Pflege- & Assistenzroboter · Hersteller-Profil
Navel Roboter im Check: was der soziale Pflegeroboter wirklich kann
Kurz gesagt: Navel ist ein kompakter sozialer Assistenzroboter aus München, im Verkauf und im Rollout. Er soll Gespräche führen, sich Namen merken und ältere Menschen kognitiv aktivieren. Körperpflege übernimmt er nicht. Nach Herstellerangaben laufen rund 100 Roboter in rund 34 Einrichtungen. Harte Wirkungszahlen fehlen bislang — nur die Therapierobbe PARO hat dafür belegte Studien. Den größeren Rahmen finden Sie in unserem Marktüberblick zu Pflegerobotern.
Was Navel tut — und was nicht
Wenn Sie als Heimleitung oder Pflegedienstleitung über Navel nachdenken, hilft zuerst eine Abgrenzung, weil das Wort Pflegeroboter mehr verspricht, als dieses Gerät leisten soll. Navel ist ein sozialer Assistenzroboter, kein körperlicher Pflegehelfer. Er bleibt kompakt und unter einem Meter hoch; die genauen Zentimeter schwanken je nach Quelle, deshalb steht hier keine feste Zahl. Sein Kern ist Kommunikation — reden, zuhören, Aufmerksamkeit halten.
Der Roboter führt Gespräche, hält Blickkontakt und zeigt Mimik über ein bewegliches Gesicht. Nach Herstellerangaben merkt er sich Namen und Vorlieben seiner Gegenüber, und ältere Menschen soll er kognitiv aktivieren, etwa mit Fragen, Quiz oder Erinnerungen. Das ist Ansprache und Beschäftigung, keine medizinische Behandlung.
Ebenso zählt für Ihre Planung, was Navel nicht tut. Er hebt niemanden, reicht kein Essen und übernimmt keine Grundpflege. Wer einen greifenden Helfer sucht, schaut eher darauf, welche Aufgaben Roboter in der Pflege real übernehmen. Navel bleibt ein Gesprächs- und Aktivierungsgerät.
Die Firma aus München
Hinter Navel steht die navel robotics GmbH aus München, gegründet 2019 rund um Claude Toussaint, der schon vorher an sozialen Robotern gearbeitet hatte und diese Erfahrung einbringt. Damit ist die Firma ein seltener Fall — ein europäisches Sozialroboter-Produkt mit echtem Serienrollout.
Navel ist heute im Verkauf und nicht mehr im reinen Prototyp-Stadium, was die Firma von vielen Forschungsprojekten im Feld unterscheidet. Rollout heißt dabei allerdings Anlauf und Vorserie, nicht Massenmarkt. Die genaue Mitarbeiterzahl und die Finanzierungshöhe kursieren in mehreren Varianten.
Ein deutscher Anbieter mit ausgelieferten Robotern ist eine gute Nachricht für den Standort, ersetzt aber keinen unabhängigen Wirkungsnachweis. Wie belastbar Navel ist, entscheidet sich an Studien und Referenzen.
Navel im Steckbrief
Ein Steckbrief taugt nur so viel wie seine Quellenlage. Die Werte stammen aus Herstellerangaben und deutscher Fachpresse; wo eine Zahl schwankt oder nur einmalig belegt ist, steht das dabei. Preise gelten ausdrücklich nur ohne Gewähr und mit Stand 2025.
| Merkmal | Wert | Quelle | Status |
|---|---|---|---|
| Hersteller | navel robotics GmbH, München | deutsche-wirtschafts-nachrichten.de | IM VERKAUF · PRIMÄR |
| Gegründet | 2019 (Claude Toussaint) | deutsche-wirtschafts-nachrichten.de | belegt · sekundär |
| Höhe | unter 1 m (exakte cm je Quelle unterschiedlich) | navelrobotics.com / Fachpresse | Herstellerangabe · nicht bestätigt |
| Funktion | Gespräch, Mimik, Blickkontakt, kognitive Aktivierung; keine Körperpflege | navelrobotics.com | belegt · PRIMÄR |
| Roboter im Einsatz | rund 100 Einheiten in rund 34 Einrichtungen | heise.de / Herstellerangabe | belegt / Herstellerangabe |
| Dauereinsatz seit | Januar 2024 | navelrobotics.com | belegt · PRIMÄR |
| Bilddaten | lokal verarbeitet, nach rund 100 ms gelöscht | navelrobotics.com | belegt · PRIMÄR |
| Dialog / Sprach-KI | LLM in der Cloud auf europäischen Servern | navelrobotics.com | belegt · PRIMÄR |
| Kauf / Leasing | rund 28.000 € einmalig / rund 970 € pro Monat (2025, ohne Gewähr) | dup-magazin.de | sekundär · ohne Gewähr |
| DE-Verfügbarkeit | im Verkauf, Vorserie/Anlauf | Recherche 08/2026 | belegt · DE-verfügbar |
Dass die Bilddaten gelöscht werden und der Dialog über die Cloud läuft, sind belegte Primärwerte vom Hersteller. Die Höhe und die genaue Stückzahl sind dagegen nicht unabhängig bestätigt, und die Preiszeile ist eine Bezugsgröße aus 2025, kein tagesaktueller Verkaufspreis.
Wie „empathisch“ Navel wirklich ist
Navel wird gern als „empathischer Roboter“ vermarktet. Diese Empathie ist simuliert, nicht gefühlt — der Roboter erkennt Signale wie Stimme, Wortwahl und Gesichtsausdruck und reagiert passend darauf. Das wirkt zugewandt, bleibt aber eine technisch nachgebildete Reaktion.
Ein Mensch fühlt mit, eine Maschine berechnet nur eine wahrscheinlich passende Antwort. Navel hat kein Innenleben und kein echtes Verständnis für Leid. Mit diesem Wissen lässt sich die Wirkung realistisch einordnen.
Gerade bei Demenz ist diese Grenze heikel, weil Menschen die Maschine für ein Gegenüber mit echten Gefühlen halten können und dann die Linie zwischen Mensch und Technik verschwimmt. Das spricht nicht gegen Navel, verlangt aber Sorgfalt. „Empathie“ steht hier deshalb immer in Anführungszeichen.
Sprachmodell und KI-Stack
Navel spricht über ein großes Sprachmodell, ein LLM, das nicht lokal im Roboter läuft, sondern in der Cloud. Der Hersteller nennt dafür Dienste auf europäischen Servern. Der Dialog braucht also eine Internetverbindung, während das Gesicht davor lokal arbeitet.
Diese Zweiteilung ist der Kern des Systems. Kamera- und Bildverarbeitung passieren im Gerät, die Sprachintelligenz kommt aus der Cloud, und aus beidem entsteht der Eindruck eines flüssigen Gesprächs. Wie gut das im Alltag trägt, hängt von Netz und Modellqualität ab.
Ein LLM bringt seine bekannten Grenzen mit. Es kann Dinge erfinden, danebenliegen oder Themen falsch einordnen, und für vulnerable Zielgruppen ist das ein echtes Risiko, das begleitet gehört. Den größeren Rahmen zeigt der Blick darauf, wie KI in der Pflege eingesetzt wird.
Datenschutz: was lokal bleibt, was nicht

Beim Datenschutz hängt alles an einer Unterscheidung. „Daten bleiben lokal“ gilt bei Navel nur für die Bilddaten. Der Hersteller gibt an, dass Kamerabilder im Gerät verarbeitet und nach rund 100 ms gelöscht werden — sie werden also weder gespeichert noch hochgeladen.
Für den Dialog gilt das Gegenteil, denn die Sprachverarbeitung läuft über das Cloud-LLM auf europäischen Servern. Was Sie dem Roboter sagen, verlässt also das Gerät. „Lokal“ und „Cloud“ betreffen bei Navel zwei verschiedene Datenströme.
Deshalb trägt eine pauschale Aussage nicht. Navel ist nicht rundum daten-sicher, nur weil die Bilder lokal bleiben; der Sprachweg berührt sensible Inhalte und gehört in jede Datenschutz-Folgenabschätzung. Ein Datenfluss-Schema hilft, beide Ströme sauber auseinanderzuhalten. Warum „bleibt lokal“ oft nur die halbe Wahrheit ist, vertieft der Beitrag zum Datenschutz bei Pflege- und Klinikrobotern.
Merke: „Bilddaten lokal“ ist nicht dasselbe wie „alles bleibt im Haus“. Der gesprochene Dialog läuft über EU-Server — das ist ein eigener, sensibler Datenweg.
Rund 100 Roboter im Einsatz — die Referenzen
Navel steht nicht nur im Prospekt, sondern in echten Häusern. Fachmedien berichten von rund 100 Robotern im täglichen Einsatz, die sich nach Herstellerangaben auf rund 34 Einrichtungen verteilen. Der Dauereinsatz läuft seit Januar 2024.
Belegte Einsatzorte sind zum Beispiel Häuser der Cellitinnen und ein Seniorenhaus-Verbund. Genannt werden außerdem die Evangelische Heimstiftung, die MHH, die TU München und die Münchenstift. Diese Orte sind real beliefert und dokumentiert; sie zeigen Reichweite, aber keine Wirkungsgröße.
Rund 100 Roboter im Feld belegen Nachfrage und Praxistauglichkeit, jedoch nicht, dass Navel messbar hilft. Manche kursierende Kundennamen sind nicht belegt und bleiben hier bewusst außen vor.
Was die IPA-Studie sagt
Zu Navel gibt es eine Untersuchung mit Fraunhofer-IPA-Bezug, deren Befund zweigeteilt ausfällt. Qualitativ berichten Beteiligte von einer Bereicherung im Alltag, während der Roboter technisch zugleich als noch unreif beschrieben wird.
Ein harter Effektnachweis ist das nicht, weil die Studie keine belastbaren Wirkungszahlen zu Einsamkeit oder Kognition misst. „Bereicherung“ ist ein qualitativer Eindruck, keine Statistik. Für ein junges Produkt ist das ein üblicher Stand, aber er bleibt dünn.
Zusätzlich meldet der Hersteller positive Effekte bei Demenz. Diese Angabe stammt aus einer Herstellerstudie, nicht aus einer unabhängigen kontrollierten Studie, und darin liegt der Unterschied zur Robbe PARO. Die Navel-Wirkung bleibt deshalb hier durchgehend als Anbieterangabe gekennzeichnet.
Navel im Wettbewerb
Navel steht in einem Feld mit sehr unterschiedlichen Konzepten. Der Vergleich ordnet ihn nach Wirkprinzip, Herkunft und Marktstand ein, nach Wirkprinzip, Herkunft und Marktstand.
| System | Herkunft | Wirkprinzip / Evidenz | Status |
|---|---|---|---|
| Navel | DE (München) | multimodale „Empathie“-Konversation; Wirkung nur per Herstellerstudie | im Verkauf, Rollout |
| Pepper (Aldebaran/SoftBank) | FR/JP | humanoider Legacy-Sozialroboter, Gestik/Bildschirm | liquidiert 02.06.2025 |
| PARO (AIST) | JP | taktil/nonverbal; einzige harte RCT-Evidenz bei Demenz | etabliertes Therapieprodukt |
| temi (Robotemi) | IL/US | fahrbare Telepräsenz plus App-Plattform | marktverfügbar |
| ElliQ (Intuition Robotics) | IL/US | proaktiver Sprachbegleiter, initiiert rund 60 % der Interaktionen | marktreif, staatlich skaliert (NY) |
Der schärfste Kontrast ist Pepper. Der einstige Marktprimus der sozialen Robotik ist tot, denn Aldebaran meldete Anfang 2025 Insolvenz und wurde am 2. Juni 2025 liquidiert, mit rund 150 Millionen Euro Schulden. Rund 17.000 Pepper wurden je verkauft, dann war Schluss. Der generische „humanoide Alleskönner“ ist wirtschaftlich gescheitert.
Bei der Evidenz wird der Vergleich am deutlichsten. Nur PARO hat harte, peer-reviewte RCT-Belege für Wirkung bei Demenz; Navel und ElliQ berichten Wirkung, doch die stützt sich auf Hersteller- oder Anbieterstudien. Insolvenzen wie die von Aldebaran und Herstellerzahlen prägen dieses Segment, während unabhängige Wirkungsnachweise selten bleiben.
Der Markt: Personalmangel und Finanzierungslücke
Der Treiber hinter Navel ist demografisch. Deutschland fehlen nach der Destatis-Vorausberechnung bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte. Der Bedarf steigt dabei von 1,62 Millionen (2019) auf rund 2,15 Millionen (2049), ein Plus von 33 Prozent. Ein stärkeres Nachfrage-Argument gibt es für Navel nicht.
Dem steht eine harte Finanzierungslücke gegenüber. Digitale Pflegeanwendungen nach SGB XI erstatten Software, keine Roboter-Hardware, und wie hoch der Zuschuss ausfällt, geben die Quellen nicht belastbar her. Für physische Pflegeroboter ist keine Kassen-Erstattung belegt.
Hier klemmt es also, weil dem riesigen Bedarf kein Kostenträger für die Hardware gegenübersteht. Der Engpass ist weniger die Technik als die Frage, wer zahlt. Wer den breiteren Blick sucht, findet ihn bei den Robotern für Senioren im Überblick. Ohne tragfähiges Finanzierungsmodell bleibt jeder soziale Roboter ein Nischenprodukt.
Der Ethik-Blick: kein Gamechanger
Der Medizinethiker Robert Ranisch ordnet Navel nüchtern ein. Der Roboter sei bislang kein Gamechanger, und eine echte Entlastung der Pflege sei bisher nicht belegt. Er lehnt das Gerät damit nicht ab, sondern erdet die Erwartungen.
Dazu kommt die Grenzverwischung. Wenn Menschen die Maschine für ein echtes Gegenüber halten, entstehen ethische Fragen, besonders bei kognitiven Einschränkungen. Simulierte Zuwendung darf echte menschliche Kontakte ergänzen, nicht ersetzen.
Für die Praxis heißt das Begleitung statt Abstellen, denn ein sozialer Roboter ist ein Werkzeug im Team und kein Ersatz für Personal. Ähnlich nüchtern fällt der Blick auf den Forschungs-Humanoiden GARMI aus München aus, der bis heute Laborplattform bleibt. Gerade diese Entzauberung ist für Ihre Planung nützlich.
Kosten: Kauf und Leasing
Zu den Preisen gibt es nur Bezugsgrößen, keine harten Tageswerte. Für 2025 nennt die Fachpresse rund 28.000 Euro als einmaligen Kaufpreis, und als Leasing kursieren rund 970 Euro pro Monat. Beide Zahlen gelten nur ohne Gewähr und können sich geändert haben.
Kauf und Leasing folgen verschiedener Logik, weil ein Kaufpreis Kapital bindet und ein Leasing die Kosten streckt. Welches Modell passt, hängt von Einrichtung und Laufzeit ab.
An der Erstattung ändert das nichts. Weder Kauf noch Leasing werden nach heutigem Stand von der Pflegekasse getragen, sodass die Kosten bei der Einrichtung oder beim Träger liegen. Das ist der praktische Kern der Finanzierungslücke.
Verkauftes Produkt, schwacher Wirkungsbeleg
Navel ist ein reales, verkauftes Produkt und kein Prototyp. Zugleich ist die Wirkung schwach belegt und die Technik laut Studie noch unreif. Beides gilt gleichzeitig.
| Dimension | Navel-Stand | Lesart |
|---|---|---|
| Marktstatus | im Verkauf, Rollout seit Januar 2024 | reales Produkt, kein Prototyp |
| Autonomie | assistiv, keine Körperpflege | Ergänzung, kein Personalersatz |
| Wirkungsbeleg | Herstellerstudie, IPA qualitativ | kein RCT wie bei PARO |
| Datenschutz | Bild lokal, Dialog Cloud (EU) | nicht pauschal daten-sicher |
| Finanzierung Kunde | Kauf/Leasing, keine Kassen-Erstattung | Finanzierungslücke |
| Ethik-Einordnung | „kein Gamechanger“ (Ranisch) | Neuheitseffekt einplanen |
Navel ist weiter als viele Forschungsroboter und näher am Alltag, doch die harten Belege, die PARO seit Jahren mitbringt, fehlen noch. Für ein junges Segment ist das der normale Stand.
Recht: DSGVO und AI Act
Navel arbeitet kamerabasiert und liest Emotionen aus Signalen, was die DSGVO in besonderem Maß berührt. Emotions- und Gesichtsdaten fallen tendenziell unter Artikel 9, die besonderen Kategorien, und eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Artikel 35 kann nötig sein.
Dazu kommt der EU AI Act, der Emotionserkennung als sensible Anwendung mit Transparenzpflichten behandelt. Betroffene sollen wissen, dass ein solches System läuft. „Daten bleiben lokal“ deckt auch hier nur die Bilder ab, nicht den Sprachweg über EU-Server.
Weitere Regeln kommen erst noch. Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 gilt ab dem 20. Januar 2027, dazu der Cyber Resilience Act 2024/2847. Ein CE-Zeichen ist eine Herstellererklärung, kein Gütesiegel. Das ist Einordnung und keine Rechtsberatung.
Grenzen und der Neuheitseffekt
Eine Grenze, die sich schwer messen lässt, ist der Neuheitseffekt. Ein sprechender Roboter ist am Anfang faszinierend, doch ob die Begeisterung nach Wochen bleibt, ist offen und kaum belegt. Bisher misst das keine unabhängige Langzeitstudie.
Auch bei der Wirkung bleibt Navel dünn belegt. Positive Einzelmomente sind real und dokumentiert; ein messbarer Effekt gegen Einsamkeit oder auf die Kognition ist es nicht. Herstellerstudien ersetzen keine kontrollierten Belege.
Und dann ist da die Rolle im Alltag. Navel ist Gesprächspartner, nicht Pflegekraft; er nimmt keine körperliche Arbeit ab und entlastet Personal nur mittelbar. Das ist die Erwartung, mit der Sie planen können.
Einordnung
Navel ist ein seltener europäischer Sozialroboter, der real ausgeliefert wird. Rund 100 Einheiten laufen in rund 34 Einrichtungen, im Dauereinsatz seit Januar 2024. Das ist mehr als Forschung und weniger als ein bewiesener Nutzen.
Der Vergleich liefert die Lehre. Nur PARO hat belegte RCT-Evidenz, während das Segment von Insolvenzen wie Pepper und von Herstellerzahlen geprägt ist. Navels „Empathie“ bleibt simuliert, die Bilddaten bleiben lokal, der Dialog nicht. Und der eigentliche Engpass ist die Finanzierungslücke.
Navel ist damit ein ernstzunehmender Anlauf mit klaren Grenzen. Ein Gamechanger ist er laut Ranisch bislang nicht. Wer ihn einsetzt, plant Datenschutz, Finanzierung und Begleitung von Anfang an mit ein. Das ist redaktionelle Einordnung, keine Kauf- oder Rechtsberatung.
Was kann der Navel-Roboter?
Navel führt Gespräche, hält Blickkontakt und zeigt Mimik. Er merkt sich laut Hersteller Namen und Vorlieben und soll ältere Menschen kognitiv aktivieren. Körperpflege übernimmt er nicht — er ist ein Gesprächs- und Aktivierungsgerät.
Ist Navel wirklich empathisch?
Nein, die „Empathie“ ist simuliert. Navel erkennt Signale wie Stimme, Wortwahl und Mimik und reagiert passend darauf. Das wirkt zugewandt, bleibt aber eine berechnete Reaktion ohne echtes Gefühl oder Verständnis.
Wohin gehen die Daten von Navel?
Zweigeteilt: Kamerabilder werden laut Hersteller lokal verarbeitet und nach rund 100 ms gelöscht. Der Dialog läuft dagegen über ein Sprachmodell in der Cloud auf europäischen Servern. „Lokal“ gilt also nur für die Bilddaten, nicht für den Sprachweg.
Was kostet Navel?
Für 2025 nennt die Fachpresse rund 28.000 Euro Kaufpreis oder rund 970 Euro Leasing pro Monat, beides ohne Gewähr. Eine Erstattung durch die Pflegekasse ist nach heutigem Stand nicht belegt. Die Kosten liegen bei Einrichtung oder Träger.
Pflegt Navel Menschen körperlich?
Nein. Navel hebt niemanden, reicht kein Essen und übernimmt keine Grundpflege. Er ist ein sozialer Assistenzroboter für Gespräch und Aktivierung, kein körperlicher Pflegehelfer und kein Ersatz für Personal.
Wo wird Navel eingesetzt?
Nach Herstellerangaben laufen rund 100 Roboter in rund 34 Einrichtungen, im Dauereinsatz seit Januar 2024. Belegte Orte sind unter anderem Häuser der Cellitinnen, die Evangelische Heimstiftung, die MHH, die TU München und die Münchenstift.
Hilft Navel gegen Einsamkeit?
Das lässt sich seriös nicht mit Ja beantworten. Hersteller und einzelne Einrichtungen berichten von positiven Momenten, doch unabhängige Wirkungsnachweise fehlen. Der Ethiker Ranisch nennt Navel bislang keinen Gamechanger. Ob er Einsamkeit lindert, bleibt eine offene Frage.
Wie unterscheidet sich Navel von PARO?
Navel setzt auf sprechende „Empathie“-Konversation, PARO auf taktile Beruhigung ohne Sprache. Der entscheidende Unterschied ist die Evidenz: PARO hat harte, peer-reviewte RCT-Belege bei Demenz, Navel stützt sich bislang auf eine Herstellerstudie.
Ersetzt Navel Pflegekräfte?
Nein. Navel ist assistiv und nimmt keine körperliche Arbeit ab. Der Ethiker Ranisch sieht bislang keine belegte Entlastung. Der Roboter ist ein Werkzeug im Team, kein Ersatz für Personal.
Wird Navel von der Pflegekasse bezahlt?
Nach heutigem Stand nicht belegt. Digitale Pflegeanwendungen nach SGB XI erstatten Software. Wie hoch der Zuschuss ausfällt, geben die Quellen nicht belastbar her. Für physische Roboter wie Navel ist keine Erstattung nachgewiesen. Genau das ist die Finanzierungslücke im deutschen Markt.
Quellen & Stand: navelrobotics.com (Funktion, Bilddaten lokal/rund 100 ms, Cloud-LLM europäische Server), deutsche-wirtschafts-nachrichten.de (Firma München, Gründung 2019, Toussaint), heise.de (rund 100 Roboter im Einsatz), Herstellerangabe (rund 34 Einrichtungen, Dauereinsatz seit Januar 2024), dup-magazin.de (Kaufpreis/Leasing 2025, ohne Gewähr), altenheim.net (IPA-Studie qualitativ, Ethiker Ranisch „kein Gamechanger“), therobotreport.com und heise.de (Aldebaran-Insolvenz 2025, Liquidation 02.06.2025, rund 150 Mio. € Schulden, rund 17.000 Pepper verkauft), Moyle u. a., Cluster-RCT zur Therapierobbe PARO, JAMDA 2017 (PMID 28780395) (PARO-RCT-Evidenz), aging.ny.gov und forbes.com (ElliQ, rund 60 % initiierte Interaktionen, NY-Rollout), destatis.de (Pflegekräfte-Lücke 280.000–690.000 bis 2049, Bedarf 1,62→2,15 Mio.), sozialgesetzbuch-sgb.de und gkv-spitzenverband.de (SGB XI/DiPA: Rechtsgrundlage des Anspruchs, keine Betragshöhe belegt), Recherche 08/2026 (DE-Verfügbarkeit). Herstellerwerte sind Angaben der Hersteller; Preise ohne Gewähr, Stand 2025. Die Navel-Wirkung ist Herstellerangabe und nicht mit der PARO-RCT-Evidenz gleichzusetzen. Diese Einordnung ist redaktionell und keine Kauf-, Anlage- oder Rechtsberatung. Stand: 10. August 2026.