Eine Fachkraft mit Schutzbrille arbeitet an einer Bestückungsstation, während ein kollaborativer Roboterarm mit grünem Ring am Gelenk ein Werkstück greift.

Intralogistik & Industrieroboter · Marktüberblick

Industrieroboter und Cobots: Was die Klasse ausmacht, was die Norm verlangt und was der Markt 2026 hergibt

Stand 16. September 2026 · Lesezeit 13 Minuten · Marktüberblick

Kurz gesagt: Ein Industrieroboter ist nach ISO 10218-1 eine unvollständige Maschine — er wird nicht als fertige Anlage geliefert, sondern als Bauteil. Daraus folgt der wichtigste Satz dieses Beitrags: Sicher ist nie der Roboter, sicher ist die Zelle. Einen „kollaborativen Roboter“ kann man deshalb nicht kaufen, nur eine kollaborative Anwendung bauen. Der deutsche Markt blieb 2024 mit 26.982 neu installierten Einheiten der größte Europas, bei 449 Robotern je 10.000 Beschäftigten und Rang drei weltweit.

Wer im deutschsprachigen Netz nach Industrierobotern sucht, bekommt zwei Sorten Antwort: eine Enzyklopädie-Definition und Herstellerseiten. Dazwischen liegt die Frage, die Menschen tatsächlich stellen — welche Arten es gibt, wer sie baut und was das Ganze kostet.

Dieser Beitrag beantwortet sie in dieser Reihenfolge. Er beginnt aber mit einer Feststellung, die auf keiner Herstellerseite steht und die alles Weitere ordnet.

Fabrikhalle mit mehreren Robotertypen im Einsatz: ein Knickarm an einem Motorblock, ein Portalroboter im Hintergrund und ein SCARA-Roboter an einem Förderband.
Symbolische Darstellung einer Fertigungslinie mit unterschiedlichen Robotertypen nebeneinander. KI-generierte Illustration (Symbolbild). Sie zeigt keine dokumentierte reale Situation und kein konkretes Produkt.

Was ein Industrieroboter ist — und was Sie tatsächlich kaufen

Die maßgebliche Sicherheitsnorm für Industrieroboter ist ISO 10218. Sie liegt seit Februar 2025 in einer neuen Fassung vor: Teil 1 in dritter Ausgabe, Teil 2 in zweiter.

Teil 1 behandelt den Roboter ausdrücklich als unvollständige Maschine — im Original „partly completed machinery“. Er regelt die Anforderungen an das Gerät selbst, bevor es in ein größeres System eingebaut wird. Für diesen Einbau ist Teil 2 zuständig: Applikationen und Roboterzellen, also Integration, Inbetriebnahme, Betrieb, Instandhaltung und Außerbetriebnahme.

Das klingt nach Normenbürokratie und ist in Wahrheit die wichtigste betriebswirtschaftliche Aussage über diese Produktklasse. Was Sie bei einem Roboterhersteller bestellen, ist kein arbeitsfähiger Arbeitsplatz. Es ist ein Bauteil, das erst durch Greifer, Schutzeinrichtung, Steuerung, Zuführung und Programmierung zu einer Anlage wird.

Wer diesen Unterschied überliest, kalkuliert falsch — und zwar systematisch zu niedrig.

Fünf Robotertypen nebeneinander: Knickarm, SCARA, Delta, Portal und kollaborationsfähiger Arm, mit je einem Stichwort zur Eignung.
Die Kinematik richtet sich nach der Aufgabe: maximale Beweglichkeit, Fläche, Taktzahl, Arbeitsraum oder geteilter Arbeitsraum mit Menschen. Vereinfachte redaktionelle Einordnung: Der „kollaborationsfähige Arm“ ist meist ein Knickarm mit zusätzlicher Sicherheitsausstattung und kein eigener Kinematik-Typ neben den anderen vieren. KI-generierte Illustration (Symbolbild). Sie zeigt keine dokumentierte reale Situation und kein konkretes Produkt.

Die Bauarten und wofür sie gebaut sind

Die Frage „Welche Industrieroboter gibt es?“ lässt sich entlang der Kinematik beantworten, also entlang der Art, wie sich die Achsen zueinander bewegen. Fünf Bauformen decken den industriellen Alltag weitgehend ab. Für einen ganz eigenen Einsatzort ohne Fabrikhalle hat sich mit der Kanalrobotik eine eigenständige, ferngesteuerte Fahrzeugklasse entwickelt.

Bauform Bewegungsprinzip Typische Stärke Typische Grenze
Knickarmroboter mehrere Drehgelenke in Reihe, meist sechs Achsen größte Bewegungsfreiheit, erreicht auch schräge und verdeckte Positionen aufwendiger im Platzbedarf und in der Absicherung
SCARA zwei parallele Drehachsen in der Ebene, dazu eine Hubachse schnelle, sehr wiederholgenaue Bewegungen in der Fläche arbeitet im Wesentlichen von oben, kaum schräge Zustellung
Delta- oder Parallelkinematik mehrere Arme greifen gemeinsam an einer bewegten Plattform an sehr hohe Taktzahlen bei kleinen Massen begrenzter Arbeitsraum, geringe Traglast
Portal- oder Linearroboter Achsen fahren geradlinig entlang eines Gestells große Arbeitsräume, hohe Lasten, einfache Absicherung wenig Beweglichkeit in der Orientierung des Werkstücks
Kollaborationsfähiger Arm Knickarm mit Kraft- und Momentenüberwachung kann für Anwendungen ohne trennenden Schutzzaun ausgelegt werden langsamer und in der Traglast begrenzter als ein vergleichbarer Standardroboter

Die Zuordnung ist keine Rangfolge. Ein Delta-Roboter ist einem Knickarm nicht unterlegen, sondern für eine andere Aufgabe gebaut. Wer Kartons stapelt, arbeitet mit anderen Anforderungen als jemand, der Kleinteile sortiert — beim Palettieren zählt die Traglast, beim Bestücken die Taktzahl.

Verwandt, aber nicht dasselbe sind fahrerlose Systeme. Ein Roboterarm steht an seinem Platz; ein Lagerroboter bewegt sich durch die Halle. Beide Klassen treffen sich erst dort, wo ein Arm auf ein Fahrzeug montiert wird.

Eine Person bestückt gemeinsam mit einem kollaborativen Roboterarm eine Vorrichtung mit Metallhülsen an einem Arbeitsplatz ohne Schutzzaun.
Symbolische Darstellung einer Mensch-Roboter-Kollaboration ohne trennende Schutzeinrichtung — die Anwendung, nicht das Gerät allein, entscheidet, ob das zulässig ist. KI-generierte Illustration (Symbolbild). Sie zeigt keine dokumentierte reale Situation und kein konkretes Produkt.

Cobot und Industrieroboter: der Unterschied liegt nicht im Gerät

Kaum eine Frage wird in diesem Feld so oft gestellt und so oft falsch beantwortet.

Die verbreitete Antwort lautet: Ein Cobot ist ein Roboter, der ohne Schutzzaun neben Menschen arbeiten darf, ein Industrieroboter braucht einen Käfig. Diese Antwort ist bequem, verkauft Geräte und hält der Norm nicht stand.

ISO/TS 15066 — die Technische Spezifikation, die sich als Einzige ausdrücklich mit kollaborierenden Robotern befasst — formuliert ihren Gegenstand anders. Sie legt Sicherheitsanforderungen für kollaborierende Robotersysteme und die Arbeitsumgebung fest und ergänzt damit die Anforderungen aus ISO 10218-1 und 10218-2. Sie gilt ausdrücklich nur für Industrierobotersysteme; auf nichtindustrielle Roboter ist sie nicht anwendbar.

Lesen Sie den Gegenstand noch einmal: Systeme und Arbeitsumgebung. Nicht Geräte.

Daraus folgt die Aussage, die dieser Beitrag für die wichtigste hält: Kollaboration ist eine Eigenschaft der Anwendung, nicht des Roboters. Ein Arm mit Kraftüberwachung ist die Voraussetzung dafür, dass eine Anwendung ohne trennende Schutzeinrichtung ausgelegt werden kann — aber er ist nicht selbst die Lösung. Dieselbe Maschine wird gefährlich, sobald sie ein scharfkantiges Werkstück führt oder mit hoher Geschwindigkeit arbeitet.

Praktisch heißt das: Es gibt keinen „sicheren Cobot“ zu kaufen. Es gibt Geräte, mit denen sich eine kollaborierende Anwendung bauen lässt — und die Prüfung findet an der fertigen Anwendung statt, nicht am Datenblatt.

Die Abgrenzung in drei Sätzen. Teil 1 der ISO 10218 regelt den Roboter als unvollständige Maschine. Teil 2 regelt die Applikation und die Roboterzelle. ISO/TS 15066 ergänzt beide für den Fall, dass Mensch und Maschine sich einen Arbeitsraum teilen.

Schema mit sechs Bausteinen einer sicheren Roboterzelle: Roboter, Greifer, Zuführung, Schutz, Steuerung, Integration.
Nach ISO 10218-1 ist der Roboter eine unvollständige Maschine; erst als Zelle nach ISO 10218-2 wird die Anwendung zur sicheren Einheit. KI-generierte Illustration (Symbolbild). Sie zeigt keine dokumentierte reale Situation und kein konkretes Produkt.

Was die Normen verlangen — und was sie nicht leisten

Ein Blick auf den Zustand dieses Normenwerks lohnt sich, weil er etwas über den Reifegrad des Felds verrät.

Dokument Ausgabe Gegenstand Stand
ISO 10218-1 3. Ausgabe, 02/2025 der Roboter als unvollständige Maschine veröffentlicht
ISO 10218-2 2. Ausgabe, 02/2025 Applikationen und Roboterzellen, Integration bis Außerbetriebnahme veröffentlicht
ISO/TS 15066 1. Ausgabe, 02/2016, 33 Seiten kollaborierende Robotersysteme, ergänzend zu 10218 2022 bestätigt, zur Überarbeitung vorgemerkt

Die beiden Teile der ISO 10218 haben 2025 eine neue Ausgabe bekommen. Die Spezifikation, die sich eigens den kollaborierenden Systemen widmet, stammt aus dem Februar 2016, wurde 2022 bestätigt und gilt seither unverändert weiter — zugleich ist sie bei der ISO als überarbeitungsbedürftig vermerkt.

Das ist keine Kritik an der ISO, sondern ein Befund über die Lage: Ausgerechnet der Teil des Regelwerks, der die am stärksten beworbene Betriebsart betrifft, ist der älteste. Wer heute eine kollaborierende Anwendung plant, arbeitet mit einem Dokument, das vor der aktuellen Robotergeneration geschrieben wurde.

Ein Hinweis, der in der Praxis regelmäßig untergeht: Die Spezifikation stellt selbst fest, dass sie auf kollaborierende Anwendungen, die vor ihrer Veröffentlichung entworfen wurden, nicht anzuwenden ist. Eine Bestandsanlage wird durch eine neue Norm also nicht rückwirkend regelkonform — und auch nicht rückwirkend unzulässig.

Und eine Klarstellung, die keine Norm der Welt ersetzt: Diese Dokumente sind Anforderungsschriften. Sie machen keinen Roboter „zugelassen“. Die CE-Kennzeichnung ist eine Konformitätserklärung des Herstellers, keine behördliche Genehmigung. Welche Pflichten daneben aus dem europäischen Recht folgen, behandelt unser Beitrag zur Maschinenverordnung und zum AI Act; wer im Schadensfall einsteht, ist eine eigene Frage.

Infografik zum deutschen Robotermarkt 2024: 26.982 Neuinstallationen, 32 Prozent Europa-Anteil, 449 Roboter je 10.000 Beschäftigte, Rang 3 weltweit bei der Dichte, dazu Balken für Roboterdichte und Neuinstallationen in Europa.
26.982 Neuinstallationen 2024 in Deutschland, 32 Prozent aller europäischen Installationen; bei der Roboterdichte (449 je 10.000 Beschäftigte) liegt Deutschland auf Rang 3 weltweit — bei den Neuinstallationen dagegen auf Rang 5. Quelle: International Federation of Robotics, World Robotics 2025, Berichtsjahr 2024. KI-generierte Illustration (Symbolbild). Die dargestellten Werte stammen aus den im Quellenblock genannten Belegen; die Gestaltung ist redaktionell.

Der deutsche Markt in Zahlen

Für den Marktüberblick ist die International Federation of Robotics die maßgebliche Quelle. Ihre Zahlen für das Berichtsjahr 2024 zeichnen ein Bild, das weder Boom noch Krise hergibt.

In Deutschland wurden 26.982 Industrieroboter neu installiert, fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Das ist ein Rückgang — und zugleich das zweitbeste je erfasste Ergebnis, übertroffen nur vom Rekordjahr 2023. Deutschland bleibt damit der größte Robotermarkt Europas und weltweit die Nummer fünf.

Diese Installationen entsprechen einem Anteil von 32 Prozent an allen europäischen Jahresinstallationen. Fast ein Drittel der europäischen Nachfrage entfällt damit auf ein einziges Land.

Markt Neuinstallationen 2024 Veränderung
Europa gesamt 85.000 Einheiten −8 %
Deutschland 26.982 Einheiten −5 %
Italien 8.783 Einheiten −16 %
Spanien 5.100 Einheiten —

Zwei Dinge fallen an dieser Aufstellung auf. Erstens fiel der deutsche Rückgang schwächer aus als der europäische — der Markt hat also relativ an Gewicht gewonnen, während er absolut schrumpfte. Zweitens ist der Abstand zum zweitgrößten Markt beträchtlich: Deutschland installiert gut das Dreifache von Italien.

Zum Bestand nennt der Deutsche Robotikverband für 2024 rund 278.900 Roboter und bezeichnet Deutschland damit als europäischen Spitzenreiter. Diese Angabe stammt aus der deutschen Aufbereitung des World-Robotics-Berichts und dient hier der Einordnung, nicht als eigenständiger Beleg.

Warum die Roboterdichte mehr sagt als die Stückzahl

Absolute Stückzahlen belohnen große Volkswirtschaften. Aussagekräftiger ist die Roboterdichte: Roboter je 10.000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe.

Deutschland liegt bei 449 Einheiten je 10.000 Beschäftigten und damit auf Rang drei weltweit. Die Dichte wächst seit 2019 um fünf Prozent im Jahr.

Zum Vergleich die Regionen: Westeuropa erreichte 2024 mit 267 Robotern je 10.000 Beschäftigten einen Rekordwert und liegt damit vor Nordamerika mit 204 und Asien mit 131 Einheiten. An der Weltspitze steht Südkorea mit 1.220 Robotern je 10.000 Beschäftigten.

Der koreanische Wert ist fast dreimal so hoch wie der deutsche. Er erklärt sich aus einer Wirtschaftsstruktur mit ausgeprägter Elektronik- und Automobilfertigung und lässt sich nicht als Zielmarke für andere Länder lesen. Was er zeigt, ist die Spannweite: Zwischen 131 und 1.220 liegt kein gradueller Unterschied, sondern eine andere Art zu produzieren.

Die Branche hinter den Robotern steht unter Druck

Wer über den Markt spricht, sollte auch über die Anbieter sprechen. Die Lage ist dort angespannter, als die Installationszahlen vermuten lassen.

Der VDMA Robotik + Automation erwartet für das Jahr 2026 einen Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Bereits 2025 war der Branchenumsatz um sieben Prozent gesunken. Als Ursachen nennt der Verband die schwache Nachfrage aus zentralen Kundenbranchen, geopolitische Verwerfungen und ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Das ist eine Verbandsprognose vom 24. Februar 2026, keine festgestellte Zahl — und sie betrifft die gesamte Robotik- und Automationsbranche, nicht nur Industrieroboter.

Für die Beschaffungsseite ist der Befund trotzdem relevant. Zwei Jahre rückläufiger Umsätze in Folge verändern die Verhandlungslage, den Servicedruck und die Bereitschaft der Anbieter, Pilotinstallationen mitzutragen. Wer 2026 eine Zelle plant, trifft auf einen Markt, der Aufträge braucht.

Was ein Industrieroboter kostet — und warum niemand einen Preis nennt

Die Preisfrage gehört zu den meistgestellten dieses Felds, und sie bekommt selten eine ehrliche Antwort. Hier ist eine.

Wir nennen keine Gerätepreise, weil sich keine belastbaren Listenpreise prüfen lassen. Industrieroboter werden angeboten, nicht ausgezeichnet. Jede Zahl, die im Netz kursiert, hängt an Ausstattung, Stückzahl, Servicevertrag und Verhandlungsposition — und ist ohne diese Angaben wertlos.

Wichtiger ist ohnehin die Struktur, und die folgt direkt aus dem ersten Abschnitt. Weil der Roboter nach ISO 10218-1 eine unvollständige Maschine ist, ist sein Preis nicht der Preis der Lösung. Dazu kommen Greifer und Werkzeug, Zuführung und Fördertechnik, Schutzeinrichtung und Sensorik, Steuerungstechnik, Integration und Programmierung, Sicherheitsbewertung und Dokumentation, Schulung und Instandhaltung.

Wer eine Angebotssumme mit einem Gerätepreis aus dem Netz vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Dinge. Die belastbare Frage lautet nicht „Was kostet der Roboter?“, sondern „Was kostet die fertige Zelle, und was davon fällt jedes Jahr erneut an?“

Diese Verschiebung vom Anschaffungspreis zur Gesamtrechnung ist kein Sonderfall der Robotik. Sie zeigt sich überall dort, wo Automatisierung an die Stelle von Arbeit tritt — wir haben sie für KI-Systeme im Unternehmen ausführlich durchgerechnet.

Was vor der ersten Zelle zu klären ist

Aus der Normenlage und der Marktlage ergibt sich eine kurze Liste von Fragen, die vor dem ersten Angebot beantwortet sein sollten.

Welche Aufgabe genau? Nicht „Palettieren“, sondern: welches Gewicht, welche Taktzeit, welche Greifgeometrie, wie viele Varianten. Die Bauform folgt aus der Aufgabe, nicht umgekehrt.

Wer ist Integrator, wer ist Betreiber? ISO 10218-2 adressiert die Applikation. Wer sie zusammenstellt, übernimmt Pflichten, die mit dem Kauf des Arms nicht abgegolten sind.

Trennende Schutzeinrichtung oder nicht? Diese Entscheidung fällt an der Anwendung, nach Risikobeurteilung — nicht durch die Wahl eines Geräts mit Kraftüberwachung.

Was passiert im Fehlerfall? Wie wird ein Stopp ausgelöst, wer greift ein, wie kommt die Anlage in einen sicheren Zustand zurück. Diese Frage entscheidet über den Betrieb stärker als jede Taktzeitangabe. Sie stellt sich bei jeder Form von Autonomie — wir haben sie für Roboter mit KI-Steuerung und für die Fernsteuerung durch Menschen getrennt behandelt.

Wie sieht der zweite Anwendungsfall aus? Eine Zelle, die genau eine Aufgabe kann, amortisiert sich über genau eine Aufgabe. Die Frage, was danach kommt, gehört in die erste Planung — und ist genau der Punkt, an dem Pilotprojekte scheitern.

Woran Sie einen Anbieter messen sollten

Die Ergebnisseiten zu diesem Thema bestehen zu großen Teilen aus Herstellerlisten. Wir liefern hier bewusst keine weitere, weil eine Rangfolge von Anbietern ohne geprüfte Datenbasis eine Behauptung wäre und keine Auskunft. Ein Anbietervergleich mit belegten technischen Daten erscheint gesondert.

Was sich stattdessen sagen lässt, ist, woran ein Angebot zu messen ist.

Wird der Roboter oder die Zelle angeboten? Ein Angebot, das den Arm nennt und die Integration offenlässt, ist unvollständig — unabhängig vom Preis.

Liegt die Risikobeurteilung bei? Sie ist nicht Beiwerk, sondern der Gegenstand, an dem sich Zulässigkeit entscheidet.

Welche Norm wird zitiert, und in welcher Ausgabe? Wer 2026 noch die zurückgezogene Fassung von ISO 10218 nennt, arbeitet nicht auf aktuellem Stand.

Was ist mit Ersatzteilen und Steuerungssoftware in sieben Jahren? Bei zwei Jahren rückläufiger Branchenumsätze in Folge ist diese Frage nicht theoretisch. Dieselbe Steuerungssoftware und ihre Netzwerkanbindung sind zugleich eine eigene Angriffsfläche; wie sich diese bei Industrierobotern eingrenzen lässt, behandelt ein eigener Beitrag zur Cybersicherheit von Industrierobotern.

Gibt es eine vergleichbare Referenzanlage, die man besuchen kann? Eine Vorführung im Showroom zeigt das Gerät. Eine Referenz zeigt die Anwendung — und um die geht es.

Quellen. Marktzahlen und Roboterdichte: International Federation of Robotics, Global Robot Demand und IFR, Robot Density, jeweils Berichtsjahr 2024. Branchenumsatz: VDMA Robotik + Automation, „Robotik- und Automationsbranche weiter unter Druck“, Presseinformation vom 24. Februar 2026. Bestandszahl zur Einordnung: Deutscher Robotikverband zum World Robotics Report.

Normen: ISO 10218-1:2025 (3. Ausgabe, Februar 2025), ISO 10218-2:2025 (2. Ausgabe, Februar 2025) und ISO/TS 15066:2016 (1. Ausgabe, Februar 2016, 2022 bestätigt, Stufe 90.92). Die ISO-Seiten weisen automatisierte Abrufe mit HTTP 403 ab; die Angaben wurden am 16. September 2026 im Browser am Original gelesen.

Zwei Einordnungen gehören dazu. Die Umsatzangabe des VDMA ist eine Prognose des Verbands, keine festgestellte Zahl, und betrifft die gesamte Robotik- und Automationsbranche. Und dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung, keine Rechtsberatung und keine Sicherheitsbewertung: Ob eine konkrete Anlage zulässig ist, entscheidet die Risikobeurteilung am Einzelfall.

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fluxlane Redaktion

Neutrale Marktbeobachtung zu Robotik, autonomen Systemen und Physical AI — mit Fokus auf den deutschsprachigen Raum, klaren Statusangaben und quellenbelegten Zahlen. Wie wir arbeiten und Quellen prüfen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Cobot und einem Industrieroboter?

Der Unterschied liegt nicht im Gerät, sondern in der Anwendung. ISO/TS 15066 legt Sicherheitsanforderungen für kollaborierende Robotersysteme und die Arbeitsumgebung fest und ergänzt damit ISO 10218-1 und 10218-2. Ein Arm mit Kraft- und Momentenüberwachung ist die Voraussetzung dafür, eine Anwendung ohne trennende Schutzeinrichtung auszulegen — sicher wird erst die fertige Anwendung, nachgewiesen durch die Risikobeurteilung.

Welche Arten von Industrierobotern gibt es?

Nach der Kinematik lassen sich im industriellen Alltag im Wesentlichen fünf Bauformen unterscheiden: Knickarmroboter mit meist sechs Achsen, SCARA-Roboter für schnelle Bewegungen in der Ebene, Delta- beziehungsweise Parallelkinematiken für hohe Taktzahlen bei kleinen Massen, Portal- und Linearroboter für große Arbeitsräume und hohe Lasten sowie kollaborationsfähige Arme mit Kraftüberwachung. Die Bauform folgt der Aufgabe.

Wie viele Industrieroboter wurden 2024 in Deutschland installiert?

Nach Angaben der International Federation of Robotics wurden 26.982 Einheiten neu installiert, fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Das ist zugleich das zweitbeste je erfasste Ergebnis nach dem Rekordjahr 2023. Deutschland blieb damit der größte Robotermarkt Europas und weltweit die Nummer fünf; auf das Land entfielen 32 Prozent aller europäischen Jahresinstallationen.

Wie hoch ist die Roboterdichte in Deutschland?

Sie liegt bei 449 Robotern je 10.000 Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe, Rang drei weltweit, und wächst seit 2019 um fünf Prozent im Jahr. Westeuropa kam 2024 auf einen Rekordwert von 267, Nordamerika auf 204 und Asien auf 131. Die weltweit höchste Dichte hat Südkorea mit 1.220 Robotern je 10.000 Beschäftigten.

Was kostet ein Industrieroboter?

Belastbare Listenpreise gibt es nicht; Industrieroboter werden angeboten, nicht ausgezeichnet. Wichtiger ist die Struktur der Rechnung: Nach ISO 10218-1 ist der Roboter eine unvollständige Maschine, der Gerätepreis also nicht der Preis der Lösung. Hinzu kommen Greifer, Zuführung, Schutzeinrichtung, Steuerung, Integration, Programmierung, Sicherheitsbewertung, Schulung und Instandhaltung.

Welche Norm gilt 2026 für die Sicherheit von Industrierobotern?

ISO 10218 in der Fassung von Februar 2025: Teil 1 in dritter Ausgabe für den Roboter als unvollständige Maschine, Teil 2 in zweiter Ausgabe für Applikationen und Roboterzellen. Ergänzend gilt für kollaborierende Systeme ISO/TS 15066 aus dem Februar 2016, die 2022 bestätigt und inzwischen zur Überarbeitung vorgemerkt wurde.

Braucht ein Cobot einen Schutzzaun?

Das entscheidet die Risikobeurteilung der konkreten Anwendung, nicht die Gerätewahl. Ein kollaborationsfähiger Arm kann für den Betrieb ohne trennende Schutzeinrichtung ausgelegt werden. Führt er jedoch ein scharfkantiges Werkstück oder arbeitet mit hoher Geschwindigkeit, ändert sich die Bewertung — ohne dass sich der Roboter geändert hätte.

Bedeutet eine CE-Kennzeichnung, dass die Roboterzelle zugelassen ist?

Nein. Die CE-Kennzeichnung ist eine Konformitätserklärung des Herstellers oder Inverkehrbringers, keine behördliche Zulassung und kein Prüfsiegel einer Aufsichtsbehörde. Auch die Anwendung einer ISO-Norm macht eine Anlage nicht automatisch regelkonform — maßgeblich bleibt die Risikobeurteilung der konkreten Applikation.

Wie steht es um die deutsche Robotikbranche wirtschaftlich?

Der VDMA Robotik + Automation erwartet für 2026 einen Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 14,1 Milliarden Euro; 2025 war der Branchenumsatz bereits um sieben Prozent gesunken. Als Gründe nennt der Verband schwache Nachfrage aus zentralen Kundenbranchen, geopolitische Verwerfungen und ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Es handelt sich um eine Verbandsprognose vom 24. Februar 2026.

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