnung, keine Rechtsberatung. Was das für Roboterzellen bedeutet, ordnet der rechtliche Rahmen für Roboter in der EU ein.
Was in dieser Klasse heute noch kein Produkt ist
Wer sich einliest, stößt schnell auf selbstheilende Soft-Aktoren, bei denen ein Schnitt im Silikon von selbst wieder zuwächst. Bezugspunkt dahinter ist das EU-Forschungsvorhaben SHERO, koordiniert von der Vrije Universiteit Brussel, gefördert im Programm Horizont 2020 mit rund 2,95 Millionen Euro und mit einer Laufzeit vom 1. Juni 2019 bis zum 30. November 2022. Das Vorhaben ist abgeschlossen, Ergebnis waren zwei Labordemonstratoren, und ein Produktschritt, ein Spin-off oder eine Nachfolgeförderung ließen sich in der Projektakte nicht belegen — ein Prototyp also, kein Katalogteil.
Ebenfalls kein Thema dieser Klasse ist der modulare Baukasten, aus dem sich ganze Roboter zusammensetzen lassen: Das führen die modularen Cobots aus München für die Industrie vor.
Im Garten zeigt ein modularer Gartenroboter mit Wechselaufsätzen dasselbe Prinzip an einem ganz anderen Gerät.
Die Modellseite dieser Entwicklung — Wahrnehmen, Planen, Greifen als eine Kette — beschreibt der Überblick dazu, wie das Steuerungsmodell hinter greifenden Robotern arbeitet.
Bleibt die Gegenrede, mit der die Klasse gern abgetan wird: eine Nische, zu teuer, zu verschleißanfällig für den Regelbetrieb. Prüfen lässt sich der Preisteil an genau einer Stelle. Wo ein Hersteller seine Liste offenlegt, beginnt der Greifer bei 517,50 Euro netto und bleibt auch mit Steuerung ein Betriebsmittel und keine Sonderanfertigung (Herstellershop, Stand 23. August 2026, ohne Gewähr); bei den übrigen vier ist der Preis Teil der Anfrage. Beim Verschleiß bleibt der Einwand halb stehen: Eine Standzeit in Zyklen nennt keiner der fünf Hersteller, und ob der Schadensfall einen Finger oder das ganze Werkzeug kostet, hängt an der Bauart. Wer jetzt zwei bis drei Anbieter anschreibt, entscheidet damit weniger über Robotik als über sein Objekt, seine Reinigung und seinen Nachweis. Warum ein besseres KI-Modell einen fehlenden Standzeit- oder Zulassungsnachweis ohnehin nicht ersetzt, ordnet ein Beitrag zum Physical-AI-Engpass ein.
Wann lohnt sich ein Soft-Greifer gegenüber einem Vakuumgreifer?
Sobald das Objekt dem Sauger keine dichte, plane Fläche bietet oder unter dem Unterdruck Schaden nimmt: feuchte Filets, weiche Teiglinge, faltige Beutelware. Bei Kartons, Blechen und definierten Werkstücken bleibt der Vakuum- oder Parallelgreifer schneller und günstiger. Die Entscheidung fällt am Objekt, nicht an der Robotik.
Welche Traglast schafft ein Soft-Robotics-Greifer?
Das hängt stark vom Modell ab. OnRobot nennt für seinen Soft Gripper maximal 2,2 kg und weist darauf hin, dass dieser Wert von Form, Weichheit und Reibung des Objekts abhängt; Schmalz gibt für die mGrip-Fingergreifer bis zu 10 kg und eine Werkstückbreite bis 300 mm an. Beides sind Herstellerangaben, und beide gelten für den günstigen Fall, nicht für jedes Objekt.
Wie viel Druckluft braucht der Greifer, und passt er an meinen Roboter?
Nicht jeder braucht welche: OnRobot arbeitet elektrisch und benötigt keine externe Druckluftversorgung. SoftGripping verlangt dagegen Druckluft nach ISO 8573-1:2010 in der Klasse 7:4:4, bei 4 bar Eingangsdruck an der Steuerbox und höchstens 1 bar an den Fingern. Das Flanschbild zur Roboterseite beantwortet keiner der fünf Hersteller pauschal; es gehört zusammen mit dem Robotertyp in die Anfrage.
Brauche ich zusätzlich ein Kamerasystem?
Beim Katalogteil nicht. Ein passiver Greifer öffnet und schließt auf Befehl der Robotersteuerung und setzt voraus, dass Lage und Griffpunkt bereits feststehen. Anders liegt es bei RightPick, wo Kameras und Software zum Lieferumfang gehören und der Roboterarm nicht mitgeliefert wird. Wie die Bestimmung des Greifpunkts technisch funktioniert, ist bei Sereact beschrieben.
Welchen Nachweis muss ich für Lebensmittelkontakt verlangen?
Nicht den nach der Kunststoffverordnung (EU) Nr. 10/2011, denn Silikone sind dort in Artikel 2 Absatz 2 ausdrücklich ausgenommen, und eine EU-Einzelmaßnahme für Silikon existiert nicht. Es bleiben die allgemeinen Anforderungen der Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004, nationales Recht und die gute Herstellungspraxis nach der Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 vom 22. Dezember 2006. Ein Verweis auf FDA 21 CFR ist eine Herstellerangabe aus einem anderen Rechtsraum und ersetzt in Europa keine Erklärung. Tragfähig ist die Frage, welche Unterlagen der Hersteller für sein konkretes Silikon vorlegen kann; das ist eine redaktionelle Einordnung und keine Rechtsberatung.
Quellen & Stand: Herstellerangaben und Herstellerdokumente von J. Schmalz (Produktseite Fingergreifer, Mitteilung zum Übergang des mGrip-Programms), SoftGripping (Produktkatalog, Betriebsanleitungen zu Greifer und Steuerbox, Herstellershop), OnRobot (Produktseite Soft Gripper, Standortliste), Piab (Produktseite SG.X, Meldungen zu den Varianten 30-3 und 40-3) sowie RightHand Robotics (Produkt- und Kontaktseite), sämtlich geprüft am 23. August 2026. Rechtsgrundlagen: Verordnung (EU) Nr. 10/2011, Artikel 2 Absatz 2; Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, Artikel 3 und 16; Verordnung (EG) Nr. 2023/2006. Forschungsstand: CORDIS-Projektakte zum Vorhaben SHERO. Preisangaben stammen aus dem Herstellershop von SoftGripping, sind Nettopreise zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer und Versand und gelten ohne Gewähr. Zur BfR-Empfehlung für Silikone war kein Volltext an der Primärquelle abrufbar; wiedergegeben ist deshalb nur, dass ein Hersteller auf sie verweist. Diese Einordnung ist redaktionell und ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: 23. August 2026.