Generischer vierarmiger Weichgewebe-OP-Roboter über einem abgedeckten Tisch, die Konsole unscharf im Hintergrund

Medizin- & Klinikrobotik · OP-Systeme

Da-Vinci-Roboter — Technik, Modelle, Kosten und Nachteile des OP-Systems

Stand 13. August 2026 · Lesezeit 13 Minuten · Ratgeber

Kurz gesagt: Der da-Vinci-Roboter ist das weltweit meistgenutzte OP-System des Herstellers Intuitive Surgical. Er operiert nicht selbst. Die Chirurgin steuert vier Arme von einer Konsole, mit dreidimensionaler Sicht und verkleinerten, zitterfreien Bewegungen. Es gibt mehrere Generationen bis zum da Vinci 5 mit Kraftrückmeldung. Das System ist teuer, und sein Nutzen ist je nach Eingriff unterschiedlich gut belegt. Für Patienten zählt vor allem die Erfahrung des Teams.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ordnet Technik und Markt ein. Er ist kein medizinischer Rat und keine Behandlungsempfehlung. Ob ein Eingriff robotisch, offen oder anders sinnvoll ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin und dem behandelnden Team.

Was der da-Vinci-Roboter ist

Steht für Sie oder einen Angehörigen eine Operation an, bei der ein da-Vinci-Roboter im Spiel ist, geht es zuerst um die Frage, was dieses System überhaupt ist. Der da-Vinci-Roboter ist ein System für die minimalinvasive Chirurgie. Hergestellt wird er vom US-Unternehmen Intuitive Surgical, das seit der FDA-Freigabe im Jahr 2000 am Markt ist. In der öffentlichen Wahrnehmung steht der Name da Vinci fast synonym für Roboterchirurgie, weil das System zwei Jahrzehnte lang praktisch konkurrenzlos war.

Der da-Vinci-Roboter ersetzt nicht die Chirurgin, er verlängert ihre Hände. Sie sitzt an einer Konsole und führt die Instrumente, der Roboter setzt jede Bewegung im Körper präzise um. Das Ergebnis hängt darum stark vom Team ab und nicht allein von der Maschine.

Wie sich das System in die übrige Roboterchirurgie einordnet, zeigt der Überblick zu OP-Robotern. Dort geht es um alle Systeme und Einsatzfelder, hier um das da-Vinci-System im Detail.

Warum er nicht autonom operiert

Chirurgin an der Konsole blickt in die 3D-Sicht, Hände an den Manipulatoren, der Mensch steuert
Der Mensch bleibt am Steuer

Der häufigste Irrtum lautet, ein Roboter operiere hier selbstständig. Das ist falsch. Das da-Vinci-System kann nicht programmiert werden und führt keine eigenen Bewegungen aus. Es ist ein Telemanipulator, der ausschließlich das umsetzt, was die Operateurin in Echtzeit an der Konsole vorgibt.

Zum System gehören die Chirurgen-Konsole mit Steuerung und 3D-Sicht, der Patientenwagen mit den Armen am Patienten und ein Bildverarbeitungswagen. Fällt die Steuerung aus, bewegt sich nichts von allein. Der Mensch bleibt in jeder Sekunde die entscheidende Instanz.

Das ist kein Detail. Der da-Vinci-Roboter bleibt ein Werkzeug, und mit dieser Vorstellung lassen sich Nutzen und Grenzen realistischer bewerten. Die Technik verbessert die Bedingungen, die Verantwortung trägt weiter das Operationsteam.

Wie die Technik funktioniert

Makro auf ein abwinkelbares Endoskopie-Instrument mit Gelenk für feine Bewegungen im Körper
Gelenk wie ein Handgelenk

Die Operateurin sitzt entfernt vom Tisch an der Konsole und blickt in ein dreidimensionales Bild des Operationsgebiets. Es ist bis zu zehnfach vergrößert, sodass feinste Strukturen sichtbar werden. Ihre Hand- und Fingerbewegungen werden erfasst und an die Instrumente übertragen.

Dabei werden die Bewegungen verkleinert, im Verhältnis bis etwa fünf zu eins, sodass große Handwege zu winzigen, exakten Instrumentenbewegungen werden. Ein Tremorfilter rechnet zusätzlich das natürliche Händezittern heraus. So entsteht eine Ruhe und Feinheit, die mit der freien Hand kaum erreichbar ist.

Am Patienten arbeiten beim Standardsystem vier Arme. Die Instrumente heißen EndoWrist und besitzen ein Gelenk mit sieben Freiheitsgraden, also mehr Beweglichkeit als das menschliche Handgelenk, bei einem Durchmesser von rund 8 bis 12 mm. Damit lässt sich in engen Räumen nähen und präparieren, wo die offene Hand nicht hinkommt. Die Instrumente sind austauschbar, sodass der Operateur je nach Arbeitsschritt zwischen Schere, Nadelhalter und Fasszange wechselt.

Wie eine da-Vinci-Operation abläuft

Operateur an der Steuerkonsole abseits des Tisches, am Tisch arbeitet das sterile Team
Die operierende Person sitzt unsteril an der Konsole, das sterile Team bleibt am Tisch.
OP-Team fährt den vierarmigen Da-Vinci-Roboter an den Tisch und richtet die Arme aus
Vor dem Eingriff fährt das Team den Wagen an den Tisch und dockt die Arme an.

Wenn Sie von einer da-Vinci-OP lesen, ist damit kein einheitlicher Eingriff gemeint. An Gelenken arbeiten ganz andere Systeme, wie der Beitrag zur Roboter-Knie-OP zeigt. Gemeinsam ist den da-Vinci-Eingriffen der organisatorische Rahmen, und der beginnt mit der Vollnarkose. Sie ist samt Muskelrelaxierung nötig, weil sich der Körper nicht bewegen darf, solange die Instrumente im Operationsgebiet liegen. Dass die Steuerung über eine Konsole läuft, ändert daran nichts.

Den Zugang schaffen typischerweise mehrere kleine Schnitte, durch die Trokare gesetzt werden. Wie viele es sind, hängt vom Eingriff ab. Vor dem Eingriff wird das System steril abgedeckt und an die liegenden Trokare angedockt. Eine prospektive niederländische Studie hat 65 Eingriffe ausgewertet (2020). Dort dauerte das Abdecken im Mittel 5,6 ± 1,4 Minuten, das Andocken 7,8 ± 2,7 Minuten. Nach der Lernkurve sank das auf 5,0 ± 1,2 und 6,9 ± 1,6 Minuten. Stabil wurden die Zeiten erst nach 21 Fällen beim Abdecken und nach 18 beim Andocken.

Nach dem Andocken ändert sich die Aufstellung im Saal, und hier setzt ein verbreitetes Missverständnis an. Eine Befragung von 339 Personen am Universitätsklinikum Dresden fand bei 38 Prozent Fehlvorstellungen (Urologia Internationalis 2025). Dazu zählte die Annahme, die operierende Person sei nur aus Sicherheitsgründen anwesend. Tatsächlich sitzt sie unsteril an einer Konsole im selben Saal, während ein steriles Team am Tisch die Instrumente wechselt. Diese Trennung ist der eigentliche Unterschied zur offenen und zur laparoskopischen Operation.

Gesteuert wird dabei durchgehend von Hand. In einer Patienteninformation der Universitätsmedizin Göttingen zur Prostataentfernung (Stand 2018) steht, das System „wird durch den Operateur geführt, führt jedoch keine eigenständigen Handlungen aus“. Eine Auswertung in npj Digital Medicine (2024) hat 49 Systeme mit FDA-Freigabe aus den Jahren 2015 bis 2023 untersucht. Davon ordnet sie 42 der untersten Autonomiestufe 1 zu. Das ist reine Roboterassistenz unter durchgehender Kontrolle des Operateurs. Stufe 4 oder 5 erreicht dort kein einziges System. Die Arbeit nennt das da-Vinci-System als Beispiel für ein Leader-Follower-System, das keine Aufgabe selbsttätig ausführt. Nimmt die operierende Person die Finger aus der Schlaufe, bewegt sich nichts mehr (Deutsches Ärzteblatt 2016).

Solange das System angedockt ist, ist der direkte Zugang zum Patienten blockiert. Deshalb arbeiten Kliniken mit Protokollen für ein Notfall-Abdocken. Ein 2023 im Indian Journal of Anaesthesia veröffentlichtes Protokoll eines einzelnen Zentrums ordnet die Notfälle nach Dringlichkeit in drei Stufen. Rot steht dort für Lagen, die zuerst die Anästhesie löst, gelb für die Chirurgie, grün für die Technik.

Wie lange eine da-Vinci-Operation insgesamt dauert, hängt vom Eingriff ab. Eine allgemeine Zahl dafür gibt es nicht, und pauschale Angaben führen in die Irre. Zur reinen Eingriffszeit kommt jedes Mal die Rüstzeit des Systems hinzu. Auch Konversion und Verweildauer hängen am Eingriff. Die Konversionsrate reichte je nach Verfahren von 0 Prozent bei Fundoplicatio und Leberresektion bis 28 Prozent bei der Pankreaskopfresektion. Die Zahlen stammen aus dem deutschen Register StuDoQ|Robotik (4.370 roboterassistierte viszeralchirurgische Eingriffe an 59 Kliniken, 2017–2021). Die Verweildauer lag dort im Median zwischen 4 und 18 Tagen. Bei der Rektumkarzinom-Resektion fand die randomisierte ROLARR-Studie keine signifikante Senkung der Konversionsrate gegenüber dem laparoskopischen Vorgehen. Die Werte lagen bei 8,1 gegenüber 12,2 Prozent, adjustierte Odds Ratio 0,61, p gleich 0,16. Die Studie stammt von Jayne u. a., JAMA 2017, mit 471 Patienten. Auf andere Eingriffe lässt sich das nicht übertragen.

Dieser Text erklärt den Ablauf allgemein. Er ersetzt keine medizinische Beratung, und über das Verfahren entscheidet das Behandlungsteam.

Die Generationen bis da Vinci 5

Das da-Vinci-System hat sich über mehrere Generationen entwickelt. Der Standard in vielen Kliniken ist bis heute das Modell Xi mit vier Armen. Daneben gibt es die günstigere Variante X und das Single-Port-System SP, bei dem alle Instrumente über einen einzigen Zugang eingeführt werden.

Die neueste Generation ist der da Vinci 5. Er hat in den USA im März 2024 die Freigabe der Behörde FDA erhalten, die CE-Kennzeichnung für Europa folgte im Juli 2025. Sein wichtigstes neues Merkmal ist eine Kraftrückmeldung, das sogenannte Force Feedback, das dem Operateur ein Gefühl für den Gewebedruck zurückgibt. In Deutschland steht diese Generation erst am Anfang ihres Einsatzes.

Modell Typ Markt/Zulassung Besonderheit
da Vinci Si Multiport ab 2009 HD-3D, Doppelkonsole möglich
da Vinci Xi Multiport, 4 Arme ab 2014 meistverbreiteter Standard
da Vinci X Multiport CE 2017 günstigere Xi-Variante
da Vinci SP Single Port im Einsatz ein einziger Zugang
da Vinci 5 Multiport, neueste Gen FDA 03/2024, CE 07/2025 erstes mit Kraftrückmeldung

Wo das System eingesetzt wird

Der da-Vinci-Roboter kommt vor allem im Weichgewebe zum Einsatz, also dort, wo in engen Körperregionen präzise präpariert und genäht wird. Die Urologie ist das größte Feld, gefolgt von Gynäkologie, Viszeral- und Thoraxchirurgie sowie Teilen der HNO-Heilkunde.

Der mit Abstand häufigste Eingriff in Deutschland ist die Entfernung der Prostata beim Prostatakrebs. Weil dieser Eingriff eigene Fragen aufwirft, behandeln wir ihn getrennt in der roboterassistierten Prostata-OP. Hier bleibt es beim System und seinen allgemeinen Einsatzfeldern.

Das CyberKnife wird damit oft verwechselt. Es ist aber kein OP-Roboter, sondern ein Bestrahlungssystem, das nicht schneidet. Den Unterschied erklärt der Beitrag zum CyberKnife im Detail.

Verbreitung und Standorte in Deutschland

Vorbereiteter Operationssaal mit Konsole und vierarmigem Robotersystem in der Totale
Konsole, Wagen und Tisch brauchen zusammen viel Fläche im Saal.

Weltweit ist das System sehr weit verbreitet. Zum Jahresende 2025 zählte Intuitive rund 11.100 installierte da-Vinci-Systeme, nach 9.902 ein Jahr zuvor. Zur Jahresmitte 2026 waren es rund 11.710. Die Ion-Systeme für Lungenbiopsien zählt der Hersteller getrennt. Allein 2024 wurden damit rund 2,68 Mio Eingriffe durchgeführt, und 2025 waren es nach Herstellerangaben über 3,1 Mio. Seit der Einführung wurden nach Herstellerangaben über 20 Mio Patienten mit einem da-Vinci-System behandelt. Diese Zahlen stammen vom Hersteller. Das System ist weltweit im Verkauf und in Deutschland breit im klinischen Einsatz.

Für Deutschland gibt es keine amtliche Gesamtzahl. Klinikportale nennen je nach Quelle eine Größenordnung von 200 bis 300 Systemen, nach nur rund 52 im Jahr 2011. Die Zahl robotergestützter Eingriffe soll auf etwa 102.800 im Jahr 2024 gestiegen sein, gegenüber rund 5.000 im Jahr 2010. Diese DE-Werte sind Schätzungen aus Klinikquellen und mit Vorsicht zu lesen.

Die Systeme stehen vor allem an Universitätskliniken und großen Häusern. Suchen Sie eine Klinik, finden Sie Listen beim Hersteller und bei neutralen Portalen. Sinnvoller als der bloße Gerätename ist der Blick auf die Fallzahl und die Erfahrung des Zentrums. Eine hohe Fallzahl ist ein Qualitätshinweis, aber keine Garantie.

Was das System kostet

Der da-Vinci-Roboter ist ein teures System. Für die Anschaffung nennen Fachquellen eine Größenordnung von rund 1,5 bis 2 Mio € (ohne Gewähr, Stand 2025), je nach Generation. Dazu kommt ein Servicevertrag, der grob mit 150.000 € pro Jahr angesetzt wird, teils auch als Anteil der Anschaffung angegeben.

Auch der laufende Betrieb kostet. Die EndoWrist-Instrumente sind nutzungsbegrenzt, ein Chip zählt die Einsätze, nach etwa zehn Anwendungen müssen sie getauscht werden. Pro Instrument werden rund 500 bis 1.500 € genannt (ohne Gewähr). In Summe liegt ein robotischer Eingriff nach Fachangaben etwa ein Drittel über den Kosten einer vergleichbaren Operation ohne Roboter.

Alle diese Werte sind Näherungen aus Fach- und Klinikquellen, denn offizielle Herstellerpreise sind nicht öffentlich. Sie taugen zur Einordnung der Größenordnung, nicht als belastbare Preisliste.

Wer die Kosten trägt

Für gesetzlich Versicherte entstehen durch den Roboter in der Regel keine zusätzlichen Kosten. Die Operation wird über die Fallpauschale des DRG-Systems abgerechnet, in der der Roboteranteil nicht als eigenes Zusatzentgelt auftaucht.

Die Mehrkosten der Technik trägt darum überwiegend die Klinik, nicht der Patient. Für Häuser ist das ein wirtschaftlicher Balanceakt, der die Anschaffung zu einer strategischen Entscheidung macht. Ein Haus muss ein System gut auslasten, damit sich die hohe Investition über viele Eingriffe verteilt und trägt.

Umgekehrt sollte sich die Wahl des Verfahrens für Sie nicht am Kostenargument entscheiden, sondern an Indikation und Erfahrung des Zentrums. Sind Sie unsicher, sprechen Sie die Kostenfrage im Aufklärungsgespräch offen an.

Die Nachteile ehrlich betrachtet

So verbreitet das System ist, es hat klare Schwächen. Anschaffung, Wartung und Instrumente kosten viel, und das erhöht den wirtschaftlichen Druck auf Kliniken. Lange fehlte außerdem der Tastsinn. Bis zum da Vinci 5 gab es keine Kraftrückmeldung, der Operateur musste sich allein auf das Bild verlassen.

Dazu kommen die längere Rüst- und teils Eingriffszeit sowie eine spürbare Lernkurve. Die Erfahrung des Teams beeinflusst das Ergebnis maßgeblich. Auch die Abhängigkeit von einem Hersteller wiegt, denn Instrumente und Service waren lange ein geschlossenes System mit entsprechender Bindung.

Und dann ist da die Evidenz. Das Deutsche Ärzteblatt fasst die roboterassistierte Chirurgie als kostenintensiv bei eher dünner Evidenzlage zusammen. Für mehrere Eingriffe ist kein harter Vorteil gegenüber der herkömmlichen minimalinvasiven Operation belegt. Der Roboter ist also nicht automatisch die bessere Wahl.

Was die Studienlage sagt

Ist die Roboter-OP besser? Diese Frage stellen viele Betroffene. Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Der Nutzen hängt vom einzelnen Eingriff ab und ist sehr unterschiedlich belegt.

Bei einigen Operationen zeigen Studien Vorteile im Verlauf rund um den Eingriff, etwa weniger Blutverlust oder einen kürzeren Klinikaufenthalt. Bei anderen Eingriffen findet sich kein gesicherter Vorteil gegenüber der laparoskopischen Technik. Das onkologische Langzeitergebnis ist in vielen Fällen vergleichbar, nicht überlegen. Der belegte Nutzen betrifft also eher den Verlauf rund um die Operation als das Ergebnis nach Jahren, und auch das gilt nicht für jeden Eingriff gleich.

Solche Aussagen sind immer Studienlage, kein Versprechen. Was für Ihren konkreten Fall gilt, lässt sich nur individuell klären. Die eingriffsspezifischen Zahlen, etwa zur Prostata, stehen im eigenen Prostata-Beitrag.

Die Konkurrenz für Intuitive

Fast zwanzig Jahre lang war da Vinci im Weichgewebe praktisch allein. Nach Branchenschätzungen hielt Intuitive dabei grob 60 % Marktanteil, bei rund 85 % wiederkehrenden Umsätzen aus Instrumenten und Service. Das ändert sich gerade. Mehrere Hersteller haben eigene Systeme auf den Markt gebracht und brechen das Quasi-Monopol auf.

Zu den wichtigsten Herausforderern zählen das Hugo-System von Medtronic und das Versius-System des britischen Herstellers CMR Surgical, beide mit Behördenfreigaben im Jahr 2025. Aus Deutschland kam Avatera vom Jenaer Hersteller avateramedical. Die Firma meldete 2023 Insolvenz an und stellte den Betrieb Ende Oktober 2023 ein, die Technik ging an einen Schweizer Investor. Für das Senhance-System hat KARL STORZ nach der Übernahme von Asensus ein geordnetes Serviceende angekündigt. Wie sich das Wettbewerbsfeld um da Vinci seit dem Sommer 2026 sortiert — mit Ottava, Hugo und Sentire —, ordnet unsere Marktanalyse zum Umbruch im Operationssaal ein.

Für Kliniken und Patienten ist dieser Wandel gute Nachricht. Mehr Wettbewerb kann Preise und Abhängigkeit senken und die Entwicklung beschleunigen. Aus einem Monopol wird langsam ein echter Markt, mit einem starken deutschen Mitspieler.

Fazit

Der da-Vinci-Roboter ist das Maß der Dinge in der Roboterchirurgie, mit über elftausend Systemen weltweit und Millionen Eingriffen pro Jahr. Seine Technik aus verkleinerten Bewegungen, Tremorfilter und beweglichen Instrumenten verbessert die Bedingungen im Operationsgebiet spürbar.

Das System ist zugleich teuer, es war lange ohne Tastsinn, und sein Nutzen ist je nach Eingriff unterschiedlich belegt. Der Roboter operiert nicht selbst, und er ist nicht pauschal die bessere Wahl. Ihre Entscheidung sollte sich daran ausrichten, ob das Verfahren zum Befund passt und wie erfahren das Team ist, nicht an der Marke des Systems.

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fluxlane Redaktion

Neutrale Einordnung zu Medizin- und Klinikrobotik und Physical AI — mit Fokus auf den deutschen Markt, klaren Status-Angaben und quellenbelegten Zahlen. Wie wir arbeiten und Quellen prüfen.

Operiert der da-Vinci-Roboter selbst?

Nein. Der da-Vinci-Roboter ist ein Telemanipulator und führt keine eigenen Bewegungen aus. Die Chirurgin steuert jede Bewegung in Echtzeit an einer Konsole. Das System kann nicht programmiert werden und arbeitet nicht autonom. Der Mensch bleibt in jeder Sekunde die entscheidende Instanz.

Was kostet ein da-Vinci-Roboter?

Fachquellen nennen für die Anschaffung eine Größenordnung von rund 1,5 bis 2 Mio € (ohne Gewähr, Stand 2025), dazu etwa 150.000 € pro Jahr für Wartung und rund 500 bis 1.500 € je Instrument, das nach etwa zehn Einsätzen getauscht wird. Offizielle Herstellerpreise sind nicht öffentlich, alle Angaben sind Näherungen.

Was sind die Nachteile?

Hohe Kosten, ein bis zum da Vinci 5 fehlender Tastsinn, längere Rüstzeit, eine Lernkurve und die Abhängigkeit von einem Hersteller. Hinzu kommt eine je nach Eingriff dünne Evidenzlage. Für mehrere Operationen ist kein harter Vorteil gegenüber der herkömmlichen minimalinvasiven Technik belegt.

Wie viele da-Vinci-Systeme gibt es in Deutschland?

Eine amtliche Zahl gibt es nicht. Klinikportale nennen als Größenordnung rund 200 bis 300 Systeme, nach rund 52 im Jahr 2011. Die Zahl robotergestützter Eingriffe soll 2024 bei etwa 102.800 gelegen haben. Diese Werte sind Schätzungen aus Klinikquellen und mit Vorsicht zu lesen.

Wie finde ich eine Klinik mit da Vinci?

Es gibt Klinikfinder beim Hersteller und Listen neutraler Portale. Wichtiger als der Gerätename ist die Fallzahl und die Erfahrung des Zentrums mit Ihrem konkreten Eingriff. Eine hohe Fallzahl ist ein Qualitätshinweis, aber keine Garantie. Fragen Sie im Vorgespräch nach Erfahrung und Ergebnissen.

Was ist neu am da Vinci 5?

Der da Vinci 5 ist die neueste Generation und das erste Multiport-System mit Kraftrückmeldung, dem sogenannten Force Feedback. Es gibt dem Operateur ein Gefühl für den Gewebedruck zurück, das bisher fehlte. In den USA erhielt er 2024 die Freigabe, in Europa folgte die CE-Kennzeichnung im Juli 2025.

Ist eine da-Vinci-OP besser als eine normale OP?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Der Nutzen hängt vom Eingriff ab. Bei einigen Operationen zeigen Studien Vorteile rund um den Eingriff, bei anderen keinen gesicherten Vorteil gegenüber der laparoskopischen Technik. Das onkologische Langzeitergebnis ist oft vergleichbar. Entscheidend ist der Einzelfall.

Zahlt die Krankenkasse?

Für gesetzlich Versicherte entstehen durch den Roboter in der Regel keine zusätzlichen Kosten. Die Operation wird über die DRG-Fallpauschale abgerechnet, in der der Roboteranteil kein eigenes Zusatzentgelt ist. Die Mehrkosten der Technik trägt überwiegend die Klinik, nicht der Patient.

Welche Alternativen zu da Vinci gibt es?

Das Monopol bröckelt. Herausforderer sind das Hugo-System von Medtronic und Versius von CMR Surgical, beide mit Freigaben 2025. Aus Deutschland kam Avatera von avateramedical aus Jena, die Firma stellte den Betrieb 2023 nach Insolvenz ein. Für Senhance hat KARL STORZ ein geordnetes Serviceende angekündigt. Mehr Wettbewerb kann Preise und Abhängigkeit senken.

Wie läuft eine da-Vinci-Operation ab?

Der Eingriff beginnt mit einer Vollnarkose samt Muskelrelaxierung, weil sich der Körper nicht bewegen darf, solange Instrumente im Operationsgebiet liegen. Über typischerweise mehrere kleine Schnitte werden Trokare gesetzt, danach wird das System steril abgedeckt und daran angedockt. Anschließend steuert die operierende Person die Instrumente unsteril von einer Konsole im selben Saal, während ein steriles Team am Tisch die Instrumente wechselt. Das System führt dabei keine eigenständigen Handlungen aus. Welcher Ablauf im Einzelfall gilt, entscheidet das Behandlungsteam.

Wie lange dauert eine da-Vinci-Operation?

Eine allgemeine Zahl gibt es nicht, die Dauer hängt vom Eingriff ab. Zur reinen Eingriffszeit kommt jedes Mal die Rüstzeit des Systems hinzu. Das sterile Abdecken dauerte im Mittel 5,6 ± 1,4 Minuten, das Andocken 7,8 ± 2,7 Minuten. Nach abgeschlossener Lernkurve waren es 5,0 ± 1,2 und 6,9 ± 1,6 Minuten. Die Zahlen stammen aus einer prospektiven niederländischen Studie mit 65 Eingriffen (van der Schans et al., J Robot Surg 2020). Wie lange der Eingriff im Einzelfall dauert, kann nur das Behandlungsteam einschätzen.

Quellen & Stand: Intuitive Surgical (10-K FY2025 vom 03.02.2026 und 10-Q Q2 2026 vom 21.07.2026 bei der SEC — installierte da-Vinci-Basis 9.902 zum 31.12.2024, 11.106 zum 31.12.2025 und 11.710 zum 30.06.2026, rund 2,68 Mio da-Vinci-Eingriffe 2024 und rund 3,15 Mio 2025, Regionenverteilung), de.wikipedia „Da-Vinci-Operationssystem“ (Technik, Historie, FDA-Freigabe 2000 als 510(k)-Clearance, keine Zulassung, DE-Größenordnung), MedTech Dive / Intuitive IR (da Vinci 5, FDA 03/2024, CE 07/2025, Force Feedback), Deutsches Ärzteblatt (Evidenz- und Kosten-Nutzen-Einordnung), sowie Klinik- und Fachquellen (bibliomedmanager, klinikkompass) zu Kosten und deutscher Verbreitung. Alle Kostenangaben sind Näherungen aus Fach-/Klinikquellen, Größenordnungen und ohne Gewähr; offizielle Herstellerpreise sind nicht öffentlich. Die deutsche Systemzahl (~200) und Eingriffszahl (~102.800/2024) sind Schätzungen ohne amtliche Quelle. Dieser Beitrag ist kein medizinischer Rat. Stand: 31. Juli 2026. Zum Aus des deutschen Anbieters: Handelsblatt und One Square Advisors (avateramedical, Insolvenz in Eigenverwaltung 08/2023, Betriebseinstellung 10/2023, Verkauf der Technik an die Tennor International AG, Zug, 12/2023); zu Senhance: KARL STORZ / Asensus (Übernahme 08/2024, angekündigtes Serviceende).

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