Intralogistik & Industrieroboter · Hersteller-Profil
Agile Robots: was der Münchner DLR-Spin-off wirklich baut
Kurz gesagt: Agile Robots ist ein deutscher Robotik- und Physical-AI-Anbieter aus München, 2018 als Spin-off des DLR gegründet. Das Kernprodukt ist der siebenachsige Cobot Diana 7 mit Kraft-Momenten-Sensorik in jedem Gelenk — im Verkauf und im Industrieeinsatz. Den Humanoiden Agile ONE hat die Firma im November 2025 angekündigt; käuflich ist er noch nicht. Der Schwerpunkt liegt auf Industrie-Automation, nicht auf Consumer- oder Service-Robotik. Wer den größeren Rahmen sucht, findet bei uns auch, was Physical AI überhaupt bedeutet.
Was Agile Robots ist und woher die Firma kommt
Wenn Sie für einen Industriebetrieb prüfen, ob Agile Robots als Lieferant infrage kommt, oder die Firma als Marktbeobachter verfolgen, stolpern Sie schnell über einen Widerspruch. Der Name taucht oft im selben Atemzug mit humanoiden Robotern auf. Das käufliche Herzstück ist bis heute aber ein Cobot, kein Humanoid. Agile Robots ist ein deutscher Robotik- und Physical-AI-Anbieter mit globalem Hauptsitz in München, baut präzise Roboterarme für die Industrie und arbeitet an verkörperter KI.
Der Diana 7 ist ein siebenachsiger Kollaborations-Roboterarm, der real verkauft wird. Der Agile ONE, den die Firma im November 2025 vorgestellt hat, ist dagegen ein humanoider Roboter im Ankündigungsstadium. Beide Linien laufen im selben Haus, stehen aber auf sehr unterschiedlichem Boden.
Für einen Betrieb zählt, was die Firma baut, woher sie kommt, was sich davon kaufen lässt und wo sie im Markt steht. Der Aktien- und Bewertungs-Strang bleibt dabei bewusst außen vor, weil das eine Investorenfrage ist und kein Produktprofil.
DLR-Spin-off München 2018: die Gründungsgeschichte
Die Wurzeln von Agile Robots liegen im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Nach Herstellerangaben und übereinstimmenden Fachberichten entstand die Firma 2018 in München als Spin-off des DLR, genauer aus dem Institut für Robotik und Mechatronik, das als eine der weltweit führenden Adressen für sensitive Leichtbau-Roboter gilt. Diese Herkunft steckt bis heute im Produkt.
Als Gründer werden Dr. Zhaopeng Chen als CEO und Peter Meusel genannt, beide mit DLR-Hintergrund. Die Kraft-Momenten-Sensorik in den Gelenken, für die Agile Robots steht, ist typisch für die DLR-Robotik-Schule, weil sie Robotern erlaubt, Kräfte zu spüren statt nur Positionen anzufahren. Aus einem Forschungsansatz wurde so ein industrielles Produkt.
Ein starker Forschungsstammbaum erklärt die Technik, ersetzt aber keinen Betriebsnachweis. Der DLR-Bezug sagt etwas über Herkunft und Kompetenz, nichts über die Serienreife jedes neuen Modells.
Diana 7: der Kraft-Momenten-Cobot im Detail
Der Diana 7 ist das Aushängeschild und der belegte Kern des Portfolios, ein kollaborativer Roboterarm mit sieben Achsen und einem Drehmomentsensor in jedem Gelenk. Er ist im Verkauf und stand auch auf der Hannover Messe 2026 gelistet. Sein Zielmarkt ist die Fabrik, wo er Montage, Prüfung, Handhabung und feinfühlige Fügeprozesse übernimmt.
Der Arm trägt bis zu 7 kg, greift 923 mm weit und wiederholt Positionen mit ±0,05 mm Genauigkeit. Seine Kraftregelung arbeitet bis hinunter zu 0,5 N, die Schutzart liegt bei IP50. Diese Zahlen stammen aus Hersteller- und Fachdatenblättern und beschreiben präzise, ruhige Arbeit statt roher Kraft, für einen Cobot dieser Klasse also solide Werte.
| Merkmal | Wert | Quelle | Status |
|---|---|---|---|
| Bauart | Cobot, 7 Achsen, Drehmomentsensor je Gelenk | agile-robots.com / qviro.com | IM VERKAUF · PRIMÄR/sekundär |
| Traglast | 7 kg | agile-robots.com Diana-7-Flyer | PRIMÄR |
| Reichweite | 923 mm | qviro.com / agile-robots.com | PRIMÄR/sekundär |
| Wiederholgenauigkeit | ±0,05 mm | qviro.com | sekundär |
| Kraftregelung | bis 0,5 N | qviro.com / agile-robots.com | sekundär/PRIMÄR |
| Schutzart | IP50 | qviro.com | sekundär |
| Software-Stack | AgileCore, Vision + Kraft-Moment, FCI (1 kHz) | agile-robots.com | PRIMÄR |
Traglast und Software-Stack sind Primärwerte des Herstellers, während die Feinwerte wie Genauigkeit und Schutzart auf sekundären Belegen aus Fachdatenblättern beruhen. Verfügbar ist der Diana 7 als Industrie-Cobot, nicht im Consumer-Handel. Einen offen genannten Endkundenpreis gibt es nicht, denn der Vertrieb läuft über Systemintegratoren und der Preis ist auf Anfrage.
Wie der Cobot arbeitet: Sensorik, Vision und AgileCore
Weil jedes Gelenk sein Drehmoment misst, spürt der Arm Kontakt und Widerstand in Echtzeit. Damit taugt er für Aufgaben, bei denen ein Werkstück ertastet statt nur angefahren wird, denn ein starres Positionieren wäre für solche Fügeprozesse zu grob.
Diese Kraft-Momenten-Fähigkeit kombiniert Agile Robots mit Bildverarbeitung. Der Roboter sieht also über Kameras und fühlt zugleich über die Gelenke, was er tut. Das Zusammenspiel aus Vision und Kraftregelung ist die eigentliche Kompetenz der Firma. Herstellerclaims wie „world-leading image processing“ bleiben dabei Werbeaussage, kein von uns geprüfter Fakt.
Software-seitig läuft das Ganze über die AgileCore-Plattform. Nach dem Franka-Emika-Zukauf unterstützt der Arm zudem das Franka Control Interface, das Regelbefehle mit 1 kHz erlaubt. Diese Schnittstelle ist in der Forschung beliebt, weil sie sehr feine, schnelle Regelung zulässt. Entwickler bekommen damit tiefen Zugriff statt einer geschlossenen Blackbox.
Agile ONE: der angekündigte Humanoid

Am 19. November 2025 hat Agile Robots mit dem Agile ONE seinen ersten Humanoiden vorgestellt. Damit reiht sich die Firma in das Feld der Anbieter ein, die neben Armen nun auch ganze Menschmaschinen bauen wollen. Der Agile ONE ist angekündigt und nicht käuflich, die Firma selbst spricht von einer Vor-Produktionsphase.
Am besten belegt ist die Hand. Der Agile ONE hat fünffingrige Hände mit Fingerspitzen- und Kraft-Momenten-Sensoren in jedem Gelenk und soll damit Schrauben drehen, Werkzeuge führen und Touchscreens bedienen. Diese Feinmanipulation setzt fort, was der Diana 7 im Arm schon kann.
Für die KI beschreibt Agile Robots eine dreischichtige Architektur aus strategischer Planung, dynamischer Aktion und Feinmanipulation. Trainiert wird sie nach Herstellerangaben auf einem der größten realen Industrie-Datensätze Europas, aus Simulation und menschlich gesammelten Daten. Ob das im Dauerbetrieb trägt, muss der Roboter erst zeigen.
Was am Agile ONE belegt ist — und was nur Datenblatt
Rund um den Agile ONE kursieren viele präzise Zahlen, doch nicht alle sind offiziell. Angaben wie 174 cm Höhe, 69 kg Gewicht, 40 Freiheitsgrade, 20 kg Traglast, 2 m/s Gehtempo und 21 Gelenke pro Hand stammen aus Datenblatt-Aggregatoren. Sie sind nicht offiziell von Agile Robots bestätigt, weshalb wir sie nur mit klarem Vorbehalt führen.
| Merkmal | Wert | Quelle | Status |
|---|---|---|---|
| Vorstellung | 19. November 2025, Vor-Produktionsphase | agile-robots.com / therobotreport.com | ANGEKÜNDIGT · PRIMÄR |
| Verkauf | nicht käuflich, kein Preis, kein Termin für DE | agile-robots.com | Negativbefund |
| Hand | fünffingrig, Sensoren je Gelenk | agile-robots.com / therobotreport.com | PRIMÄR |
| Höhe / Gewicht | 174 cm / 69 kg | humanoid.press (Aggregat) | laut Datenblatt · nicht belegt |
| Freiheitsgrade | 40 DoF | humanoid.press (Aggregat) | laut Datenblatt · nicht belegt |
| Traglast / Tempo | 20 kg / 2 m/s | humanoid.press (Aggregat) | laut Datenblatt · nicht belegt |
| Serienstart (Ziel) | Anfang 2026, in-house Bayern | agile-robots.com / cleanthinking.de | Herstellerziel |
Die Firma nennt einen Start Anfang 2026 mit Fertigung in Bayern und peilt nach Berichten 1.000 bis 5.000 Einheiten für 2026 an, später 10.000 bis 20.000 bis 2028. Das sind Herstellerziele, keine Auslieferungszahlen. Preis, Liefertermin und die Frage Kauf oder Miete für Deutschland bleiben offen.
Franka Emika und idealworks: die Zukäufe
Agile Robots ist nicht nur organisch gewachsen, sondern hat gezielt zugekauft. Im November 2023 übernahm die Firma Franka Emika, den insolventen Münchner Hersteller sensitiver Forschungs-Cobots. Der Franka-Arm gilt in Laboren weltweit als Standard für berührungsempfindliche Robotik, und damit holte sich Agile Robots eine bekannte Marke und eine große Entwickler-Basis ins Haus.
Der zweite Zukauf zielt auf mobile Robotik. idealworks, ein Spin-off von BMW, baut fahrerlose Transportroboter für die Fabriklogistik. Agile Robots übernahm im Oktober 2023 die Mehrheit und im September 2025 das Unternehmen vollständig. So deckt die Firma nun stehende Arme und fahrende Plattformen ab.
Präzise Cobots von Agile Robots und Franka, mobile Transportroboter von idealworks und dazu ein Vision- und KI-Stack ergeben zusammen eine Fabrik-Automation aus einer Hand. Der Humanoid Agile ONE ist der nächste, noch unbewiesene Baustein in dieser Kette.
Fertigung, Standorte und Kundenbasis
Agile Robots produziert nicht nur in Deutschland. Neben dem Hauptsitz München betreibt die Firma einen Standort in Beijing und seit Juni 2025 ein Werk im indischen Irungattukottai bei Chennai. Diese internationale Aufstellung senkt Kosten und bringt Nähe zu asiatischen Elektronik- und Automobilkunden. Der Kern der Marke bleibt aber deutsch.
Die Kundenbasis liegt klar in der Industrie. Nach Herstellerangaben vom November 2025 sind mehr als 20.000 Robotersysteme installiert, vor allem in Automobil- und Elektronikfertigung. Als Selbstauskunft ist die Zahl kein testierter Wert, sie zeigt aber, dass hier reale Systeme in Fabriken laufen und nicht nur Prototypen in Demos.
Die Beschäftigtenzahl gibt die Firma mit rund 2.500 an, ebenfalls Stand November 2025. Für einen Robotik-Anbieter aus Europa ist das eine beachtliche Größe, und sie erklärt, warum Agile Robots parallel Cobots, AMR und einen Humanoiden entwickeln kann.
Finanzierung und Bewertung: den Stand einordnen
In der Finanzierungsrunde Serie C von September 2021 sammelte Agile Robots nach Berichten rund 220 Mio. USD ein, angeführt vom SoftBank Vision Fund 2. Manche Quellen nennen etwa 186 Mio. €, was Wechselkurs und Zählweise geschuldet sein dürfte. Beteiligt waren zudem Hillhouse Capital, Sequoia Capital und Linear Venture.
Mit dieser Serie-C-Runde 2021 stieg die Bewertung über 1 Mrd. USD, womit die Firma als Unicorn galt. Diese Bewertung ist eine Momentaufnahme aus 2021, kein Börsenwert und kein aktueller Stand. Was das Unternehmen heute wert ist, sagen die belegten Quellen nicht. Den Aktien- und Kursstrang bedienen wir hier bewusst nicht, denn das ist Investorensache.
Den Jahresumsatz gibt die Firma mit rund 230 Mio. USD an, Stand November 2025. Auch das ist eine Herstellerangabe, kein geprüfter Abschluss. Kapital und Umsatz belegen Vertrauen und Marktzugang, aber weder die Reife des Humanoiden noch eine breite Auslieferung.
Deutschland-Bezug: Heimmarkt-Vorteil und Grenzen
Für den deutschen Markt ist Agile Robots ein seltener Fall. Hier sitzt ein gut finanzierter Robotik-Anbieter mit DLR-Herkunft direkt im Land, mit echter Fertigung und realer Kundenbasis, und das ist ein Heimmarkt-Vorteil, den viele US- und China-Anbieter so nicht haben. Der Diana 7 ist als Industrie-Cobot hierzulande über Integratoren beziehbar. Aus derselben Stadt kommt mit RobCo und dem Mittelstands-Cobot aus München ein zweiter deutscher Anbieter, der auf Baukasten und Miete statt auf Kraftsensorik setzt.
Als Differenzierung nennt die Firma auch Datensouveränität. Nach einem Fachbericht baut Agile Robots eine DSGVO-orientierte KI-Cloud in Deutschland auf, mit Partnern wie Telekom und NVIDIA. Diese Partnerschaft ist bislang nur sekundär belegt, weshalb wir sie mit Vorbehalt führen. Als Idee passt sie zur Positionierung gegen rein chinesische Anbieter.
Für den Agile ONE gibt es in Deutschland keinen Preis, keinen Liefertermin und kein bestätigtes Vertriebsmodell. Consumer- oder Haushaltsvertrieb existiert überhaupt nicht, der Zielmarkt ist die Fabrik. Wer den weiteren Markt sortieren will, findet den Kontext im Überblick zu humanoiden Robotern und ihrem Reifegrad.
Im Wettbewerb: Agile Robots gegen UR, NEURA, Franka/Kuka
Agile Robots steht nicht allein, und ein neutraler Blick auf andere Anbieter hilft bei der Einordnung. Verglichen werden hier bewusst unterschiedliche Rollen, vom Cobot-Massenmarkt über den deutschen Humanoid-Rivalen bis zur klassischen Schwerlast-Robotik. Fremd-Specs stammen aus Fachquellen und tragen, wo nötig, den Vorbehalt einer Herstellerangabe. Eine Wertung ist damit nicht verbunden.
| Anbieter | Produkt / Typ | Kern-Spec | Status | DE-Bezug |
|---|---|---|---|---|
| Agile Robots (München) | Cobot Diana 7 | 7 Achsen, 7 kg, 923 mm, ±0,05 mm, Kraft-Moment je Gelenk | IM VERKAUF | Deutscher DLR-Spin-off |
| Agile Robots (München) | Humanoid Agile ONE | fünffingrig, Kraft-Moment in der Hand, Serienstart geplant | ANGEKÜNDIGT | Fertigung Bayern geplant |
| Universal Robots (DK) | Cobot-Reihe UR3e–UR30 | UR15: 15 kg, 1.300 mm, 5 m/s; Baureihe 3–30 kg | IM VERKAUF | Vertrieb DE, dänisch |
| NEURA Robotics (Metzingen) | Humanoid 4NE-1 (Gen 3) | Gelenke bis 100 kg Hub (Herstellerangabe), Premiere 2025 | ANGEKÜNDIGT / Pre-Prod | Deutscher Rivale |
| Franka Robotics / Kuka (DE) | Franka-Arm / Kuka Industrieroboter | Franka: sensitiver 7-Achs-Cobot; Kuka KR QUANTEC 120–300 kg | IM VERKAUF | Beide deutsch (Kuka Augsburg) |
Universal Robots ist der zugängliche Cobot-Anbieter mit breiter Baureihe, Kuka steht für schwere Industrieroboter, NEURA aus Metzingen ist der deutsche Humanoid-Rivale und ebenfalls noch nicht im Massenmarkt. Franka gehört inzwischen selbst zu Agile Robots, was den 7-Achs-Cobot-Fokus zusätzlich stärkt. Wie sich der deutsche Humanoid-Wettbewerb entwickelt, zeigt der Blick auf den 4NE-1 von NEURA Robotics.
Recht: Maschinenverordnung, CE, kein Medizinprodukt
Cobots und Industrie-Roboter fallen unter einen klaren europäischen Rahmen. Für Maschinen wie den Diana 7 gilt die EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230, die die alte Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ablöst und ab dem 20. Januar 2027 verbindlich wird. Sie adressiert erstmals ausdrücklich KI-gestützte und kollaborative Maschinen. Kommen KI-Funktionen dazu, greift zusätzlich der EU AI Act.
Für den kollaborativen Betrieb sind eigene Normen maßgeblich. Ein CE-Zeichen ist dabei eine Herstellererklärung plus Risikobeurteilung, etwa nach ISO/TS 15066 und ISO 10218, und kein Qualitäts- oder Sicherheitssiegel. Wo Roboter Personendaten verarbeiten, kommt die DSGVO ins Spiel. Diese Einordnung ist redaktionell und keine Rechtsberatung.
Weder der Diana 7 noch der Agile ONE sind Medizinprodukte, denn ihr Feld ist die Industrie-Automation. Es gibt also keinen MDR-Status und keine medizinische Zulassung. Wer solche Roboter für Pflege oder Klinik einordnen will, darf sie nicht als medizinisch geprüft verstehen.
Was heute käuflich ist und was Zukunftswette bleibt
Käuflich und im Industrieeinsatz ist heute der Cobot Diana 7, samt Franka-Armen und den mobilen Robotern von idealworks. Diese Seite des Geschäfts ist belegt, mit realer Fertigung und installierten Systemen. Hier steht Agile Robots auf festem Boden.
Der Agile ONE gehört auf die andere Seite. Er ist angekündigt, in Vor-Produktion, mit belegter Hand und beschriebener KI, aber ohne Preis, Termin und Kundenreferenz. Die genannten Stückzahlen sind Ziele, die Maßangaben stammen aus Aggregatoren. Das ist eine glaubwürdige Wette, aber eben eine Wette.
Ein etablierter Cobot-Anbieter mit deutscher Herkunft wagt den Sprung zum Humanoiden. Der eine Teil verdient heute Geld, der andere muss sich erst beweisen. Beides zu vermischen wäre der häufigste Fehler in der Berichterstattung über diese Firma.
Grenzen und offene Fragen
Bei aller Substanz bleiben klare Lücken. Umsatz, Beschäftigtenzahl und die über 20.000 Systeme sind Herstellerangaben aus November 2025, keine testierten Werte. Die Bewertung stammt aus der Serie-C-Runde 2021 und sagt nichts über heute. Und die deutsche KI-Cloud mit Telekom und NVIDIA ist bislang nur sekundär belegt.
Beim Agile ONE ist die Faktenlage noch dünner. Fast alle Maßzahlen kommen aus Datenblatt-Aggregatoren und sind nicht offiziell bestätigt. Ob der Serienstart Anfang 2026 hält und wie autonom der Roboter wirklich arbeitet, ist offen. In der Branche laufen viele Demos ferngesteuert, und für den Agile ONE ist der Autonomiegrad nicht belegt.
Agile Robots hat ein belegtes Cobot-Geschäft, eine reale Industriebasis und eine glaubwürdige, aber unbewiesene Humanoid-Ambition. Ankündigung ist dabei nicht Verfügbarkeit, und Pilot ist nicht Serienbetrieb. Mehr Kontext bietet unser Grundlagentext zu Physical AI.
Was macht Agile Robots?
Agile Robots ist ein deutscher Robotik- und Physical-AI-Anbieter aus München. Die Firma baut präzise Industrie-Cobots wie den Diana 7 und entwickelt KI für verkörperte Roboter. Seit November 2025 gibt es zusätzlich den angekündigten Humanoiden Agile ONE.
Woher kommt Agile Robots?
Die Firma entstand 2018 in München als Spin-off des DLR, aus dem Institut für Robotik und Mechatronik. Als Gründer gelten Dr. Zhaopeng Chen und Peter Meusel. Diese Herkunft erklärt den Fokus auf sensitive, kraftgeregelte Roboter.
Was ist der Diana 7?
Der Diana 7 ist ein kollaborativer Roboterarm mit sieben Achsen und einem Drehmomentsensor in jedem Gelenk. Er trägt 7 kg, greift 923 mm weit und wiederholt Positionen mit ±0,05 mm. Er ist das Kernprodukt und im Verkauf.
Kann man den Diana 7 kaufen?
Ja, der Diana 7 ist als Industrie-Cobot im Verkauf und war auf der Hannover Messe 2026 gelistet. Der Vertrieb läuft über Agile Robots und Systemintegratoren, der Preis ist auf Anfrage. Einen offenen Consumer-Handel gibt es nicht.
Was ist der Agile ONE?
Der Agile ONE ist der erste humanoide Roboter von Agile Robots, vorgestellt am 19. November 2025. Belegt sind vor allem seine fünffingrigen Hände mit Kraft-Momenten-Sensoren und eine dreischichtige KI-Architektur. Er befindet sich in der Vor-Produktionsphase.
Kann man den Agile ONE schon kaufen?
Nein. Der Agile ONE ist angekündigt und in Vor-Produktion, aber nicht käuflich. Ein Serienstart in Bayern ist für Anfang 2026 als Herstellerziel genannt; Preis, Liefertermin und DE-Verfügbarkeit sind offen. Kundenreferenzen gibt es noch keine.
Ist Agile Robots ein deutsches Unternehmen?
Ja, der globale Hauptsitz liegt in München, die Herkunft ist das DLR. Daneben gibt es Standorte in Beijing und ein Werk in Indien seit Juni 2025. Marke und Entwicklung bleiben aber deutsch geprägt.
Wem gehört Franka Emika heute?
Franka Emika wurde im November 2023 von Agile Robots übernommen und gehört seither zur Firma. Der sensitive Franka-Arm ergänzt das Cobot-Portfolio, und der Diana 7 unterstützt das Franka Control Interface. In Laboren gilt der Franka-Arm als verbreiteter Forschungsstandard.
Wie groß ist Agile Robots?
Nach Herstellerangaben vom November 2025 beschäftigt die Firma rund 2.500 Menschen und meldet mehr als 20.000 installierte Robotersysteme. Der Umsatz wird mit rund 230 Mio. USD angegeben. Das sind Selbstauskünfte, keine testierten Werte.
Baut Agile Robots Roboter für Zuhause?
Nein. Der Zielmarkt ist die Industrie: Automobil, Elektronik und Logistik. Es gibt keinen Consumer- oder Haushaltsvertrieb, weder für den Diana 7 noch für den Agile ONE. Der Fokus liegt auf Fabrik-Automation und Physical AI.
Ist der Diana 7 ein Medizinprodukt?
Nein. Der Diana 7 ist ein Industrie-Cobot für die Automation, kein Medizinprodukt. Er hat keinen MDR-Status und keine medizinische Zulassung. Man darf ihn nicht als medizinisch geprüftes Gerät darstellen.
Quellen & Stand: agile-robots.com (Diana 7, AgileCore, Agile ONE, Standorte) und en.wikipedia.org/wiki/Agile_Robots_SE (Gründung 2018, DLR-Herkunft, Gründer, Zukäufe Franka Emika und idealworks), cleanthinking.de und therobotreport.com (Umsatz, 2.500 Beschäftigte, über 20.000 Systeme, Agile-ONE-Vorstellung, Serienziele), automationspraxis.industrie.de (Serie C 2021, SoftBank Vision Fund 2), qviro.com (Diana-7-Feinwerte), humanoid.press (Agile-ONE-Maßangaben, Aggregat, nicht offiziell), hannovermesse.de (Diana 7 gelistet 2026), robotreviewdesk.com und neura-robotics.com (Wettbewerb UR/NEURA), industryidx.com (Kuka-Baureihen). Herstellerzahlen sind Bestangaben und an der Primärquelle zu prüfen; die Agile-ONE-Maße stammen aus Drittanbieter-Datenblättern und gelten nur ohne Gewähr. Die Bewertung über 1 Mrd. USD ist der Stand der Serie-C-Runde 2021, kein heutiger Wert. Diese Einordnung ist redaktionell und keine Kauf-, Anlage- oder Rechtsberatung. Stand: 13. August 2026.